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Zwei Flaschen Kräuterlikör gestohlen

Hart bestraft: Warum ein Likör-Dieb (24) aus Rosenheim für 14 Monate ins Gefängnis muss

Bei der angeordneten Blutentnahme hatte sich der 24-Jährige heftig zur Wehr gesetzt.
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Bei der angeordneten Blutentnahme hatte sich der 24-Jährige heftig zur Wehr gesetzt.
  • VonTheo Auer
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Weil er zwei Flaschen billigen Kräuterlikör gestohlen hatte, musste sich jetzt ein 24-jähriger Rosenheimer vor Gericht verantworten. Weder gegenüber der Polizei noch im Gerichtssaal verhielt sich der Mann dann aber in Hinblick auf sein Strafmaß besonders sinnvoll.

Rosenheim – Weil er sich gegen einen Corona-Impfung, die für seinen Arbeitsplatz vorgeschrieben war, entschieden hatte, verlor der 24-jährige Rosenheimer nicht nur seinen Job, sondern auch seine Unterkunft und musste sich einen Schlafplatz in einem Obdachlosenheim suchen.

24-Jähriger moniert „ungesunde Verpflegung“

Dort war er unzufrieden, weil er kein Einzelzimmer bekommen hatte. Zudem bemängelte er die nach seiner Ansicht ungesunde Verpflegung. Auch dort musste er aufgrund fehlender Corona-Impfungen letztlich ausziehen, weshalb er schließlich im Schlafsack oder bei Freunden übernachtete.

Weil er am 10. Februar 2022 in einem Discountcenter zweimal jeweils eine Flasche billigen Kräuterlikör mitgehen ließ, wurde er kurz vor Geschäftsschluss vom Ladendetektiv angehalten, dem er bereits beim ersten Mal aufgefallen war. Doch der 24-Jährige wurde gegenüber dem Detektiv renitent, so dass die Geschäftsführerin die Polizei rief. Nach einem kurzen Gerangel mit den Beamten wurde er zur Dienststelle gebracht.

Für Blutentnahme von der Polizei fixiert

Dort sollte sein Blutalkoholgehalt festgestellt werden. Dagegen wehrte sich der Angeklagte mit aller Gewalt, wie auf einem Video vor Gericht zu sehen war. Unter lautem Gebrüll musste der Angeklagte schließlich von fünf Beamten fixiert werden, damit der Arzt die angeordnete Blutentnahme durchführen konnte.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft enthielt zunächst den Vorwurf des räuberischen Diebstahls, weil er sich der Festnahme in dem Zusammenhang widersetzt hatte. Dies reduzierte sich dann aber auf eine gewöhnliche Diebstahlstat.

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte wenig kooperativ. So weigerte er sich, die Hilfen seines Verteidigers, Rechtsanwalt Harald Baumgärtl, anzunehmen. Auch eine Zusammenarbeit mit dem psychiatrischen Gutachter verweigerte der Mann. Stattdessen gab der 24-Jährige zu Protokoll, er habe bei der Blutuntersuchung eine Kontrolle nach Tumormarkern vermisst. Den Diebstahl des Alkohols begründete er mit einer Leukämie-Erkrankung, die er dadurch bekämpfen wolle. Den richterlichen Hinweis, sich etwas zurückzunehmen, da das Verfahren sonst ohne ihn durchgeführt werde, bezeichnete er als „Erpressung durch das Gericht“.

Nur ein eingeschränktes Gutachten

Der forensisch-psychiatrische Gutachter Dr. Josef Eberl vom Inn-Salzach-Klinikum konnte nur ein eingeschränktes Gutachten abgeben. So zeige der Proband eine durchaus ausgeglichene Psyche. Zwar sei er fraglos ein Anhänger von Verschwörungstheorien, doch stelle dies kein Krankheitsbild dar. Wegen der gegebenen Alkoholisierung könne allerdings im Zusammenhang mit dem Widerstand bei der Blutentnahme eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausgeschlossen werden.

Ein Beamter der Polizei Rosenheim bestätigte, dass der Angeklagte wegen wiederholter Alkoholisierung in der Vergangenheit mehrfach aufgefallen sei, ohne dass es aber deshalb zu einer Anklage gekommen war.

Negative Sozialprognose

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft macht in ihrem Plädoyer deutlich, dass der Angeklagte ohne jedes Schuldbewusstsein sei. Der Angeklagte sei Alkohol gewöhnt und wisse deshalb, dass er in diesem Zustand zu Fehlverhalten neige. Insgesamt forderte sie eine Gefängnisstrafe von 18 Monaten. Wegen der fehlenden Einsicht und einer nach ihrer Meinung negativen Sozialprognose wollte sie ihm keine Bewährung zugestehen.

Der Verteidiger verwies in seinem Schlussvortrag darauf, dass sein Mandant keinerlei Vorstrafen aufweise, dass die gestohlene Ware nur recht geringen Wert aufweise und dass er sich schon über sechs Monate in Untersuchungshaft befände. Dies habe ihn fraglos beeindruckt, so dass die Haftstrafe von zwölf Monaten, wie er sie beantragte, durchaus zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Das Schöffengericht verhängte eine Strafe von 14 Monaten, die es nicht zur Bewährung aussetzte. Zwar sei der Verurteilte teilweise geständig, auch seien es nur geringwertige Dinge gewesen, die er gestohlen hatte. „Aber“, so der Richter, „Sie haben in keiner Weise erkennen lassen, dass Sie irgendetwas aus diesem Verfahren gelernt haben. So sehen wir uns nicht in der Lage, hier die Chance der Bewährung zu geben, auch wenn dies Ihre erste Verurteilung ist.“

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