Hans Schussmann über den Status quo im Rosenheimer Aicherpark: „Wieder Freude vermitteln“:

Hans Schussmann von der Interessensgemeinschaft Aicherpark blickt trotz Corona-Pandemie positiv in die Zukunft.
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Hans Schussmann von der Interessensgemeinschaft Aicherpark blickt trotz Corona-Pandemie positiv in die Zukunft.

Rosenheim – Im Rosenheimer Aicherpark arbeiten in 118 Geschäften rund 3000 Menschen. Sie alle sind von der Krise betroffen. Hans Schussmann von der Interessensgemeinschaft Aicherpark blickt trotzdem positiv in die Zukunft. Ein Gespräch über Krisengewinner und Segway-Fahrten.

Wie geht es dem Aicherpark momentan in der Corona-Krise?

Hans Schussmann: Es ist von Branche zu Branche unterschiedlich. Es gibt die Geschäfte, die aktiv und kreativ sind, die Ideen haben. Die arbeiten beispielsweise mit längeren Öffnungszeiten. So kompensieren sie Umsatzausfälle. Und dann gibt es die, die nicht kreativ oder originell sind, die haben schon Schwierigkeiten. Insgesamt sind wir aber relativ stabil. Im Aicherpark haben wir überwiegend Rosenheimer Eigentümer, mit denen man permanent zusammenarbeitet.

Hat es sich in Zeiten von Corona ausgezahlt, so eng und gut vernetzt zu sein?

Schussmann: „Ja, das hat sich auch jetzt zu Krisenzeiten als Stabilitätsfaktor erwiesen. Man kann ausgleichend auf Geschäfte einwirken. Oder dem einen aufzeigen, wie andere mit Dingen wie Stundungen oder Mietenentwicklungen umgehen.“

Gab es schon Geschäfte, die aufgrund der Corona-Pandemie schließen mussten?

Schussmann: Wir hatten bis jetzt noch keinen Fall, der allein wegen Corona aufgegeben hat.

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Wie erging es den großen Läden, die aufgrund der 800-Quadratmeter-Regelung ihre ganze Verkaufsfläche lange nicht öffnen durften?

Schussmann: Es war am Anfang nicht einfach. Es fanden auch die Wanderungen ins Internet statt. Das bedeutet Umsatzausfall, der nicht so einfach zu kompensieren ist. Aber es musste niemand entlassen werden. Die Arbeitsplätze waren nicht bedroht.

Sind Geschäftsführer und Ladenbetreiber mit ihren Sorgen und Nöten auf Sie zugekommen?

Schussmann: Das gab es eigentlich nicht. Es kam ab und zu vor, dass jemand vorbei kam, der über Themen wie Mietminderungen sprechen wollte.

Welche Geschäfte haben die Krise bis jetzt gut gemeistert?

Schussmann: Alle, die von dem Lockdown nicht betroffen waren. Wie die Lebensmittelläden zum Beispiel. Das Tauchzentrum bluesup bietet statt Tauchfahrten ans Meer Tauchgänge im Chiemsee an. Der Squash Tower veranstaltet Fahrten mit dem Segway.

Welchen Läden geht es besonders schlecht?

Schussmann: Die Trachtenläden haben Schwierigkeiten. Sie hängen an den Stadtteil- und Volksfesten, die jetzt alle ausfallen. Fitnessclubs leiden auch, genauso wie Möbelgeschäfte. Denn wer kauft jetzt in der Krisenzeit Möbel, außer, man braucht wirklich etwas?

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Normalisiert sich das Einkaufsverhalten der Menschen langsam wieder?

Schussmann: Das ist sehr unterschiedlich. Ein Beispiel: Keiner kauft sich einen neuen Anzug, wenn er den ganzen Tag im Home Office sitzt. Das Konsumverhalten ist immer an eine gewisse Zukunftsperspektive gekoppelt. Wenn es hier bestimmte Störungen gibt, dann ist auch das Konsumverhalten gestört. Man kauft nur die notwendigen Dinge.

Wie sieht es mit finanziellen Einbußen aus?

Schussmann: Einbußen von 50 Prozent sind nicht selten. Manche Geschäfte sind vom Umsatz her wieder dort, wo sie vor zehn Jahren gestanden haben.

Welche Pläne gibt es, den Aicherpark in Zukunft zu beleben?

Schussmann: Wir müssen schauen, dass wir wieder Freude vermitteln. Zum Beispiel wie in der Innenstadt bei „Sommer in Rosenheim“. Wir haben im Aicherpark seit Kurzem einen Bahn-Haltepunkt. Hier müsste es eine Beschilderung geben. Für die Zukunft habe ich eine Vision von einem 360-Grad-Café auf dem Dach des TK Maxx. Das würde sicherlich auch viele Menschen anziehen.

Blicken Sie positiv in die Zukunft?

Schussmann: Sagen wir es so: Die Menschen werden weiterleben. Sie werden einen bestimmten Nachholbedarf nach Gütern und Events haben. Wie schnell das alles kommt, ist offen. Ich warte auf den Moment, an dem wir das Ziel, also einen Impfstoff gegen COVID-19, vor Augen haben. Dann, glaube ich, geht es wieder vorwärts.

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