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Auszeichnung für 67 Jahre Mitgliedschaft im DJK

Im hohen Alter noch Boxtrainer: Günter Ziegler (79) aus Rosenheim widmet sein Leben dem Sport

Durchgeboxt: Viel hat sich im Leben von Günter Ziegler verändert. Nur beim DJK ist er noch immer. Eingetreten ist er am 1. April 1954.
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Durchgeboxt: Viel hat sich im Leben von Günter Ziegler verändert. Nur beim DJK ist er noch immer. Eingetreten ist er am 1. April 1954.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Für seine 67-jährige Mitgliedschaft beim DJK-Sportverband hat Günter Ziegler jetzt die höchste Ehrung des Bundesverbandes bekommen. Eine Geschichte über Sport, Hartnäckigkeit und warum der Rosenheimer auch im Alter von 79 Jahren noch lange nicht ans Aufhören denkt.

Rosenheim Ein guter Sportler war Günter Ziegler noch nie. „Dafür schon immer sehr sportbegeistert“, sagt Ziegler und lacht. Während er erzählt, holt er seine Mitgliedskarte von 1954 aus dem Geldbeutel. Die Ecken sind verfärbt, an manchen Stellen sind erste Risse zu erkennen.

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Neben seinem Namen ist auf der Karte auch das Datum festgehalten, an dem er sich entschieden hat, dem Verein beizutreten. „Das war am 1. April 1954“, sagt Ziegler.

Mitgliedskarte in die Hand gedrückt

Damals habe ihn sein Cousin gefragt, ob er nicht Lust habe, Teil des Hockey-Teams zu werden. Ziegler musste nicht lange überlegen und stimmte zu. Er bekam eine Mitgliedskarte in die Hand gedrückt und ist seit diesem Zeitpunkt Teil des DJK-Sportverbands.

Das war vor 67 Jahren. Viel hat sich seitdem verändert. Auch im Leben von Günter Ziegler. Nur beim DJK ist er noch immer. Er ist der Vorsitzende der DJK Bavaria Rosenheim, arbeitet als Boxtrainer und ist in ganz Bayern als Kampfrichter unterwegs. „Natürlich werde ich irgendwann kürzertreten müssen. Da muss ich mir nichts vormachen“, sagt er. Nur wann das sein wird, lässt der 79-Jährige noch offen. Viel lieber erinnert er sich an die vergangenen Jahre, an seinen „sportfunktionalen Werdegang“, wie er es nennt.

Als Sportwart in der Hockey-Abteilung

Damit er nichts vergisst, hat er die wichtigsten Etappen auf zwei DIN-A4-Seiten zusammengeschrieben. 1973 bis 1985 engagierte er ehrenamtlich als Sportwart in der Hockey-Abteilung. Jedenfalls dann, wenn er nicht seinem Beruf als Elektroingenieur bei der Deutschen Bahn nachkam. „Ich war durch meinen Beruf unheimlich viel unterwegs.Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich“, sagt er.

Eine Erinnerung aus alten Tagen: Die Mitgliedskarte ist bereits 67 Jahre alt.

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Das sei auch einer der Gründe gewesen, warum er als Sportler niemals wirklich durchstarten konnte. „Zwischen den einzelnen Trainingseinheiten lagen bei mir manchmal mehrere Wochen“, sagt er. Ein Leben ohne den Verein kam aber schon damals nicht für ihn in Frage.

Silberne Ehrennadel ausgezeichnet

Vom Sportwart stieg er zum Dritten Vorsitzenden und Schatzmeister auf. Er kümmerte sich um die Mitglieder, hatte einen Blick auf die Bürokratie und sorgte bei Wettkämpfen dafür, dass alles klappte. Sein Einsatz wurde 1980 erstmals mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Weitere Anerkennungen, wie die Goldene Ehrennadel, sollten folgen. Er fühlt sich wohl beim Hockey und doch zieht es ihn irgendwann zum Boxen.

Kampfgeist und Disziplin

Eine Sportart, mit der er so gar nichts am Hut hatte. „Der Kampfgeist und die Disziplin haben mich von Anfang an fasziniert“, sagt er. Statt selbst in den Ring zu steigen, gibt er Anweisungen von der Seitenlinie. Er studiert Kämpfe, unterhält sich mit anderen Trainern und bringt sich alles, was es über die Sportart zu wissen gibt, selbst bei. 1997 beschließt er, seinen eigenen Verein zu gründen: den DJK Bavaria Rosenheim.

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Er bietet Olympisches Boxen an, außerdem Kinderfitness, Breitensport und Amateurboxen. Mittlerweile zählt der Verein 160 Mitglieder. Vier davon hat er bis zur Deutschen Meisterschaft gebracht. Doch die Corona-Pandemie hat auch hier vieles erschwert. Nicht nur konnten seine Schützlinge monatelang überhaupt nicht trainieren, auch die Wettkämpfe seien entweder verschoben oder abgesagt worden.

Erste Kämpfe wieder ausgetragen

Mittlerweile ist wieder das Leben in die Sporthalle Am Roßacker zurückgekehrt. Die Trainingseinheiten finden wieder statt und auch die ersten Kämpfe wurden bereits ausgetragen. Aktiv an der Seitenlinie steht Günter Ziegler zwar nicht mehr, entgehen lässt er sich trotzdem keinen Kampf. „Ich helfe immer noch aus, wenn jemand Unterstützung braucht“, sagt er.

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Ansonsten liegt sein Hauptaugenmerk im Moment auf der Bürokratie. Zudem ist er als Kampfrichter unterwegs. „Da hab ich schon einige schlimme Dinge erlebt“, erinnert er sich. Vor sechs Jahren beispielsweise sei einer der Kämpfer ohne jegliche Einwirkung im Boxring zusammengebrochen und wenige Stunden später im Krankenhaus gestorben. „Ihm ist eine Ader im Kopf geplatzt“, sagt Ziegler.

„Zufrieden kann man nie sein“

Aber im Großen und Ganzen würden die positiven Momente überwiegen. Damals, als einer seiner Schützlinge die Deutsche Meisterschaft gewann oder als sein Verein zehnjähriges Bestehen feiert, mit Alt-Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer als Schirmherrin. Und seit einigen Tagen gibt es da noch so einen Moment. Nämlich den, als Martin Götz, Präsident des DJK-Sportverbandes ihn mit dem Carl-Mosters-Relief auszeichnete – als das dienstälteste Mitglied. „Zufrieden kann man nie sein. Aber ich habe mir zum Ziel gesetzt, alles was ich früher durch den Sport an positiven Erlebnissen erfahren habe, dem Sport angemessen zurückzugeben“, sagt Ziegler.

Bei der Übergabe: Präsident Martin Götz (rechts) und Vizepräsidentin Ulrike Hahn mit Günter Ziegler (mitte).

„Das Carl-Mosters-Relief ist die höchste Auszeichnung, die man im DJK-Sportverband erhalten kann“, sagt der ehemalige Geschäftsführer Johann Grundner. Seit 1970 hätten in Oberbayern gerade einmal 15 Personen die „ganz besondere Auszeichnung“ erhalten. „Seit knapp fünf Jahrzehnten ist Ziegler mit der DJK aufs Engste verbunden und umgekehrt“, sagt Grundner und lobte auch die Integritätsarbeit des Vereins DJK Bavaria. Für seine herausragenden und langjährigen Verdienste habe man ihm jetzt das Carl-Mosters-Relief überreicht.

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