Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Kritik von Grünen und Interessensgemeinschaft Nord

Grundschule, Nahversorgung und ein Altenheim: Das sind die Pläne für den Rosenheimer Norden

Urbanes Gebiet statt Wiese: Auf der Fläche westlich der Westerndorfer Straße sollen die Planungen für einen Einzelhandelsstandort vorangetrieben werden.
+
Urbanes Gebiet statt Wiese: Auf der Fläche westlich der Westerndorfer Straße sollen die Planungen für einen Einzelhandelsstandort vorangetrieben werden.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
    schließen

Die Planungen für den Rosenheimer Norden schreiten voran. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses haben sich die Stadträte jetzt für die Grundzüge der Planung ausgesprochen. Nur die Grünen würden die Vorschläge am liebsten über den Haufen werfen.

Rosenheim – Seit 18 Jahren sitzt Beate Burkl für die Freien Wähler/UP im Stadtrat. Mindestens genauso lange beschäftigt sich das Gremium mit der Entwicklung des Rosenheimer Nordens. Pläne dafür gab es einige. So hatte der Baubewerber vorgeschlagen, auf der Fläche an der Westerndorfer Straße – die im Moment noch landwirtschaftlich genutzt wird – ein Versorgungszentrum mit Discounter, Vollsortimenter und Drogeriemarkt zu errichten.

Damals hatte der Stadtrat betont, dass das Versorgungszentrum nur dann realisiert werden könne, wenn der Kreuzungsknoten den zusätzlichen Verkehr, den das Einkaufszentrum mit sich bringen würde, bewältigen kann. Weil hierfür keine Lösung gefunden werden konnte, stockte das Vorhaben und nach dem Stadtrats-Beschluss im Jahr 2016 passierte vorerst nichts mehr.

Wohnen und Nahversorgung

Die Grafik zeigt, eine erste Vorstellung wie der Westerndorf Park im Rosenheimer Norden aussehen könnte. Geplant sind neben einem großflächigen Einzelhandel auch Gewerbe, Wohneinheiten und ein Altenheim.

Im vergangenen Jahr setzten sich dann CSU und SPD dafür ein, die Planungen wieder voranzutreiben. Allerdings mit einigen Änderungen. So sollen neben der Nahversorgung auch Einzelhandel, Bildungseinrichtungen und Wohnungen angesiedelt werden. Nachdem die Stadt – auf Wunsch der Politiker – ein externes Stadtplanungsbüro mit der Bearbeitung des Bebauungsplans beauftragt hatte, wurden die Grundzüge jetzt in der Sitzung des Bauausschusses vorgestellt.

So soll im Norden der circa elf Hektar großen Fläche auf dem Baufeld 1 eine vierzügige Grundschule inklusive Turnhalle und eine Kindertageseinrichtung gebaut werden. Sowohl die Grundschule, als auch die Kita sollen laut Verwaltung dreigeschossig werden. Südlich der Kindertagestagestätte soll ein fünfgeschossiges Alten-und Pflegeheim errichtet werden.

Altenheim zu weit von der Stadt entfernt?

Ein Vorschlag, der zumindest bei einigen Stadträten für Irritationen sorgte. „Das Altenheim wäre sehr weit von der Stadt entfernt“, sagte Stadträtin Beate Burkl und erhielt Zustimmung von Judith Kley-Stephan (Grüne). Sie hinterfragte in diesem Zusammenhang auch, ob eine Schule an diesem Standort überhaupt sinnvoll sei.

Für Diskussionen sorgten auch die Pläne für das Baufeld 2, dessen zentraler Bereich zukünftig die Versorgung des Rosenheimer Nordens abdecken und gleichzeitig vielfältige Nutzungen wie Parken, Dienstleistungen und Gewerbe ermöglichen soll.

Baulicher Stadteingang soll geschaffen werden

Geplant ist ein großflächiger Einzelhandel, der zugleich einen baulichen Stadteingang schaffen soll. „Zudem ist auf dem Einzelhandel eine Aufstockung von mehreren Geschossen möglich, um flächensparendes Bauen zu beherzigen“, heißt es aus dem Rathaus. Vorstellbar wären hier laut Verwaltung vier bis fünf Geschosse. Im südlichen Teil des Baufelds soll hochschulnahes Gewerbe auf sieben Geschossen untergebracht werden.

„Von einem einzelnen Investor treiben lassen“

Große Pläne, die vor allem bei den Grünen auf wenig Gegenliebe stießen. „Die Planung geht an der Realität vorbei“, sagte Stadtrat Franz Lukas (Grüne). Die Fläche im Rosenheimer Norden sei so groß, dass die gesamte Altstadt darin Platz hätte. Für Lukas Anlass genug, „mehr daraus zu machen“. In seinen Augen müsse man sich überlegen, was man für die Stadt tun könne und dürfe sich nicht „von einem einzelnen Investor treiben lassen“. In seinen Augen führe deshalb nichts an einem Neustart vorbei.

Hochschulnahes Gewerbe ansiedeln

Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU, erinnert seinen Kollegen an den Stadtratsbeschluss vor sechs Jahren, in dem das Konzept für den Rosenheimer Norden bereits mehrheitlich beschlossen worden ist. Diesen jetzt in eine „verstaubte Ecke“ stellen zu wollen, sei nicht in Ordnung.

Stattdessen unterstrich Borrmann, dass man dringend eine weitere Grundschule brauche, und begrüßte die Möglichkeit, dass sich Gewerbe in der Nähe der Hochschule ansiedeln könnte. Ähnlich äußerte sich auch Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Kleinteilige Einzelhandelsstrukturen sind nicht die Zukunft“, zeigte er sich überzeugt. Zudem begrüßte er die Tatsache, dass die Fläche eben nicht nur als reiner Einzelhandelsstandort genutzt werden soll.

Entscheidung am Mittwoch

Es sind Argumente, die weder die Grünen noch CSU-Stadtrat Georg Soyer oder Hans Raß (AfD) überzeugen konnten. So störte sich beispielsweise Anna Rutz (Grüne) daran, dass es nur eine Planung gebe. Stadtrat Georg Soyer kritisierte unter anderem den hohen Flächenverbrauch.

Mit 6:5 Stimmen sprachen sich die Mitglieder des Bauausschusses für die Grundzüge der Planung aus. Eine endgültige Entscheidung fällt am Mittwoch im Stadtrat. Sollte der Vorschlag auch dann eine Mehrheit finden, werden die erforderlichen Gutachten und weitere Verfahrensschritte geprüft.

Interessengemeinschaft Nord fordert eine „echte Grünzäsur“: Seit zehn Jahren bemüht sich die Interessengemeinschaft Rosenheim-Nord nach eigenen Angaben darum, bei der Planung für den Stadtteil die Interessen der Bürger einzubringen. Nachdem die Grundzüge einer Planung im Bauausschuss vorgestellt und diskutiert wurden, hat die Interessengemeinschaft deshalb beschlossen, einen eigenen Entwurf für den Rosenheimer Norden einzubringen, der auf zwei Eckpunkten basiert. „Wir wollen eine echte Grünzäsur zwischen Hochschule und Westerndorf erhalten. Wir wollen diese Flächen multifunktional für Freizeit- und Erholung nutzen. Wir stellen uns vor, dass hier ein Bürgerpark mit Aufenthaltsqualität entsteht“, sagt Vorsitzender Albin Stieber. Vorstellbar seien sowohl für ihn als auch Mitglied und Architekt Rainer Heinz unter anderem ein Abenteuerspielplatz, Tischtennisplatten, ein Schachfeld, ein Spielfeld für Fußball oder andere Sportarten. Ein Hügel könnte im Winter auch die Möglichkeit für Schlittenfahren bieten. Die Flächen könnten laut Interessensgemeinschaft auch für Schulen oder Vereine nutzbar gemacht werden. „Andererseits kann ein Teil der Fläche als interessanter, abwechslungsreicher Garten mit Sitzbänken genutzt werden. Schließlich könnte es für die Stadt von Vorteil sein, hier Öko-Ausgleichsflächen auszuweisen“, sagt Heinz.

Der Vorschlag der Interessensgemeinschaft Rosenheim Nord.

Ziel der Interessensgemeinschaft sei es zu vermeiden, dass ein großflächiges Einkaufszentrum entsteht, wie es vor Jahren angedacht war. „Wir werben für einen kleinteiligeren Einzelhandel, der sich auf die Kundschaft im Stadtviertel konzentriert. Wir wollen nicht, dass überörtliche Kaufkraft und damit zusätzlicher Verkehr ins Quartier gezogen wird“, sagt Albin Stieber.

Die soziale und ökologische Entwicklung der vergangenen Jahre laufe immer stärker in Richtung einer wohnortnahen Versorgung mit Waren und Dienstleistungen für den Alltagsbedarf. Eine Ansammlung von großflächigen Märkten könne dem nicht gerecht werden. „Wir können uns durchaus auch verdichteten Wohnungsbau zum Beispiel im Norden des Gebiets vorstellen. Für überlegenswert erachten wir die Möglichkeit, die Parkflächen zu überbauen und somit intensiver zu nutzen“, ergänzt Rainer Heinz.

Mehr zum Thema

Kommentare