Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Pilotprojekt in anderen Städten

Rosenheimer Grüne schlagen grünen Pfeil nur für Radfahrer an Kreuzungen in der Stadt vor

42 Zentimeter hoch und 33 Zentimeter breit: Das Verkehrsschild, das Fahrradfahrern in Zukunft erlauben soll, auch bei einer roten Ampel rechts abzubiegen, wenn sie freie Fahrt haben, wollen die Grünen auch nach Rosenheim holen.
+
42 Zentimeter hoch und 33 Zentimeter breit: Das Verkehrsschild, das Fahrradfahrern in Zukunft erlauben soll, auch bei einer roten Ampel rechts abzubiegen, wenn sie freie Fahrt haben, wollen die Grünen auch nach Rosenheim holen.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
    schließen

Radfahrer sollen künftig auch bei Rot rechts abbiegen dürfen. Jedenfalls an einigen Kreuzungen in der Stadt. Das haben die Grünen in einem Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) gefordert. Ein bundesweiter Pilotversuch spricht für den Vorschlag. Aber es gibt auch kritische Stimmen.

Rosenheim – In Düsseldorf hängt es bereits, in Leipzig und München auch: ein 42 Zentimeter hohes und 33 Zentimeter breites Verkehrsschild. Darauf zu sehen ist ein grüner Pfeil in einem schwarzen Quadrat, der nach rechts weist. Darunter das Piktogramm eines Fahrrads, mit dem Zusatz „nur“ versehen. Für Radfahrer in Leipzig, Düsseldorf und sieben weiteren Großstädten bedeutet das, dass sie hier auch an einer roten Ampel rechts abbiegen dürfen, wenn sie freie Fahrt haben und den Verkehr nicht behindern.

Pfeil, dort anbringen, wo sinnvoll

Es ist eine Regelung, die den Grünen so gut gefällt, dass sie den Pfeil auch nach Rosenheim holen wollen. In ihrem Antrag fordern sie die Verwaltung deshalb auf, den „Grünen Pfeil“ für Radfahrer dort anzubringen, wo er „sinnvoll und ausreichend sicher für alle Verkehrsteilnehmer genutzt werden kann“.

Lesen Sie auch: Achtung bei Grünpfeil: Diese Regeln sollten Sie kennen – sonst droht ein Bußgeld

Zu berücksichtigen sei dabei auch die Sicherheit der Fußgänger. Die Verwaltung müsse darauf achten, Kreuzungen auszuwählen, die „übersichtlich und sicher genug sind“, Fußgänger zu sehen und für die Radfahrer gleichzeitig eine Fahrt ohne Wartezeit möglich ist.

Bundesweiter Modellversuch in neun Stunden

Dass die Regelung funktionieren kann, zeigt ein bundesweiter Modellversuch der Bundesanstalt für Straßenwesen in neun Städten.

Lesen Sie auch: Rosenheimer Verkehrsausschuss beschließt neue Regeln für Happinger Seen (Plus-Artikel OVB-Online)

Unter anderem eben auch in Leipzig. Deren Pressesprecherin Franziska Schneider berichtet auf Nachfrage der Redaktion, dass der Versuch von der Technischen Universität Dresden mit Vorher-Nachher-Beobachtungen begleitet worden ist. Aus der Auswertung solle dann seitens des Bundesverkehrsministeriums entschieden werden, ob der „Grüne Pfeil“ für Radfahrer dauerhaft eingeführt und Teil der Straßenverkehrsordnung werden soll.

Drei Kreuzungen in Leipzig

In Leipzig selbst sei an drei Kreuzungen versuchsweise das Rechtsabbiegen für Radfahrer auch bei einer roten Ampel erlaubt gewesen. Die Eingewöhnungsphase lief bis Ende April 2019, von Mai bis Juli 2019 folgten die sogenannten Nachher-Erhebungen, auch wenn der „Grüne Pfeil“ noch ein halbes Jahr hängen blieb. Seitdem läuft die Auswertung.

Projekt noch nicht abgeschlossen

„Das Forschungsprojekt ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Petra Peter-Antonin, Pressesprecherin der Bundesanstalt für Verkehrswesen. Es habe sich bereits gezeigt, dass „negative Auswirkungen des Grünpfeils nicht zu erwarten sind“. Aus diesem Grund sei der Grünpfeil seit April 2020 auch in der Straßenverkehrsordnung enthalten.

Wichtiger Baustein einer Verkehrswende

Für die Rosenheimer Grünen Anlass genug, sich auch in der Stadt für die neue Beschilderung auszusprechen. „Ein Verkehrszeichen zum freien Rechtsabbiegen bei Rot nur für Fahrradfahrer ist ein Baustein einer Verkehrswende pro Rad“, schreiben die Fraktionsvorsitzenden Peter Rutz und Franz Opperer in ihrem Antrag.

Lesen Sie auch: Schleppende Radentscheid-Umsetzung in Rosenheim sorgt für Kritik (Plus-Artikel OVB-Online)

Voraussetzung sei, dass Radfahrer trotzdem erst anhalten und warten, bis die Kreuzung frei ist und sie niemanden gefährden. Dabei gehe es auch um die Reduzierung von Gefahren, denen Radfahrer durch abbiegende Lastwagen ausgesetzt sind. In ihrem Antrag fordern die Grünen die Verwaltung auf, den Mitgliedern des Verkehrsausschusses mögliche Stellen für die Anbringung des „Grünen Pfeils“ für Radfahrer in der Stadt vorzuschlagen.

Kritik vom Fußgängerfachverband

Doch nicht überall hat das Verkehrszeichen Fans. So hatte etwa der Fußgängerfachverband „Fuss“ kritisiert, dass an Kreuzungen mit Grünpfeil eine erhöhte Unfallgefahr herrsche. Die Organisation berief sich dabei laut Pressesprecher Roland Stimpel auf eine Studie der TU Dresden und auf die Unfallforschung der Versicherer.

Lesen Sie auch: Tempolimit in der Klepperstraße in Rosenheim: Warum nur noch 30 km/h erlaubt sind (Plus-Artikel OVB-Online)

„Durch Grünpfeile steigt die Unfallzahl an einer Kreuzung um insgesamt 25 Prozent“, sagt Stimpel. Er befürchtet, dass durch den „Grünen Pfeil“ die Fußgänger-Sicherheit und die Disziplin von Radfahrern an der Ampel abnehmen.

Erfolgreiche Beispiele in Belgien und USA

Dass der „Grüne Pfeil“ aber durchaus funktionieren kann, zeigen Beispiele aus anderen Ländern. Die in den USA erstmals eingeführte Regel ist mittlerweile auch in den Niederlanden, Frankreich und Belgien Praxis.

Lesen Sie auch: Mehr Platz für Radler: Warum sich der Rosenheimer Fahrradbeirat trotzdem mehr wünscht (Plus-Artikel OVB-Online)

Die Verwaltungsvorschrift, in der letztendlich auch die Anwendungsempfehlungen enthalten sein werden, ist laut der Bundesanstalt für Verkehrswesen aktuell in Bearbeitung. Mit einer Veröffentlichung ist im Sommer zu rechnen. Dann könnte das Thema auch im Rosenheimer Gremium besprochen werden.

Stellungnahme der Radverkehrsbeauftragten Eva-Maria Mayr:

„Die zwei Zielsetzungen bei der Einführung des ‚Grünen Pfeils‘ einmal den Radverkehr zu verflüssigen und andererseits vermehrte Sicherheit für den Radfahrer zu schaffen, lassen sich nur durch ein diszipliniertes Verhalten des Radfahrers erreichen. Was die wenigsten wissen, der „Grüne Pfeil“ bedeutet für Radfahrer trotzdem zuerst einmal anhalten, den Verkehr an der Kreuzung beobachten und erst dann weiterfahren. Deshalb müsste aus meiner Sicht die Einführung des „Grünen Pfeils für Radfahrer“ mit einer breit angelegten Informationskampagne für die Öffentlichkeit schon im Vorfeld Hand in Hand gehen. Ich denke dabei auch an die Rad fahrenden Schüler. Es sollte dann auch Teil der Radverkehrsprüfung in der vierten Klasse an den Schulen sein und in die Ausbildung bei Fahrschulen miteinfließen. Insgesamt gesehen räume ich dem „Grünen Pfeil für Radfahrer“ gute Chancen an dafür geeigneten Stellen im Stadtbereich ein, bei genügender Information der Bürger und bei ausreichender Verantwortung der Radfahrer, also nicht einfach „durchbrettern“, sondern sich an die Regel zu halten. Das könnte man vielleicht durch ein Pilotprojekt erreichen.“

Mehr zum Thema

Kommentare