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Interview mit der neuen Fachlichen Leiterin

Gleiche Chancen für Alle: So unterstützt der Rosenheimer Verein „Pro Arbeit“ Jugendliche

Freuen sich auf die Zusammenarbeit: „Pro-Arbeit“-Geschäftsführerin Claudia Georgii (links) und Dilek Mermer-Kollmuß.
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Freuen sich auf die Zusammenarbeit: „Pro-Arbeit“-Geschäftsführerin Claudia Georgii (links) und Dilek Mermer-Kollmuß.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Rosenheim – Der Verein „Pro Arbeit“ unterstützt Jugendliche auf ihrem beruflichen Weg. Jetzt hat der Verein eine neue fachliche Leitung. Ein Gespräch mit Dilek Mermer-Kollmuß über ihre Arbeit, Herausforderungen und warum in den kommenden Jahren noch einiges auf den Verein zukommt.

Sie sind zwar die neue fachliche Leitung. Aber eigentlich im Verein ein „alter Hase“.

Dilek Mermer-Kollmuß: „Das kann man wohl so sagen. Ich bin seit dem ersten September 2011 bei Pro Arbeit angestellt und war bis zum ersten April 2022 in Fürstätt an der Grund- und Mittelschule als Fachkraft für Jugendsozialarbeit an Schulen. An der Mittelschule habe ich die fünften bis neunten Klassen betreut und war in den vergangenen zwei Jahren die Teamleiterin für alle Mittelschulen in der Stadt zuständig.“

Was sind Ihre Aufgaben an der Grund- und Mittelschule?

Mermer-Kollmuß: „Wir wollen dafür sorgen, dass jedes Kind die gleichen Ausgangsvoraussetzungen hat. Unser Augenmerk liegt darauf, die Kinder und die Klassengemeinschaft zu stärken. Wir unterstützen überall dort, wo Unterstützung gebraucht wird. Zusammenfassend würde ich sagen, dass die Aufgaben von der Einzelfallhilfe über Beratung und Elternarbeit bis hin zur Vernetzung und Kooperation reichen. Und natürlich unterschützen wir die Schüler beim Übertritt in den Beruf. Das ist uns übrigens auch während der Pandemie gelungen – wenn auch mit viel Abstand.

Und mittlerweile geht ja auch alles wieder seinen normalen Gang.

Mermer-Kollmuß: „Ja, wobei man auch sagen muss, dass das neue soziale Miteinander zu viel Stress auf den Pausenhöfen führt. Die Kinder sind den Umgang miteinander einfach nicht mehr gewöhnt. Das fordert unsere Kollegen ganz schön. Umso mehr liegt mein Augenmerk gerade darauf, zu überlegen, wie wir es schaffen können, wieder für ein gutes Miteinander zu sorgen.“

Werden die Jugendsozialarbeiter von den Schülern respektiert?

Mermer-Kollmuß: „Sehr. Wir haben einen ganz anderen Zugang zu den Schülern. Sie wissen beispielsweise, dass wir eine Schweigepflicht haben. Die Kinder wissen, wo unsere Büros sind. Die Schulen sind auch immer sehr bemüht, sich darum zu kümmern, dass wir zentral zu erreichen sind.“

Mit welchen Problemen kommen die Schüler zu Ihnen?

Mermer-Kollmuß : „Der Umgang mit den sozialen Medien spielt immer wieder eine Rolle. Aber auch der Umgang mit Gewalt, sowohl verbal als auch körperlich.“

Ist körperliche Gewalt ein Thema an den Mittelschulen?

Mermer-Kollmuß: „Ja, auch in der Grundschule. Natürlich auch je nach Stadtteil und dann in unterschiedlicher Intensität.“

Wie versuchen Sie den Schülern in solchen Situationen zu helfen?

Mermer-Kollmuß: „Es kommt darauf an. Wenn das Problem beispielsweise in der Klasse ist, gibt es ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Um beispielsweise sicher zu stellen, dass der Schüler nicht als Petze abgestempelt wird, besuchen wir – in Absprache mit dem Lehrer – die Klassen. Dort erarbeiten wir dann gemeinsam mit den Schülern, was in der Klasse gut läuft und was nicht. Zudem gibt es eine Vielzahl von Gruppenspielen – beispielsweise das „Aufstehspiel“. Hier lesen die Jugendsozialarbeiter den Kindern mehrere Sätze vor, und die Kinder überlegen anschließend, ob das Gesagte auf sie zutrifft. Falls das der Fall sein sollte, stehen sie schweigend auf. Das ist ein Statement. Uns ist generell einfach wichtig, dass die Kinder wissen, dass wir für sie da sind.“

Hat das Thema „Soziale Medien“ durch die Pandemie an Aufwind gewonnen?

Mermer-Kollmuß: „Auf alle Fälle. Klar, war das ein wichtiges Medium für die Schüler, damit sie gerade während des Lockdowns miteinander kommunizieren konnten. Aber die sozialen Medien bieten natürlich auch viel Platz für Stress und Ärger.“

Wie unterscheidet sich Ihre jetzige Aufgabe von der an den Grund- und Mittelschulen?

Mermer-Kollmuß: „Meine Aufgaben sind jetzt übergeordnet. Ich bin nicht mehr in den Klassen, dafür aber noch im Austausch mit den Schulleitern. Ich schaue beispielsweise, wie gut die Zusammenarbeit läuft und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. Bei „Pro Arbeit“ haben wir fünf Säulen, um deren Vernetzung ich mich kümmere: Die Jugendsozialarbeit an den Schulen, das Ausbildungscoaching, die ehrenamtlichen Qualipaten, die Berufsorientierung sowie die Projektarbeit. Außerdem nehme ich an Ausschüssen teil und kümmere mich um die konzeptionelle Weiterentwicklung.“

Gibt es Pläne oder Ziele, die in den kommenden Monaten anstehen?

Mermer-Kollmuß: „Wir hoffen natürlich, dass sich alles stabilisiert und wir nicht zurück in den Teilunterricht müssen. Zudem ist unsere große Hoffnung, dass es uns geling alle Schulen zu besetzen.“

Warum sind noch nicht alle Schulen besetzt?

Mermer-Kollmuß: „Ein Grund hierfür ist der Fachkräftemangel. Zudem konnten wir in den vergangenen beiden Jahren aufgrund der Pandemie keinen einzigen Praktikanten einstellen, weil die Platzsituation schwierig war. Sie müssen sich vorstellen: In der Stadt und im Landkreis haben wir 27 Schulen mit Einzelbüros. Aufgrund des durch die Pandemie notwendigen Sicherheitsabstands konnten wir in diese Büros nicht noch eine zweite Person setzen. Und das merken wir natürlich. Denn oft sind Praktikanten nach ihrem Abschluss zu uns zurückgekommen.“

Können die jeweiligen Jugendsozialarbeiter nicht an den Schulen hin- und herwechseln?

Mermer-Kollmuß: „Das Besondere an „Pro Arbeit“ ist, dass jeder fest an der Schule sitzt. Das ist Beziehungsarbeit. In der Grundschule kennen die Kollegen die Schüler zum Teil von der ersten Klasse bis zum Übertritt.“

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um bei Ihnen als Jugendsozialarbeiter tätig zu werden?

Mermer-Kollmuß: „Wir können nur Diplom-Sozialpädagogen mit Bachelor oder Master einstellen. Das ist die Vorgabe vom Sozialministerium und ist Teil der Förderrichtlinie.“

Welchen Anreiz gibt es für Sozialpädagogen, sich bei „Pro Arbeit“ zu bewerben?

Mermer-Kollmuß: „Wir sind vor allem für Familien mit Kindern ein sehr attraktiver Arbeitgeber, da wir die Möglichkeit bieten, dass in allen Ferien Urlaub genommen werden kann.“

Warum wurd der Verein damals überhaupt ins Leben gerufen?

Mermer-Kollmuß: „Weil die Jugendarbeitslosigkeit damals so groß war, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, junge Menschen in Ausbildung und Arbeit zu bekommen. Dann hat man festgestellt, man muss früher angefangen und wir sind in die Grund- und Mittelschulen gegangen. Im Oktober werden wir 25 Jahre alt.“

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