„Es gfoid eana scheints“ – boarische Nachrichten von Radio Charivari sind preisverdächtig

Freut sich über die Nominierung: Studioleiter Andreas Nickl hat vor sechs Jahren die Sendung „As Wichdigste vom Dag auf Boarisch.
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Freut sich über die Nominierung: Studioleiter Andreas Nickl hat vor sechs Jahren die Sendung „As Wichdigste vom Dag auf Boarisch.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Wer in Rosenheim und der Region Radio Charivari hört, kennt auch die Rubrik „As Wichdigste vom Dag auf Boarisch“. Jetzt wurde die Rubrik für den BLM-Hörfunk-Preis nominiert. Im Interview erzählt Studioleiter Andreas Nickl, wie nicht nur "de depperte Rechtschreibhilfe" den Dialekt bedroht.

Erst am moi vorweg „As Wichdigsde vom Dag auf Boarisch“ schreibt ma des wirkli a so?

Andreas Nickl: „Mei, I woaß a ned so genau. Boarisch ren is ja ned so schweirig, as Schreim aba scho. Es gibt da ja kam a Regel dafir. „As Wichdigsde“ basst scho a so, glab i. Mitm „Dag“ is hoid so a Sach. Des „a“ is ja koa richtigs „a“, es is fast a „o“, aber a koa richtigs „o“. Wahrscheinlich war’s am Gscheidan, ma dad „Dag“ wia z‘Skandinavien drom mit am å schreim, eiso Dåg. Aber erstens find ma des am Computer fast ned und Wikinger sama ja a ned. Eiso, bleim ma bei „Dag“.“

Mit am „Wichdigsden vom Dag auf Boarisch“, de Nachrichten auf Boarisch is da Charivari firn boarischen Hörfunkpreis (BLM-Hörfunkpreis) nominiert. Hast damit grechnet?

Nickl: „Eigentlich ned. D‘Jury sitzt ja z‘Minga drom und da verstengans ja fast koa Boarisch mehr. Aber dafir dass oam gfoid, muaß mas vielleicht gar ned versteh. Auf jeden Foi gfreids mi sakrisch, dass ma nominiert san.“

Wia groß´san d‘Chancen dass Es den Preis tatsächlich gwinnt’s?

Nickl: „Beim Hörfunkpreis seiba kann i’s ned sang. Da sagt ja dann d‘Jury wieder, was ihra am bessern gfoid. Des Jahr gibt’s aber as erste Moi a an Publikumspreis. Des hoaßt, da wern d’Leid, d’Radiohörer gfragt, welche vo de nominierten Sachen eana am bessern gfoin. Und da hoff i hoid scho, dass da vui Charivari-Hörer eana Stimm für uns abgehm. Und vielleicht a vui andere, dene des gfoid, dass im Radio Boarisch gred werd.“

Wie lang macht’s Es des scho mit de Nachrichten auf Boarisch?

Nickl: „2014 hama damit ogfangt, eiso scho sechs Jahr! Zerscht hads grad oa Sendung am Dag gehm, jetz kimmt „As Wichdigsde vom Dag auf Boarisch“ scho fünf Moi am Dag, as erste Moi umara dreiviertel Zwoa am Nammidag und as letzte Moi umara dreiviertel Eife aufd Nacht.“

Wia seids’s auf de Idee kemma?

Nickl:„Vor fast zehn Jahr hama moi an am ersten Aprui zur Gaudi an ganzen Dag auf Boarisch Sendung gmacht und ham gsagt, des is ab sofort oiwei a so. Des is an Haufa Arbat gwen, wei ja braktisch ois was eina kimmt auf Hochdeitsch daherkimmt. Ois hama übersetzen miaßn und nei eisprecha. Und es ham a ned olle aus da Redaktion mitmacha kenna, wei gar ned olle Boarisch kenna ham. Aba de Leid hads richtig guad gfoin. Dene war’s am liaban gwen, mia hättn gar nimma aufghert damit und desweng hama überlegt, was da geht. Was ned ganz so vui Arbat macht, aba was drotzdem mehr Boarisch ans Radio bringt und so hab i ma dengt… mach ma hoid Nachrichten auf Boarisch.“

Steckt da wirkli so vui Arbat dahinter?

Nickl: „Ja, scho! Boarisch is ja wirkli a eigne Sprach, mit am eigna Wortschatz und ana eigna Grammatik, a wann des vui ned glam. Und es is ned damit do, dass ma an hochdeitschen Text oafach so bissl boarisch gfärbt eiliest. Vui Ausdrücke oder Formulierungen ausm Hochdeitschen gibt’s am Boarischen ned oder ma dad’s nia hernehma. Ma muaß richtig übersetzen, wia mas a mit Englisch oder Französisch macht und da brachst scho a Zeitl dafir. A desweng, wei de depperte Rechtschreibhilfe am Computer koa Boarisch ko und oiwei wieda Sachan ausbessert, so dass ma’s nimma gscheid lesen ko.“

Was sang Eire Hörer dazua?

Nickl:„Es gfoid eana scheints. Bis jetz had no nia oana gschimpft und des is globt gnua… lernt ma beim Radio. Aber im Ernst: es san wirkli vui Leid de sang, des is guad dass Es des machts, des her ma uns jeden Dag o. Manche sang sogar, se gengan ned ausm Haus bevor ned de Nachrichten auf Boarisch kemma san. Und wann a moi was ned hihaut und ausnahmsweise „As Wichdgsde vom Dag“ auf Boarisch ned kimmt, dann is da Deife los. Dann gibt’s Telefon koa Ruah.“

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Werst Du oft drauf ogred?

Nickl: „Ja, ganz oft. In da Wirtschaft, auf da Wiesn, in Gschäfter. Vui Leid erkennan mi an da Stimm und sang: „Du bist doch der mit de boarischen Nachrichten“. Und es gfreid oan dann scho. Manchmoi muaß i aba a lacha. I mach ja ned grad d’Nachrichten auf Boarisch beim Charivari und da red i dann meistens Hochdeitsch. Und dann had mi moi a eiterer Mo in da Sendung ogruafa und se aufgregt drüber, dass da „a so a Preiß“ moderiert. Dawei hätt ma doch oan der Boarisch ko… der mit de Nachrichten auf Boarisch.“

Was is des bsondere am „Wichdigsden vom Dag“ auf Boarisch? Was is Dir wichdig dabei?

Nickl: „Dass ma koa Bauerntheater machan. Mia nehman Boarisch ernst. Desweng mach ma ja Nachrichten mit dene Gschichten de auf da Weit und da bei uns wirklich wichdig san. Da geht’s um an Trump Donald und um’d Merklin genauso wia um an Lederer Otto und an März Andi. Freili kann’s a moi sei, dass ma as Boarische dafir hernimmt, dass ma was a bissl ironisch sagt oder dass ma a bissl raushert was ma davo hoit. Des geht ja auf Boarisch oft a besser ois im Hochdeitschen. Drotzdem is „As Wichdigsde vom Dag auf Boarisch“ a so gmacht wia ma a Radionachrichten auf Hochdeitsch macha dad. Es is ned da „Nachrichtenstadl“!“

Soiad z‘Rosenheim mehra Boarisch gred wern?

Nickl:„Ja! Es dean ja wirkli oiwei weniger. Und des is schad, wei Boarisch a scheene Sprach is. Ma kann mit Boarisch vui Sachan besser sang ois auf Hochdeitsch und es basst oafach a zum Land. Freili bracht ma Hochdeitsch… fir d’Arbat, fir d’Schui und dass ma se mit de Auswärtigen unterhoiten ko. Aber ma soiad desweng ned verlerna wia ma Boarisch red.“

Gibt’s a Rosenheimer Boarisch?

Nickl: „I bin da koa Experte dafir. Fest steht, dass Boarisch ned gleich Boarisch is. Fast in jedem Ort, gibt’s a Bsonderheit oder an bsondern Einschlag und des is a guad so. As Rosenheimer Boarisch is auf jeden Foi koa „gscherts“ Boarisch. Es is eher a bissl gemäßigt und ned „krachert“. So sagt der Rosenheimer und a da westliche Chiemgauer zum Beispui „Chiemsee“, auf da andern Seeseitn sagt ma dagegen „Keamsee“. Wannst verstehst, was i moan.“

Was kann ma doa, dass Es an Publikumspreis griagts?

Nickl:„Geht’s auf unser Internetseitn „radio-charivari.de“. Da gibt’s an Link, wia ma auf Neiboarisch sagt. Und der geht direkt zur Online-Abstimmung bei da „Landeszentrale für Neue Medien“. Da is dann a lange alphabetische Listn mit olle Nominierten und mia stengan an da zwoaten Stei. Oafach draufklicken. Danach muaß man no a e-mail-Adress ogehm, damit jeder grad oa Moi sei Stimm hergehm kann und des is dann scho gwen. Und gfrein dad mi a, wann olle de des lesen und „As Wichdigsde vom Dag auf Boarisch“ no ned kennan a moi an Charivari eischoitn und zuahern. Online nachhern kann ma’s a auf „radio-charivari.de“.

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