ÄRGER IN FÜRSTÄTT:

Getrennte Wege

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Ärger in Fürstätt: Der Stadtrat hat auf Empfehlung der Bauverwaltung eine Veränderungssperre erlassen, um einen Geh- und Radweg, wichtig als Zugang zur Grund- und Mittelschule Fürstätt, zu sichern. Davon erfuhren die betroffenen Landwirte, die links und rechts des Weges Flächen bewirtschaften, nach Angaben von Bauer Josef Daxlberger erst aus der OVB-Heimatzeitung. Daxlberger nennt die Vorgehensweise der Stadt „unanständig“. Die Kommune reagiert mit dem Vorwurf, er habe sich jahrelang einer Einigung mit der Stadt widersetzt.

Rosenheim – „Der Weg hat in dieser Form keine Zukunft“, ist Daxlberger überzeugt. „Zu gefährlich“ findet er die Strecke, die mitten durch die landwirtschaftlichen Flächen führt. Diese werden bewirtschaftet. Unter anderem ist hier ein großer Feldhäcksler mit einem Mähwerk unterwegs, dessen Tellerscheibe bis zu 2000 Drehungen pro Minute schafft. Dabei werden trotz Schutzvorrichtungen auch Steine herausgeschleudert. Daxlberger sieht Gefahren für Fußgänger und Radfahrer, die auch während der Feldarbeit den Weg vom Ortsteil Alt-Fürstätt Richtung Unterfür stätt benutzen.

„Wir Landwirte haben es schwer genug“ Josef Daxlberger

Der Vater von Daxlberger senior soll in den 70er-Jahren noch über den Weg gehäckselt haben. In den vergangenen 40 Jahren habe sich aus dem Bauernpfad jedoch schleichend ein richtiger Geh- und Radweg entwickelt. Er befindet sich in privater und teilweise auch in städtischer Hand, ist sogar beleuchtet.

Die Nutzung durch Fußgänger und Radfahrer stört jedoch nach Erfahrungen von Daxlberger die Bewirtschaftung. „Wir Landwirte haben es schon schwer genug heute“, findet er. Parallel zum Weg könne nur beschränkt gearbeitet werden, ständig müssten landwirtschaftliche Arbeitsgeräte stoppen, um Spaziergänger, Schulkinder oder Radler nicht zu gefährden.

Die Stadt bemüht sich nach eigenen Angaben seit Jahren um den Erwerb der weiteren Wegflächen – ohne Einigung mit allen Grundstückseigentümern. Ein kleiner Teil am südlichen Ende konnte zwar von einem anderen Eigentümer angekauft werden, doch die Drohung Daxlbergers, den Weg auf seinen Flächen umzupflügen, stand im Raum, so Pressesprecher Thomas Bugl. Der Stadtrat beschloss deshalb in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause die Aufstellung eines Bebauungsplanes und den Erlass einer Veränderungssperre. Sie soll verhindern, dass „bauliche Anlagen beseitigt werden“, kurzum: der Weg zugesperrt wird.

Nach Überzeugung von Daxlberger gibt es jedoch eine Alternative: Etwa 90 Meter östlich verlaufe ein über hundert Jahren alter Kirchenweg. Dies war auch der Stadt bewusst: Sie habe mögliche andere Trassen geprüft, schreibt das zuständige Amt in der Beschlussvorlage für den Stadtrat. Doch die von Daxlberger genannte Alternativstrecke sei im Besitz der gleichen Eigentümer, der Flächenbedarf sei außerdem größer, der Weg länger. „Die Erfahrung zeigt, dass Schulkinder immer die kürzeste Verbindung nutzen“, so Bugl.

Baudezernent Helmut Cybulska weist auf einen weiteren Grund hin, der gegen die von Daxlberger genannte Alternative spricht: Am anderen Weg liegt auch ein Fahrsilo, dieser werde aus diesem Grund noch stärker landwirtschaftlich genutzt und sei deshalb gerade für Schulkinder ungeeignet.

Dies gelte auch für eine weitere Alternative: eine Führung der Fußgänger über die Ortsstraßen „Lug ins Land“ sei wegen des fehlenden Gehwegs zu gefährlich und würde zudem einen Umweg erfordern, der doppelt so lang sei, betont Bugl.

„Jahrelang verhandelt, ohne Ergebnis“ Helmut Cybulska

Die Stadt hätte jedoch mit den Besitzern vor der Entscheidung für die Änderungssperre sprechen müssen, findet Daxlberger. Gerade über die östlich gelegene Alternativstrecke sei in den vergangenen drei Jahren nicht mehr gesprochen worden, erklärt Sohn Johann. „Wir haben jahrelang verhandelt, ohne Ergebnis“, entgegnet Cybulska.

Hintergrund der unterbrochenen Kommunikationskette ist wohl auch ein gestörtes Verhältnis zwischen den Daxlbergers und der Stadt. Die Landwirtsfamilie fühlt sich bei mehreren Grundstücksangelegenheiten – unter anderem beim Bau der Westtangente und bei der geplanten, jedoch kurz vor dem Satzungsbeschluss geplatzten Ausweisung eines Baugebietes in Pürstling – nicht fair behandelt. Die Stadt spricht von diversen Streitigkeiten in den vergangenen Jahren.

Die Aufstellung des Bebauungsplanes erschwere die Verhandlungsposition der Grundeigentümer nicht, sondern sei eine saubere Rechtsgrundlage für weitere Gespräche, findet Cybulska. Für die Tatsache, dass die Bewirtschaftung der Flächen parallel zum Weg erschwert und nur mit einem höheren Aufwand zu betreiben sei, stehe den Landwirten außerdem eine Entschädigung zu.

Daxlberger senior ist jedoch überzeugt, dass die Stadt in Fürstätt auch durch den Neubau der Kirchbachbrücke Fakten geschaffen hat, die den durch die Veränderungssperre gesicherten Weg und nicht die Alternativstrecke sichern sollen. „Wie kann die Brücke gebaut werden, obwohl der Bebauungsplan noch gar nicht rechtskräftig ist?“, fragt sich der Landwirt. Er ist überzeugt: „Das ist rechtswidrig.“

Die Brücke steht auf städtischem Grund, wird vom Bebauungsplan gar nicht berücksichtigt, widerspricht Cybulska. Der Bebauungsplan werde ausschließlich aufgestellt, um die Wegeflächen, die sich nicht im Besitz der Stadt befinden, zu sichern.

Am Brückenbau stößt sich auch Hauseigentümer Josef Fröschl. Das neue Bauwerk empfindet er als überzogen: zu breit mit 3,50 Metern, zu aufwendig gestaltet in der gewählten Bauweise, zu teuer mit 10 000 Euro. Mehrfach hat er seine Kritik in Briefen an die Stadt deutlich gemacht.

Dass ein Ersatzbau von nöten war, unterstreicht Bugl. Bei einer Bauwerksprüfung im Jahr 2009 habe das Bauwerk die Note 4.0 erhalten. „Das entspricht der Schulnote sechs, schlechter geht es nicht.“ Die Stadt habe sich für eine Wellstahlrohrausführung entscheiden, weil diese in Herstellung und Unterhalt die wirtschaftlichste sei. Die Brücke müsse außerdem so gebaut werden, dass sie von Radfahrern passiert werden könne – und später auch eventuell von Gerätschaften zur Pflege der entlang des Kirchbachs liegenden Grundstücksstreifen, erläutert Cybulska.

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