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AM FREITAG

Gesellschaftsspiele halten jung: Therese Zeiler aus Rosenheim feiert ihren 101. Geburtstag

Ein Herz und eine Seele: Therese Zeiler und ihr Sohn Franz verbringen viel Zeit miteinander. Einmal in der Woche gibt es einer Abend gefüllt mit Gemeinschaftsspielen.
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Ein Herz und eine Seele: Therese Zeiler und ihr Sohn Franz verbringen viel Zeit miteinander. Einmal in der Woche gibt es einer Abend gefüllt mit Gemeinschaftsspielen.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Das gibt es nur selten: Therese Zeiler aus Rosenheim feiert am Freitag, 7. Mai, ihren 101. Geburtstag und gehört damit offiziell zu den ältesten Bürgern der Stadt. Eine Geschichte über die Bedeutung von Familie, den Krieg und was Gesellschaftsspiele damit zu tun haben.

Rosenheim – Hin und wieder spricht Therese Zeiler vom Tod. Darüber, wie das Sterben wohl sein könnte. Es sind Momente, die ihre drei Kinder aufhorchen lassen, die sie daran erinnern, dass ihre Mutter irgendwann nicht mehr da sein wird. Doch um diese Augenblicke soll es hier nur am Rande gehen. Denn auch wenn Therese Zeiler an den Tod denkt, ist sie doch eine Frau, die das Leben liebt. So jedenfalls schildert es ihr Sohn Franz (68).

Rummikub mit der ganzen Familie

Während sich seine Mutter ausruht, erzählt er ihre Geschichte am Telefon. Sie selbst sei dazu nicht mehr in der Lage. „Sie hat Pflegestufe drei und braucht Unterstützung“, sagt Franz Zeiler.

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In ein Pflegeheim will sie trotzdem nicht ziehen. Also kümmern sich stattdessen die drei Kinder abwechselnd um ihre Mutter. „Sie war immer für uns da. Jetzt ist es eben umgekehrt“, sagt ihr Sohn. Er wohnt im Erdgeschoss, seine Mutter ein Stockwerk höher. Jeden Morgen stattet er ihr einen Besuch ab. Sie essen zusammen, schauen gemeinsam Fernsehen.

Stundenlang mit Gesellschaftsspielen beschäftigt

Einmal in der Woche treffen sich alle Geschwister. Sie trinken Kaffee, tauschen sich über die Ereignisse aus und verbringen Stunden mit Gesellschaftsspielen. Immer dabei: Mutter Therese. „Ihr Lieblingsspiel ist Rummikub“, sagt Franz Seiler. Zwar brauche sie hin und wieder Unterstützung, gewinnen tue sie trotzdem.

Corona-Krise hat vieles auf den Kopf gestellt

Doch seit der Corona-Krise hat sich auch bei der Familie Zeiler einiges verändert. Große Familientreffen gibt es aufgrund der Beschränkungen nicht mehr. Und auch die Feier zum 101. Geburtstag fällt wohl eher klein aus. Davon unterkriegen lassen wird sich Therese Zeiler nicht. Sie ist eine Optimistin, eine, bei der das Glas immer halb voll ist. Vielleicht auch weil sie schon Schlimmeres erlebt hat.

Der Krieg ist dazwischen gekommen

Ein Blick zurück: Das erste Foto im Album zeigt Therese Zeiler im Alter von zwei Jahren.

1920 in Bernau geboren, arbeitete Therese Zeiler nach ihrer Schulzeit als Hausmädchen. Es sei ein einfaches Leben gewesen. Geschwister hatte sie keine. Dafür eine riesige Verwandtschaft. „Ihr Opa hatte 24 Kinder“, sagt ihr Sohn Franz.

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Kurz vor dem Zweiten Weltkriegs lernte sie ihren späteren Mann Josef kennen. Die beiden verliebten sich, heirateten und schmiedeten Pläne für die Zukunft. Dann kam der Krieg dazwischen.

Geburt ihres Sohnes hat für vieles entschädigt

Statt die Zeit mit ihrem Mann zu verbringen, musste sie von nun an um sein Leben bangen. Es seien schwierige Jahre gewesen, doch die Geburt des ersten gemeinsamen Kindes entschädigte für vieles. Nach dem Ende des Krieges konnte das Paar das gemeinsame Leben fortsetzen. Es folgten die Geburten der Kinder Maria und Franz. Während sich Therese Zeiler um den Haushalt und ihre Familie kümmerte, arbeitete ihr Mann als Schlosser und reparierte unter anderem die Schienenbusse bei der Deutschen Bundesbahn.

Flugreisen durch die ganze Welt

Seine Freizeit verbrachte die Familie gerne im Garten. „Meine Mutter in ihr halbes Leben im Garten verbracht“, sagt Franz Zeiler. Sie habe Gemüse angepflanzt, alles frisch gekocht.

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Als ihr Mann im Alter von 75 Jahren gestorben ist, begann sie zu reisen. Erst Tagestouren durch Bayern, später Flugreisen nach Marokko, Griechenland und Spanien. „Sie hat es richtig krachen lassen“, scherzt Franz Zeiler.

Begeisterte Köchin

Wenn sie nicht durch die Welt reiste, ging sie Schwammerl suchen und unternahm Radtouren. Außerdem sammelte sie 20 Jahre lang Geld für die Caritas. „Sie hat sich für andere eingesetzt und hat das Leben in vollen Zügen genossen“, sagt Franz Zeiler.

Für ein Jahr die Blaskapelle dirigiert

100 Jahre den Takt angegeben: Therese Zeiler hat für eine Saison die Musikkapelle auf dem Herbstfest dirigiert.

Das beweisen auch die Fotos in ihrem Album, das sie zum 100. Geburtstag geschenkt bekommen hat mit der Überschrift „100 Jahre den Takt angegeben“.

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Es gibt Bilder, die sie auf dem Rosenheimer Herbstfest zeigen, wo sie eine Blaskapelle dirigierte. Auf anderen Fotos ist sie mit ihrer Familie zu sehen. Es ist nur ein kleiner Ausschnitt ihres langen Lebens.

Ein unbändiger Lebenswille

Zu ihrem heutigen Ehrentag wird es Geschenke und Blumen geben. Dazu ein Likörchen mit den Kindern. „Dann werden wir auf ihren unbändigen Lebenswillen anstoßen“, sagt Franz Zeiler. Und vielleicht wird am Abend noch eine Runde Rummikub gespielt.

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