ROSENHEIMER INNENSTADT

Geschäfte schließen, Läden öffnen: So sieht es in der Rosenheimer Innenstadt aus

Ulrike Corts gibt ihr Modegeschäft „bellezza“ in der Rosenheimer Gilitzerstraße nach 30 Jahren altersbedingt auf.
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Ulrike Corts gibt ihr Modegeschäft „bellezza“ in der Rosenheimer Gilitzerstraße nach 30 Jahren aus Altersgründen auf.
  • Heinz Seutter
    vonHeinz Seutter
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  • Alexandra Schöne
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Einige Inhaber geben ihre Geschäfte auf, andere eröffnen neue Läden: Trotz Corona-Pandemie gibt es Bewegung in der Rosenheimer Innenstadt. Ein Überblick.

Rosenheim – „Räumungsverkauf: Alles muss raus“, steht in Großbuchstaben auf den Fenstern des „bellezza“ in der Rosenheimer Gillitzerstraße. Von außen schauen zwei Frauen hinein. Als Inhaberin Ulrike Corts sie bemerkt, eilt sie zur Tür. Eine probiert einen grünen Mantel, er passt nicht. „Aber trotzdem schön, dass wir uns mal wieder sehen“, sagt Ulrike Corts.

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In der Sitzecke im hinteren Bereich des Geschäfts hängen noch Glückwunschschreiben zum 30-jährigen Bestehen. „Zum 15., 20., 26. Jubiläum gab es jedes Mal eine schöne Feier.“ 2020 sollte wieder mit Mitarbeitern und Kunden gefeiert werden. Doch weder daraus, noch aus dem Ersatztermin 2021 ist etwas geworden. 30 Jahre lang hat Ulrike Corts im „bellezza“ ihren Kundinnen zum passenden Look verholfen. Nun ist damit Schluss. „Mit Corona hat das aber nur indirekt zu tun.“

Ulrike Corts wollte nur noch aushelfen

Es sei eine schöne Zeit gewesen, aber nach 30 Jahren habe sie aufhören wollen. Ihr genaues Alter wollte sie nicht verraten. Eine „liebe Mitarbeiterin“ hätte das Geschäft übernommen, sie selbst hätte nur noch etwas ausgeholfen. Dann kam die Pandemie. „Verständlicherweise will man in dieser Zeit nicht mit einem Geschäft neu durchstarten.“

Das „bellezza“ sei mehr als nur ein Ort zum Einkaufen gewesen. Man habe sich gekannt, geplaudert. „Manchmal war das hier fast das ‚Café bellezza‘“, scherzt die Inhaberin. Über 1200 Namen umfasse ihre Kundenkartei. Manche kämen immer noch vorbei, um vor Ort Kleidung zum Anprobieren zu holen. „Zu anderen bringe ich die Sachen nach Hause.“

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Auf Kleiderstangen im Geschäft selbst warten Reihen ausgesuchter Damenkleidung. Von „Emporio Armani“, über „Mos Mosh“ bis „Maisons“ ist alles dabei. Auf einem Tisch mitten im Verkaufsraum liegen Utensilien zum Anpassen der Kleidung bereit. „Das ist noch die Winter-Kollektion“, berichtet Corts. „Seitdem habe ich gar nichts mehr bestellt.“ Der Mietvertrag läuft im März aus. Wenn möglich, soll es davor noch einmal einen großen Ausverkauf geben.

„Die Einrichtung geht teilweise an eine Mitarbeiterin, die ihr eigenes Geschäft eröffnen will“, sagt sie. Alles wurde über drei Jahrzehnte hinweg zusammengestellt, wie zum Beispiel die Korbstühle in der Sitzecke und den mächtigen Schrank mit Zubehör in einem Winkel des Geschäfts. Ulrike Corts macht sich keine Sorgen, dass am Ende etwas übrig bleibt. „Allerlei Leute haben schon gefragt, ob sie etwas abnehmen können.“

Orsay-Filiale in der Münchener Straße schließt

Neben dem „bellezza“ schließt auch die Filiale der Modekette Orsay in der Münchener Straße. Seit einigen Wochen verkünden rote Plakate mit den Worten „Wir schließen“ und „Räumungsverkauf“ im Schaufenster die Botschaft (wir berichteten). „Es ist schlecht, dass ein Geschäft an so einer exponierten Lage schließt“, sagt Anton Heindl, Vorsitzender des Gewerbeverbandes. Hinzu komme, dass es aufgrund der momentanen Situation schwer werde, einen Nachfolger zu finden.

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Sabrina Obermoser, Geschäftsführerin des City-Managements, gibt sich trotz der Schließungen von „bellezza“ und Orsay positiv. Jeder Leerstand sei „bitter“ für die Innenstadt. Auf das Abenteuer, ein Geschäft mitten in der Pandemie zu eröffnen, würden sich momentan nicht viele einladen wollen. „Es ist absolut schwierig“, sagt sie. Trotzdem gebe es Positives zu vermelden.

Sie nennt Geschäfte, die trotz der Corona-Krise neu eröffnet haben: der Modeladen „Vintage&Design“ in der Hafnerstraße sowie die Buchhandlung Rupprecht. Dort bieten die Mitarbeiter Click und Collect an, wie Filialleiter Miriam Happek berichtet. Einige Kunden nähmen dieses Angebot schon in Anspruch. „Das ist ganz okay“, sagt Miriam Happek. „Es ist neu und muss noch bekannter werden.“ Die Buchhandlung Rupprecht gibt es in der Münchener Straße noch nicht lange. Am 20. November haben Happek und ihre Kollegen ihren neuen Arbeitsplatz bezogen.

Fotos für Instagram und Facebook machen

Zwei Straßen weiter, im Modegeschäft „Vintage&Design“ in der Hafnerstraße, ist Inhaberin Olga Janzen seit Ende Oktober für ihre Kunden da. Viele von ihnen kenne sie. Denn Janzen arbeite zuvor im Modeladen Gigolo am Ludwigsplatz. Inhaber Walter Flaschl hatte sein Geschäft im vergangenen Herbst altersbedingt nach Jahrzehnten aufgegeben. Jetzt hat Olga Janzen ihr eigenes Geschäft. „Ich bin fast jeden Tag im Laden und mache Fotos für Instagram und Facebook“, sagt sie. Immer wieder kämen Leute vorbei und holten sich Kleidungsstücke ab – wenn auch weniger als sonst.

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Am Ludwigsplatz, im ehemaligen Gigolo, zieht in wenigen Wochen ein neuer Modeladen ein. Jedenfalls wenn es nach Stefan Glocker geht. Der Inhaber der Rosenheimer Marc O’Polo-Geschäfte führt auch Böck Herrenmoden in der Bahnhofsstraße. Von dort will er bis Mitte Februar zum Ludwigsplatz umziehen. Bis es soweit ist, bietet er wie auch Olga Janzen und Miriam Happek Click und Collect an.

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