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URTEIL DES JUGENDSCHÖFFENGERICHTS

Mit Faustschlag ausgeknockt: Bad Aiblinger muss wegen Körperverletzung zweimal Arrest absitzen

Weil er einen 17-Jährigen niederschlug,hat das Jugendschöffengericht Rosenheim einen 20-Jährigen aus Bad Aibling zu zwei Freiheitsarresten und einer Geldstrafe über 1500 Euro verurteilt.
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Weil er einen 17-Jährigen niederschlug,hat das Jugendschöffengericht Rosenheim einen 20-Jährigen aus Bad Aibling zu zwei Freiheitsarresten und einer Geldstrafe über 1500 Euro verurteilt.
  • VonChrista Auer
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Das Jugendschöffengericht Rosenheim hat einen 20-jährigen Aiblinger wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Freizeitarresten und 1500 Euro Schadensersatz verurteilt. Ob er auch noch eine Jugendstrafe absitzen muss, entscheidet sich nach Ablauf seiner Bewährungszeit von einem Jahr.

Rosenheim – Mit einem Faustschlag hatte der Aiblinger im Oktober 2020 einen 17-jährigen Rosenheimer in einem Rosenheimer Parkhaus regelrecht ausgeknockt. Durch die Wucht des Schlages in das Gesicht ging der Rosenheimer zu Boden und schlug mit dem Kopf ungebremst auf den Asphaltboden auf. Dabei zog er sich lebensbedrohliche Verletzungen zu, darunter ein Schädelhirntrauma, einen Schädeldach- und einen Schädelbasisbruch.

Nachuntersuchung bislang ohne Befund

Zudem besteht für das Opfer die Gefahr, dass es infolge der Verletzung künftig unter epileptischen Anfällen leiden muss. Dies bescheinigte die geladene Gutachterin vor Gericht. Die bisherigen Nachuntersuchungen seien jedoch bislang ohne Befund. „Es tut mir sehr leid“, sagte der Angeklagte vor dem Jugendschöffengericht. Er zeigte sich von den Folgen seiner Tat und vom Verfahren sichtlich geschockt.

Antiaggressionskurs absolviert

Gleich nach dem Vorfall hatte er sich beim Geschädigten entschuldigt und einen Antiaggressionskurs absolviert. Der Rosenheimer habe seine Tante beleidigt, deshalb habe er ihn zur Rede stellen wollen und ihn per Handy zu einem Treffen aufgefordert. Im Parkhaus sei es dann zu einer Auseinandersetzung gekommen.

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Als der Geschädigte die Hände aus der Hosentasche gezogen habe, habe sich der Angeklagte angegriffen gefühlt und ihm aus Angst einen Faustschlag versetzt. „Aber ich wollte nicht, dass es so weit kommt“, beteuerte er.

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Er habe anschließend sofort Erste Hilfe geleistete, bis sich Freunde um ihn kümmerten und den Schwerverletzten zu Fuß ins Krankenhaus brachten.

Das Opfer aus Rosenheim, das vor dem Jugendschöffengericht als Nebenkläger auftrat, bestritt die Beleidigung. Er habe mit Kollegen gelacht, das müsse die Tante des Angeklagten, den er auch schon vorher gekannt habe, missverstanden haben.

Elf Tage stationär behandelt

Als ihn der Aiblinger dann angeschrieben habe, habe er einem Treffen zugestimmt, um die Sache aus der Welt zu räumen. Doch der Angeklagte sei sehr aggressiv gewesen und habe nach einem kurzen Wortgefecht gleich mehrmals zugeschlagen. Er habe das Bewusstsein verloren und sei anschließend insgesamt elf Tage stationär behandelt worden. Zeugen hatten Beleidigungen und mindestens einem Faustschlag beobachtet.

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Laut Chatprotokoll vom Vorabend hatte der Angeklagte den Rosenheimer massiv beleidigt und angekündigt, „ihn zu zerschlagen und auseinander zu hauen“. Eine Notwehrlage schied für das Jugendschöffengericht folglich aus. Vielmehr habe der Angeklagte mit seinem Verhalten, die Eskalation provoziert.

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Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe schilderte, schädliche Neigungen zum Tatzeitpunkt seien nicht auszuschließen. Allerdings sei unklar, ob sie noch vorlägen. Sie regte an, die die Entscheidung über die Verhängung einer Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen und als spürbare Ahndung Freizeitarreste oder gemeinnützige Arbeit zu verhängen.

Nach Hieb um das Opfer gekümmert

Für die Anklage stand fest, dass es keine Affekthandlung war. Der Angeklagte habe bereits im Chat Schläge angedroht und sei nur knapp an „der Schwere der Schuld vorbeigeschrammt“. Zudem sei er in einem ähnlichen Vorfall bereits in Erscheinung getreten. Zugunsten des Angeklagten wertete der Staatsanwalt, dass er seinem Opfer nach der Tat Hilfe leistete. Im Übrigen folgte der Staatsanwalt den Ausführungen der Jugendgerichtshilfe und forderte einen zweiwöchigen Dauerarrest.

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Der Verteidiger des Angeklagten betonte, dass nichts beschönigt werden solle und die Folgen sehr bedauerlich seien. Der Aiblinger habe sein Fehlverhalten eingesehen und sich in einem Anti-Aggressionstraining mit der Tat auseinandergesetzt. Er habe sich sofort um den Geschädigten gekümmert und sei anschließend auch zur Polizei gegangen. Das Verfahren habe ihn belastet, deshalb sei die Verhängung von Sozialstunden ausreichend.

Schutzbehauptung des Angeklagten

Der Vertreter der Nebenklage stellte fest, dass der Angeklagte den Geschädigten mit der Absicht in Parkhaus gelockt habe, ihm Gewalt anzutun. Der angebliche Angriff seines Mandanten sei eine reine Schutzbehauptung des Angeklagten. Fest stehe hingegen, dass sich sein Mandant in konkreter Lebensgefahr befunden habe und sei nur mit Glück dem Tod entronnen sei.

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Deshalb sei der Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen. Es habe sich um keine Kurzschlussreaktion gehandelt, und der Angeklagte hätte niemals zuschlagen dürfen.

Massiver Übergriff

Hingegen sei anerkennenswert, dass er nach der Tat Hilfe geleistet habe, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Arrest sei notwendig, weil es ein massiver Übergriff gewesen sei, der im Erwachsenenrecht mit Freiheitsentzug geahndet worden wäre, betonte Richter Dirk Dombrowski. Zudem wurde dem Angeklagten eine Schadenswiedergutmachung von 1500 Euro auferlegt. „Dies ist als Anzahlung zu sehen, die zivilrechtlichen Folgen werden wohl höher sein“, signalisierte das Gericht.

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