Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Soldat geht zu weit

Busen berührt und Kollegin geküsst? Corona-Bekämpfer wegen sexueller Belästigung vor Gericht

Vor dem Amtsgericht Rosenheim musste sich ein 25-jähriger Oberfeldwebel verantworten, da er zwei jungen Kolleginnen zu nahe kam.
+
Vor dem Amtsgericht Rosenheim musste sich ein 25-jähriger Oberfeldwebel verantworten, da er zwei jungen Kolleginnen zu nahe kam.
  • VonTheo Auer
    schließen

Er hat Kontakt zu einer Kontaktperson aufgenommen und geflirtet, eine Kollegin im Landratsamt geküsst und den Busen einer anderen Kollegin berührt. Das brachte einen 25-jährigen Soldaten jetzt wegen sexueller Belästigung vor Gericht.

Rosenheim – Im November 2021 bewältigten die Gesundheitsämter im Zuge der Coronapandemie die Nachverfolgung infizierter Personen personell nicht länger. Der darauf folgende Hilferuf blieb nicht ungehört, und so meldete sich eine Gruppe von Soldaten im Landratsamt Rosenheim unter der Führung eines 25-jährigen Oberfeldwebels. Dieser war wegen einer Covid-Erkrankung von seinem Einsatz in Mali zurückgekehrt.

Ungefragte Anrufe und Berührungen

Gemeinsam mit zivilen Kräften wurden die Soldaten in ihre Aufgaben eingewiesen. Allerdings verstand der 25-jährige Oberfeldwebel die Einweisung wohl nicht so, wie das wünschenswert gewesen wäre. Denn besonders das Kapitel Datenschutz hatte er offensichtlich nicht richtig begriffen:

Eine junge Frau, deren Telefonnummer er im Zuge seiner Arbeit erhalten hatte, rief er an, um mit ihr zu flirten und anzubandeln. Deren Partner erfuhr davon und beklagte sich beim Landratsamt über die „Anbaggerei“. Da dies aber nicht der einzige Vorfall blieb, stand der Soldat nun wegen sexueller Nötigung und Belästigung vor dem Rosenheimer Amtsgericht.

In der Abteilung angebandelt

Gleichzeitig hatte der 25-jährige nämlich mit einer Mitarbeiterin in der Abteilung Kontakt aufgenommen. Der hatte dies zunächst geschmeichelt, und sie war anfangs nicht abgeneigt, den jungen Mann näher kennenzulernen. Wie sich jedoch durch eine Untersuchung der Bundeswehr herausstellte, war der Angeklagte wohl schnell zu weit gegangen. Nach der Aussage der Zeugin war er nicht nur verbal zu anstößig geworden, sondern hatte sie sexuell belästigt. Dabei soll er sie auch am Hals gepackt und gewürgt haben.

Die Untersuchung ergab zudem, dass sich eine weitere Kollegin unangemessen von ihm berührt gefühlt haben soll und dies Vorgesetzten gemeldet hatte.

In der Folge wurde der angeklagte Oberfeldwebel nicht nur von der Aufgabe im Landratsamt, sondern auch von der Truppe entfernt. Neben der Anklage droht ihm nun ein internes Disziplinarverfahren durch die Bundeswehr, bei dem ihm eine unehrenhafte Entlassung mit der Aberkennung aller Versorgungsbezüge droht.

Beziehung plötzlich beendet

Der aus Essen stammende Angeklagte berichtete vor Gericht, dass er tatsächlich mit der 26-Jährigen eine Beziehung aufgebaut habe. Diese sei aber von der Zeugin, für ihn unverständlichweise, plötzlich beendet worden. Niemals habe er sie gegen ihren Willen bedrängt. Man habe sich sogar mehrmals innerhalb des Landratsamtes getroffen und sich geküsst. Er habe sie auch zu sich eingeladen. Erst habe sie zugesagt, sei dann aber nicht gekommen und habe ohne Vorankündigung jeglichen Kontakt abgebrochen. Zu keiner Zeit habe sie ihm mitgeteilt, dass sie mit ihm nichts mehr zu tun haben wolle.

Anzeige erst nach Befragung duch Vorgesetzte

Die junge Frau aus dem nördlichen Landkreis berichtete von einer losen Beziehung. Die Küsse räumte sie aber ein. Alles andere sei ihr aber zu viel geworden. Deshalb habe sie dann jeden Kontakt mit ihm vermieden. Von sich aus wollte sie keine Strafanzeige stellen. Als sie jedoch vom Vorgesetzten im Landratsamt und der Bundeswehr befragt wurde, habe sie die Situationen geschildert.

Die zweite Zeugin, deren Brust der Soldat laut Anklage berührt haben soll, relativierte ihre damalige Aussage. Dabei habe es sich auch um einen zufälligen, ungewollten Kontakt gehandelt haben können.

Für den Staatsanwalt war die Sachlage jedoch klar: Die Frauen hätten lediglich aus Scham zunächst geschwiegen, auch sei ihnen dieses Verfahren mehr als unangenehm.

In beiden Fällen habe sich der Angeklagte der sexuellen Belästigung und Nötigung strafbar gemacht. Er forderte eine Haftstrafe von 18 Monaten. Diese sei aber, weil das die erste Strafe für den Angeklagten sei, zur Bewährung auszusetzen.

Verteidiger Sebastian Weber beantragte von vornherein in beiden Fällen einen Freispruch. Die Zeugin habe schließlich die Beziehung und auch die Küsse bestätigt. Zu keiner Zeit habe sie dem Angeklagten gesagt, dass sie die Beziehung nicht mehr wünsche.

Unehrenhafte Entlassung droht

Im Falle der unsittlichen Berührung im Brustbereich habe die zweite Zeugin dies selbst vor Gericht in Abrede gestellt. Sollte das Gericht dennoch zu einer Verurteilung kommen, so habe es sich fraglos um einen minder schweren Fall gehandelt. Dabei müsse auch berücksichtigt werden, dass seinem Mandanten auch noch eine Disziplinarstrafe durch die Bundeswehr drohe. Deshalb müsse eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen, beziehungsweise eine geringe Haftstrafe zur Bewährung ausreichen.

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat sprach im Fall der berührten Brust einen Freispruch aus. Wohl aber war das Gericht der Überzeugung, dass der Angeklagte die junge Frau tatsächlich unangemessen bedrängt habe. Dennoch handle es sich hierbei um einen minder schweren Fall, sodass eine Haftstrafe von zehn Monaten ausreichen möge. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt und eine Geldstrafe von 3000 Euro zugunsten des Frauen-Notrufs verhängt.

Mehr zum Thema

Kommentare