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Unternehmensberater wegen Betrugs vor Gericht

Ausgegeben statt angelegt: Rosenheimerin (46) wird von Kufsteiner (60) um über 31.000 Euro betrogen

Rund 31000 Euro von ihrem Ersparten hat eine 46-jährige Rosenheimerin einem Unternehmensberater (60) zur Anlage hinterlassen. Doch der Mann finanzierte damit wohl teilweise seinen Lebensunterhalt.
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Rund 31000 Euro von ihrem Ersparten hat eine 46-jährige Rosenheimerin einem Unternehmensberater (60) zur Anlage hinterlassen. Doch der Mann finanzierte damit wohl teilweise seinen Lebensunterhalt.
  • VonTheo Auer
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Weil er eine Mandantin bei Anlagen über den Tisch gezogen haben soll, musste sich jetzt ein Österreicher in Rosenheim vor Gericht verantworten. Der Kufsteiner hatte seiner Mandantin aus Rosenheim laut Anklage vorgegaukelt, das Geld anzulegen. Doch statt Rendite gab‘s nur Ausreden.

Rosenheim – Bereits im März 2021 stand der 60-jährige Kufsteiner, der sich selber „Unternehmensberater“ nennt, vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat. Weil damals ein Zeuge fehlte und auch die Bankkonten des Angeklagten, auf die die über 31 000 Euro geflossen sein sollen, noch nicht überprüft waren, setzte die Richterin das Verfahren aus, um genauere Einsicht in die Sachlage zu bekommen.

Angeklagter schweigt vor Gericht

Im nunmehr zweiten Verhandlungstag machte der Angeklagte von seinem Schweigerecht Gebrauch. Um so deutlicher beschrieb die Geschädigte, eine 46-jährige Frau aus Rosenheim, die Umstände, die zur Anzeige führten. Von 2008 bis 2012 habe der Mann, der für sie als Versicherungs- und Wohnungsmakler tätig war, sie bestens beraten, so dass sie ihm durchaus vertraut habe, als er ihr riet, vorhandene Gelder in einer Art „Crowdfunding“ anzulegen. Er habe nach eigenen Angaben als Sammelplattform für diverse, kurzfristige partiarische Darlehen fungiert.

Das zwischenzeitig erworbene Vertrauen führte dazu, dass sie ihm nach und nach von 2012 bis 2015 insgesamt über 31 000 Euro auf verschiedene Bankkonten überwies. Weil auch die zugesagten Zinssätze im üblichen Rahmen lagen, fand sie keinen Grund, dem Mann zu misstrauen.

Das änderte sich, als sie das Geld für Renovierungen wieder abrufen wollte. Mit durchaus kreativen Argumenten vertröstete der Angeklagte sie von einem zum anderen Male, bis sie schließlich erkannte, dass an den Versprechungen etwas faul sein musste. Daraufhin erstattete sie Anzeige.

Mit Mietzahlungen im Rückstand

Bei den Ermittlungen durch die Polizei kam ans Licht, dass sich alle vorgeblichen Geschäftsadressen in Oberaudorf und Kiefersfelden als falsch beziehungsweise als Briefkastenfirma erwiesen. Vermieter beschwerten sich gegenüber den Ermittlern zudem über ausstehende Mietzahlungen durch den 60-Jährigen.

Zwar hatte er dem Lebensgefährten der Betrogenen dessen Einlagen zurückbezahlt. Aber dies waren auch die kleineren Beträge, die er wohl mit dem Geld der Klägerin nach Art eines Schneeballsystems beglichen hatte. Als aufschlussreich zeigten sich die Kontobewegungen der Konten, auf die die Gelder eingezahlt worden waren. Nicht eine einzige Anweisung auf irgendeine Anlageform war dort zu finden. Vielmehr hatte sich der Tiroler ganz offensichtlich aus den Konten zum Zwecke seiner eigenen Lebenshaltung bedient.

Genau so sah das auch der Staatsanwalt, der in seinem Schlussvortrag den Angeklagten des gewerbsmäßigen Betruges beschuldigte. Auf verwerflichste Weise habe der das Vertrauen der Geschädigten missbraucht. Als diese dessen Schuld per Vollstreckung einzutreiben versuchte, habe der selbstverständlich per eidesstattlicher Erklärung seine Mittellosigkeit beschworen. Von Anfang an sei seine Absicht betrügerisch gewesen. Er beantragte eine Haftstrafe von drei Jahren.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Peter Dürr, legte dar, dass die Vorgänge bis 2014 zwischenzeitig der Verjährung unterlägen und in dem letzten Vorgang aus dem Jahr 2015 eine betrügerische Absicht nicht nachgewiesen werden könne. Deshalb beantragte er, die früheren Vorwürfe einzustellen,und seinen Mandanten im letzten Falle freizusprechen.

Einige Vorwürfe sind verjährt

Diesen Ausführungen vermochte das Gericht nicht zu folgen. Zwar waren einige der Anklagepunkte tatsächtlich verjährt, jedoch habe sich der Angeklagte in den restlichen drei Fällen eines gewerbsmäßigen Betruges schuldig gemacht. Zwar sei das Verhalten der Geschädigten wohl leichtsinnig gewesen. Aber dies sei auf das Vertrauen zurückzuführen, das der Angeklagte „schändlich missbraucht“ hatte. Es sei das gute Recht des Angeklagten, zu schweigen. Damit falle es dem Gericht aber auch schwer, entlastende Argumente zu finden. Eine Strafe von zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis sei „gerecht und angemessen“. Die Verteidigung hat bereits angekündigt, Berufung einzulegen.

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