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NEUER STANDORT GEPLANT

Gemeinschaftsunterkünfte in Rosenheim: Für Obdachlose wird‘s zunehmend eng

Der Platz wird zusehends knapp: Die Rosenheimer Gemeinschaftsunterkunft in der Austraße.
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Der Platz wird zusehends knapp: Die Rosenheimer Gemeinschaftsunterkunft in der Austraße.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Die Gemeinschaftsunterkünfte in der Stadt Rosenheim sind voll belegt, und die Pandemie verschärft die Situation. Wenn gerade bei Geringverdienern der Job wegbricht, fehlt das Geld für die Miete und die Betroffen landen mitunter auf der Straße. Aber Rosenheim ist verpflichtet, diese Leute unterzubringen.

Rosenheim– Es wird eng in Rosenheims Gemeinschaftsunterkünften. Rund 80 Personen wohnen derzeit in den vier Einrichtungen, welche die Stadt gemeinsam mit der örtlichen Diakonie betreibt. „Die Unterkünfte sind voll belegt, es gibt kaum freie Plätze und die Situation hat sich aufgrund der Pandemie verschärft“, bestätigt Rosenheims Verwaltung auf Anfrage.

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Wegen der geltenden Hygienebestimmungen in den Unterkünften, mussten vorübergehend Personen im Rahmen des Kälteschutzes in der Rathausstraße untergebracht werden. Hinzu kommt: Gerade im Niedriglohnsektor sind viele Jobs weggebrochen. Das Einkommen fehlt, und es bleibt kein Geld für die Miete. Das verschärft die Lage zusätzlich.

Vier Einrichtungen in Rosenheim

Derzeit sind Diakonie und Stadt auf der Suche nach einem weiteren Standort. Bis Ende des Jahres rechnen sie damit, eine neue Unterkunft eröffnen zu können.

Klaus Voss - Diakonie Rosenheim

Eigentlich sind die Häuser nur als Zwischenlösung gedacht – ein Übergang, bis die Wohnungslosen eine reguläre Bleibe gefunden haben. Hier stellt sich das zweite Problem: Der Wohnungsmarkt in Rosenheim ist – gelinde gesagt – schwierig. Nach der jüngsten Erhebung des Immobilienverbands Deutschland liegt die Stadt bei den Preisen für Neuvermietungen auf Platz zwei – hinter Neu-Ulm. „Die Wohnsituation in Rosenheim ist prekär“, sagt auch Klaus Voss, Geschäftsführer bei der Rosenheimer Diakonie.

Wenig Platz für Privates

Noch vor zehn Jahren hätten die Unterkünfte den Wohnungslosen ein gutes halbes Jahr Unterschlupf bieten müssen. Diese Grenze reiße man in Rosenheim inzwischen regelmäßig.

Dabei muss die Stadt mit den Mitteln für die Unterbringung von Obdachlosen haushalten. Denn: „Im Sicherungsrecht geht es nicht um Qualitätsstandards“, sagt Voss. Entsprechend einfach seien die Gemeinschaftsunterkünfte eingerichtet. „Doch wir versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten, die Zimmer so ansprechend wie möglich zu gestalten.“

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Dabei bediene sich die Diakonie auch den Sozialkaufhäusern, um von dort Möbel zu beschaffen. In den Räumen sind mehrere Personen untergebracht. Allein das gibt schon wenig Platz für Privates oder gar Intimes. „Es ist uns wirklich ein großes Anliegen, dass nicht permanent jemand unseres Personals in die Zimmer geht“, betont der Geschäftsführer, wie wichtig ihm und seinen zehn Kollegen bei der Obdachlosenhilfe ist, die Privatsphäre der Bewohner zu respektieren.

Quer durch alle Schichten

Eine Wohnküche und ein Sozialraum ergänzen die Schlafräume. Um die Sauberkeit müssen sich die Gäste in der Unterkunft selbst kümmern. „Wir haben Putzpläne aufgestellt, in denen die Bewohner mit eingebunden sind.“ Eine gewisse Grundhygiene musse sein, findet Voss. Doch mit der laufenden Corona-Pandemie sei zusätzlich eine Firma im Einsatz.

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Die Bewohner bildeten einen Querschnitt durch die Gesellschaft. „Vom Hochschullehrer, der zum Alkoholiker wurde, bis zu Menschen aus bildungsfernen Schichten ist alles dabei.“ Wichtig sei der Diakonie, den Bewohnern dort „ganz normal zu begegnen“ – auf Augenhöhe. Dazu gehört auch die Betreuung der Wohnungslosen. Die schlagen in der Regel zunächst bei der Stadt auf und kommen von dort zur Diakonie.

Beratung und Beschäftigung

Dort gilt es erst mal zu sortieren: Was brauchen die Wohnungslosen zur Existenzsicherung? Welche Ansprüche haben sie auf Wohngeld, Hartz IV oder andere Sozialleistungen?

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Und: Welche Anträge müssen hierfür gestellt werden? Nicht zuletzt gibt es Angebote, um die Bewohner wieder in einen geregelten Tagesablauf zu bringen. Sie sollen sich beschäftigen können, sei es durch Angebote zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt oder einen schlichten Spaziergang.

Sozialarbeit gehört dazu

Diese Sozialarbeit sei ganz elementar. „So fortschrittlich sind andere Kommunen nicht“, lobt Klaus Voss die Zusammenarbeit mit der Stadt. Und sie lohne sich, vor allem bei der Prävention. Er verweist auf eine Studie des Fachverbands der Evangelischen Wohnungslosen- und Straßenhilfe. Deren Ergebnis: „Jeder Euro, den wir hier investieren, spart später neun Euro bei den Sozialausgaben.“

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