Auf dem Weg zum Abschluss

Gemeinsam Großes schaffen: Rosenheimer Projekt „Qualipaten“ unterstützt Mittelschüler

Arbeiten seit vier Jahren zusammen: Elisabeth Wallner (links) und Ruth Akkerman.
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Arbeiten seit vier Jahren zusammen: Elisabeth Wallner (links) und Ruth Akkerman.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Das Projekt „Qualipaten“ ist seit 2009 in der Trägerschaft des Vereins Pro Arbeit Rosenheim. Die Qualipaten begleiten Rosenheimer Mittelschüler auf ihrem Weg zum Schulabschluss sowie bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz. Vier Teilnehmer erzählen.

Rosenheim – Elisabeth Wallner (69) und Ruth Akkerman (17) wären sich unter normalen Umständen wahrscheinlich nicht begegnet. Wallner ist seit drei Jahren in Rente, Akkerman macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Die beiden Frauen haben unterschiedliche Interessen, befinden sich in unterschiedlichen Lebensabschnitten.

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Und doch sind sie seit fast vier Jahren eng miteinander verbunden. Grund ist das Projekt „Qualipaten“. „Wir unterstützen Mittelschüler ab der siebten Klasse auf ihrem Weg zum Schulabschluss“, sagt Wallner. Direkt nach ihrer Pensionierung habe sie nach einer neuen Aufgabe gesucht. Diese hat sie als Qualipatin beim Verein Pro Arbeit gefunden. Dort lernte sie ihre Schülerin Ruth Akkerman zum ersten Mal kennen.

Treffen einmal in der Woche

Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb, treffen sich von nun an einmal in der Woche. Sie gehen Aufgaben durch, die Akkerman während des Unterrichts nicht verstanden hat, tüfteln gemeinsam an einer Projektarbeit für Deutsch. Aber die Patenschaft dreht sich nicht nur um Schulisches. „Wir tauschen uns über alles Mögliche aus“, sagt Akkerman.

Vor den Bewerbungsgesprächen gut zugeredet

Ursprünglich träumte die gebürtige Niederländerin von einem Beruf als Einzelhandelskauffrau, entschied sich aber doch für eine andere Richtung. Mittlerweile weiß sie, dass sie Erzieherin werden will. „Alleine hätte ich das alles nicht hinbekommen“, sagt die 17-Jährige.

Haben sich gegenseitig geholfen: Ewald Fischer (rechts) und sein Schüler Laurin Schulz.

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Elisabeth Wallner habe ihr beim Schreiben der Bewerbungen geholfen, ihr vor den Bewerbungsgesprächen immer wieder gut zugeredet und ihr somit die Anspannung genommen. Mit Erfolg wie es scheint, denn nach ihrem Realschulabschluss steckt Ruth Akkerman mitten in einer Ausbildung zur Erzieherin. Die Patenschaft ist damit offiziell beendet, doch privat geht der Kontakt weiter. „Wir tauschen uns weiterhin aus. Immer wenn sie mich braucht, bin ich da“, sagt Wallner.

„Schon immer gerne mit jungen Leuten zusammengearbeitet“

Ein ähnlich gutes Verhältnis haben Laurin Schulz (16) und Ewald Fischer (63). „Ich habe selbst keine Kinder, habe aber schon immer gerne mit jungen Leuten zusammengearbeitet“, antwortet Fischer auf die Frage, warum er sich bei dem Projekt beworben habe. Der 63-Jährige arbeitete 37 Jahre lang als Filialleiter bei der Firma Hamberger und verfolgte schon während seiner aktiven Berufszeit das Ziel, „jungen Leuten etwas zurückzugeben“.

Er will seinen Notendurchschnitt verbessern

Nach seinem Start bei den „Qualipaten“ lernte er Laurin Schulz kennen. Der heute 16-Jährige besuchte damals die Mittelschule in Aising und hatte keine genaue Vorstellung davon, was er beruflich einmal machen will. Weil er seinen Notendurchschnitt verbessern wollte, nahm er an dem Projekt teil.

Eltern kümmern sich um Mathe und Englisch

Auch die beiden Männer treffen sich von nun an einmal in der Woche. Meistens in der Firma von Laurin Schulz‘ Vater, hin und wieder auf der Terrasse von Ewald Fischer. „Laurin war unglaublich motiviert und wusste vom ersten Tag an, was er will und wo seine Schwachstellen liegen“, sagt Fischer. Während sich Laurins Eltern um die Fächer Englisch und Mathe kümmern, hilft Fischer bei den Deutschaufgaben. „Ich wollte einen Schnitt von 2,5 haben“, sagt Schulz. Um dieses Ziel zu erreichen, gingen die beiden die Quali-Aufgaben der vergangenen Jahre durch.

15 Quali-Aufgaben durchgegangen

„Wir haben bestimmt 15 Aufgaben durchgeackert“, erinnert sich Fischer. Die harte Arbeit zahlt sich aus: Laurin Schulz schafft seinen Abschluss mit einem Schnitt von 2,0. Für Fischer Beweis genug, dass sich die Patenschaft ausgezahlt hat.

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„Laurin hat mir dafür ein paar technische Sachen beigebracht“, sagt der 63-Jährige. So hätten die beiden während der Corona-Zeit geskypt oder sich über den Chat-Dienst „Facetime“ ausgetauscht.

Auf der Suche nach Ehrenamtlichen

Es sind Erfolgsgeschichten wie diese, die Katrin Halden-Spindler immer wieder vor Augen halten, warum sie das liebt, was sie tut. Seit zweieinhalb Jahren kümmert sie sich um das Projekt, steht sie den Qualipaten und Schülern beratend zur Seite. Weil einige Paten aufgehört haben, ist Halden-Spindler auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen. Um noch mehr Erfolgsgeschichten zu feiern – wie eben die von Elisabeth Wallner, Ruth Akkerman, Laurin Schulz und Ewald Fischer.

Mehr Infos unter Telefon 08031/8069636 oder per Mail an katrin.halden-spindler@pro-arbeit-rosenheim.de

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