„Es geht um meine Zukunft“: Rosenheimer Lehramtsstudentin über Sorgen nach dem Staatsexamen

Veronika Jelec aus Rosenheim studiert Lehramt und steht kurz vor ihrem Abschluss. Sie ist Mitglied der Initiative „#dontforgetyourfutureteachers“, die sich in der Corona-Krise für faire Prüfungsbedingungen einsetzt.
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Veronika Jelec aus Rosenheim studiert Lehramt und steht kurz vor ihrem Abschluss. Sie ist Mitglied der Initiative „#dontforgetyourfutureteachers“, die sich in der Corona-Krise für faire Prüfungsbedingungen einsetzt.
  • vonAlexandra Schöne
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Die Corona-Krise hat nicht nur die Abiturienten, sondern auch die bayerischen Lehramtsstudenten ins Chaos gestürzt. Die Prüfungen des Ersten Staatsexamens wurden verschoben und die weitere Zukunft scheint für die Studenten ungewiss. Eine belastende Situation.

Rosenheim – Veronika Jelec (28) aus Rosenheim hat Angst um ihre Zukunft. Sie studiert Mathematik und Wirtschaft, will Lehrerin werden und steht kurz vor dem Abschluss ihres sieben Jahre dauernden Studiums. Doch wie es in den kommenden Wochen weitergeht, ist ungewiss. Denn: Die Prüfungen im Rahmen des Ersten Staatsexamens mussten wegen der Ausbreitung des Coronavirus Mitte März ausgesetzt werden. Jelec war eine der rund 2500 Studenten, die davon betroffen waren. Ihre Mathematikprüfungen wurden um zwei Monate verschoben, statt im März fanden sie Ende Mai statt. Nun muss sie länger auf die Ergebnisse warten. „Ich lerne so lange weiter, bis ich weiß, ob ich bestanden habe“, sagt sie. Und das, obwohl sie nach den vielen nervenaufreibenden, anstrengenden Wochen der Vorbereitung keine Kraft mehr hat. „Es geht um meine Zukunft, ich möchte fertig werden“.

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Auf alle Studenten kommen große Unsicherheiten in den kommenden Monaten zu. Sind alle Prüfungen bestanden? Muss ich mich zum Wiederholungstermin im Herbst anmelden? Was ist mit dem angekündigten „Referendariat auf Probe“?

Initiative hat 1 400 Mitglieder

Aufgrund dieser Ungewissheit haben betroffene Studenten Anfang April eine Initiative gegründet. Mittlerweile hat die Facebook-Gruppe von „#dontforgetyourfutureteachers“ („#Vergesst eure zukünftigen Lehrer nicht“) 1 464 Mitglieder. Auch Jelec unterstützt diese Initiative, gemeinsam mit Julia Hüller aus Rottal-Inn. „Wir wollen faire Bedingungen“, sagt Hüller. Die 22-Jährige ist Mitglied im Organisationskomitee der Initiative. Die Gruppe, die ihr Anliegen bereits im Bildungsausschuss vorgetragen hat, fordere vor allem transparente Kommunikation und einen Nachteilsausgleich vonseiten des Kultusministeriums. Vor allem eins sei ausschlaggebend: „Vor September muss klar sein, ob wir alle Prüfungen bestanden haben. Wir wollen endlich an die Schulen und da helfen, wo es nötig ist“, betont Hüller.

Denn im September startet bereits das Referendariat an den Schulen. Der Prüfungszeitraum wurde um zwei Monate nach hinten verschoben. Laut Kultusministerium wird deshalb voraussichtlich nicht für alle Prüflinge feststehen, ob sie das Erste Staatsexamen bestanden haben. Den Studenten wird trotzdem die Möglichkeit eröffnet, im September ihre Ausbildung an de Schulen aufzunehmen, wie ein Sprecher des Kultusministeriums mitteilte. Es werde einen bis zum Schuljahreshalbjahr befristeten Arbeitsvertrag geben, sagt er.

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Dieses „Referendariat auf Probe“ hält Julia Hüller für eine „eher bescheidene Lösung“. Sollte man das Staatsexamen am Ende dann doch nicht bestehen, hat das laut Hüller eine ganze Reihe von Konsequenzen: Man sei arbeitslos, müsse seine neue Wohnung eventuell wieder kündigen und die Klasse, die man als Referendar unterrichtet hat, stünde ohne Lehrer da.

Das Kultusministerium hat zudem angekündigt, den Studenten einen „Freiversuch“ zu ermöglichen. Die Prüfungen können so einmal öfter wiederholt werden als normalerweise. Doch für Veronika Jelec wirft diese Maßnahme wieder viele Fragen auf. Besonders ungewiss sei, wie sich der „Freiversuch“ im September mit dem „Referendariat auf Probe“ vereinbaren lassen soll. Sie habe sich vorsichtshalber für beides angemeldet. Ruhe habe sie schon lange keine mehr. „Jetzt heißt es einfach ‚Augen zu und durch‘ und weiterhin alles wiederholen, um nichts zu vergessen‘“, sagt Jelec.

Staatsexamensnote solle weniger zählen

Die Initiative fordert außerdem, die Note des Staatsexamens nicht mehr so stark zu gewichten. Die Abschlussnote setzt sich zu 40 Prozent aus den Vorleistungen im Studium und zu 60 Prozent aus der Note des Staatsexamens selbst zusammen. Die Vorleistungen, also Semesterabschlussprüfungen und Seminararbeiten beispielsweise, sollten laut Jelec mehr zählen. „Die bisherigen Leistungen dürfen nicht aufgrund der Situation verloren gehen, nur weil die Examensnote so stark gewichtet wird“, sagt sie. „Das hohe Niveau der bayerischen Hochschulabschlüsse ginge auf keinen Fall verloren, da wir in jahrelangem Studium schon viele Leistungen erbracht und diese auch benotet wurden.“ Bis es Klarheit bezüglich der Prüfungsergebnisse gibt, heißt es also: Zähne zusammenbeißen und weiterlernen.

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