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Mit den Helfern auf Tour

Gegen Hunger und Einsamkeit: BRK Rosenheim versorgt täglich 300 Menschen mit warmer Mahlzeit

Lasse Holdmann (19) belädt sein Auto, um das Mittagsessen pünktlich zu den Senioren zu bringen.
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Lasse Holdmann (19) belädt sein Auto, um das Mittagsessen pünktlich zu den Senioren zu bringen.

Von der Suppe über den Schweinebraten bis zum Nachtisch: Das Rosenheimer BRK versorgt täglich rund 300 Menschen, die sich nicht mehr so gut selbst versorgen können, mit Mahlzeiten. Ein wertvoller Einsatz gegen den Hunger – aber auch gegen die Einsamkeit.

von Julian Baumeister

Rosenheim – Während Lasse Holdmann aus Rosenheim sein Auto durch den Stadtverkehr lenkt, ist er sich der wichtigen Fracht bewusst. Diese wird schließlich mancherorts sehnsüchtig erwartet. „Einige warten schon an der Tür, wenn ich komme“, sagt der 19-Jährige. Lasse Holdmann, der gerade seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert, ist einer von 29 Fahrern des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Rosenheim.

Er liefert fast täglich rund 20 Senioren ihr Mittagessen. Deshalb ist trotz aller Eile, damit das Essen pünktlich ankommt, auch Vorsicht beim Fahren geboten. Denn wenn zum Beispiel durch ein ruckartiges Bremsmanöver die Soße überläuft, kann das Essen aus Hygienegründen nicht mehr ausgeliefert werden.

Vom Schnitzel bis hin zum Kaiserschmarrn

Lasse Holdmanns erstes Ziel an diesem Tag ist eine Seniorin aus dem nördlichen Stadtteil. „Früher habe ich jeden Tag und gerne gekocht“ sagt die Frau, die anonym bleiben will, als sie das Hähnchengericht „Gärtnerin Art“ aus der schwarzen Lieferbox nimmt.

Andreas Maurer vom BRK inspiziert die Speisen in der Küche des Kreisverbands Rosenheim.

Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt und dem Tod ihres Mannes ist ihr die Lust auf das aufwendige Kochen vergangen. „Warum soll ich für mich alleine jeden Tag kochen, da bleibt doch immer etwas übrig“, sagt die Seniorin. Zudem besitze sie kein Auto und könne nicht einfach mal schnell einkaufen fahren. Umso dankbarer sei sie darüber, dass sie täglich eine warme Mahlzeit bekomme. „Es schmeckt alles gut. Und am besten ist, dass jemand zu mir kommt“, sagt die Rosenheimerin. Abends mache sie sich dann immer selbst noch eine Kleinigkeit zu essen.

Rund 300 Senioren in Stadt und Land Rosenheim werden durch das Team Essen auf Rädern vom BRK Rosenheim versorgt. Seit knapp 40 Jahren gibt es das Angebot in Rosenheim schon. Insbesondere Senioren und ältere Menschen werden dadurch jeden Tag im Jahr mit mindestens einer warmen Mahlzeit versorgt. Die Essensunterstützung richtet sich aber auch an jene, die zum Beispiel durch einen Unfall mit gebrochenen Händen nur kurzzeitig auf Hilfe beim Kochen angewiesen sind.

Sieben oder acht Touren durch den ganzen Landkreis

Zwischen 10.30 Uhr und 13 Uhr wird das Mittagessen ausgefahren. „Sieben oder acht Touren haben wir täglich quer durch den Landkreis“, sagt Andreas Maurer, Disponent beim BRK Rosenheim. Das Menü kann sich jeder Woche für Woche aus einer bestehenden Auswahl frei zusammenstellen.

Von Suppen über Schnitzel und Schweinebraten bis hin zu Nachspeisen ist alles dabei. „Wir können da auf alle Wünsche der Leute eingehen. Egal ob Allergie oder Unverträglichkeit“, sagt Maurer. Eine Firma in Nordrhein-Westfalen bereitet die Gerichte frisch zu. Anschließend werden diese tiefgefroren nach Rosenheim verschickt. In der Küche des BRK Rosenheim werden die Speisen dann nochmals von Mitarbeitern erhitzt und im Anschluss ausgefahren. Damit das Essen auch unversehrt bei den Kunden ankommt, müssen alle Fahrer ein kleines Fahrsicherheitstraining absolvieren. Auch gute Ortskenntnisse sind dabei von Vorteil. „Irgendwann kennt man jede Straße der Tour auswendig“, sagt Lasse Holdmann. Dies sei laut dem 19-Jährigen auch wichtig, damit das Mittagessen nicht zu spät geliefert wird. „Es kommt schon mal vor, wenn viel Stau war und man paar Minuten zu spät ist, dass die Kunden bereits ein Butterbrot gegessen haben“, sagt Holdmann.

Persönliche Gespräche gegen das Alleinsein

Die Senioren seien aber trotz kleiner Verspätungen immer froh und dankbar, wenn er das Essen vorbeibringt. Dabei darf vor allem auch der soziale Kontakt nicht zu kurz kommen. Deshalb nimmt sich Lasse Holdmann auch immer die Zeit, auf die Bedürfnisse seiner Kunden einzugehen – auch wenn es nur das Hochbringen der Zeitung in den 5. Stock ist. „Die Freude bei den Menschen zu sehen ist schön“, sagt Holdmann.

Zu viel Zeit darf er sich dennoch nicht lassen, denn der nächste Kunde mit hungrigem Magen wartet bereits.

Gegen Ende des Jahres wird dann der ein oder andere Mittagstisch mit einem Essen vom BRK hinzukommen. Da übernimmt laut Andreas Maurer das Bayerische Rote Kreuz den Kundenstamm der AWO Rosenheim.

Für Lasse Holdmann bedeutet dass, dass er sich ein paar neue Straßen einprägen muss, damit das Mittagessen auch weiterhin in einem Stück ankommt.

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