Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


JUGENDSCHÖFFENGERICHT ROSENHEIM

Gefängnis für rechte Schläger

Das Jugendschöffengericht Rosenheim hat drei Männer aus Rosenheim, Kolbermoor und Wasserburg zu Haftstrafen zwischen drei Jahren und 18 Monaten verurteilt. Die Rechtsradikalen hatten im September 2015 in der Innstraße in Rosenheim zwei Inder und einen Pakistani grundlos zusammengeschlagen.

Rosenheim – Ein wenig Reue hätte den Angeklagten gut gestanden. Zu dieser Ansicht kam das Schöffengericht in seiner Urteilsbegründung. Von einer Entschuldigung oder einer freiwilligen Schadenswiedergutmachung wollten die Männer jedoch nichts wissen. Statt dessen nahmen sich der Rosenheimer (24), der Kolbermoorer (34) und der Rotter (20) mit ihrem dreisten Auftreten selbst die Chance auf eine Aussetzung zur Bewährung.

Zum Tatvorwurf machten die Angeklagten keine oder wenig hilfreiche Angaben. Der Rosenheimer fand: „Die Verhandlung ist lächerlich.“ Der Kolbermoorer und der Rotter lieferten mit ihrer späten Einlassung, wonach sich die Geschädigten ihnen in den Weg und sie provoziert hätten, auch keine strafmildernden Gründe.

Laut Anklage fassten die Angeschuldigten, die allesamt der rechten Szene zuzurechnen sind, den gemeinsamen Tatentschluss, drei ihnen Unbekannte aufgrund ihres Aussehens anzugreifen. Zunächst soll der Rosenheimer einen Inder (32) niedergeschlagen haben. Seine beiden Begleiter sollen zeitgleich auf einen Pakistani (24) und einen Inder (41) losgegangen sein. Gemeinsam sollen die drei Täter ihre Opfer mit Schlägen und Tritten gegen Kopf und Körper traktiert haben. Der Kolbermoorer soll dabei eines der Opfer auf ein parkendes Auto geworfen haben. Dabei entstand ein Sachschaden von rund 4000 Euro.

Die Zeugen bestätigten die Tatvorwürfe weitgehend. „Jeder von uns ist von jedem der drei geschlagen worden“, sagte der Inder, der ebenso wie die beiden anderen Opfer keinerlei Belastungseifer zeigte, trotz Verletzungen keinen Arzt aufgesucht und auch kein Schmerzensgeld gefordert hatte.

Anwohner hatten die Polizei verständigt. Vom Balkon aus hatten sie den Tathergang beobachtet und die Angeklagten als brutale Schläger beschrieben. Der 24-Jährige habe den Hitlergruß ausgeführt, sagten zwei Zeugen.

Hakenkreuz-Tattoo zur Schau gestellt

Der machte beim Eintreffen der Polizei kein Hehl aus seiner Gesinnung. Er hatte sich seines Hemdes entledigt und sein auf die Brust tätowiertes Hakenkreuz zur Schau gestellt. Diesen Punkt der Anklage räumte der Rosenheimer ein, legte aber Wert darauf, dass er sich seit dem Vorfall von der rechten Szene distanziert habe. Die Beleidigung einer Polizeibeamtin konnte er sich nicht erklären und schrieb sie den vier Bier zu, die er getrunken habe.

Verteidiger Hans Sachse betonte, dass man die Taten nicht auseinanderdividieren könne. Die Angeklagten hätten sich gemeinschaftlich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Da gäbe es nichts zu beschönigen. Allerdings fand er den Antrag der Staatsanwaltschaft, seinen Mandanten wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten zu verurteilen, für überzogen. Sein Mandant habe sich aus der rechten Szene gelöst. Sachse fand eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten angemessen.

Das Schöffengericht folgte allerdings den Ausführungen der Anklagevertretung. Das einheitliche Tatgeschehen sei eindeutig allen Angeklagten zuzurechnen. Klar sei auch, dass es in allen drei Fällen keine positive Sozialprognose gebe, die eine Strafaussetzung zur Bewährung rechtfertigen würde. Es sei ein Glücksfall und keineswegs der Verdienst der Angeklagten, dass es zu keinen schwerwiegenderen Verletzungen gekommen sei.

Die Angeklagten, die einschlägig vorbestraft waren, hätten sich nicht mit der Tat auseinandergesetzt. Deshalb gebe es keinen Zweifel daran, dass es eine erhebliche Vollzugsstrafe brauche, betonte Richterin Verena Köstner. Der Rosenheimer erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Keine Anzeichenvon Reue

Der Kolbermoorer wurde zu zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Die Anklagevertretung hatte zwei Jahre und neun Monate gefordert. Verteidiger Harald Baumgärtl hatte für eine Bewährungsstrafe plädiert. Sein Mandant, der sozial eingebunden sei, habe eingeräumt, dass er am Tatgeschehen beteiligt gewesen sei. Zudem sei Alkohol im Spiel gewesen.

Auf Anregung der Jugendgerichtshilfe kam bei dem Rotter (20) Jugendstrafrecht zur Anwendung. Nach der sozialpädagogischen Einschätzung waren Reifeverzögerungen nicht auszuschließen. Vor Gericht hatte der Rotter lange geschwiegen. Im Schlusswort sagt er, es sei nur ein Geschubse gewesen und er habe versucht, den Rosenheimer wegzuziehen.

Verteidigerin Gabriele Sachse war ebenfalls der Überzeugung, dass es sich im Falle der Sachbeschädigung nicht um eine Mittäterschaft handelte. Sie plädierte für Sozialstunden oder eine Jugendstrafe zur Bewährung. Ihr Mandant habe sich deutlich von seinen Mittätern und der rechten Szene distanziert. Für das Jugendschöffengericht dagegen waren eine Arbeitsauflage und Arrest nicht ausreichend. Hier sei eine Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten erforderlich. Beim Angeklagten sei kein Funke von Reue festzustellen. Das zeige auch ein Auszug seines Facebook-Accounts vom Dezember mit deutlich rechtsradikalem Inhalt. ca