Nicht nur wild parken: Rosenheim will an Badeseen etwas gegen "Sauereien" unternehmen

Hier soll sich in Zukunft einiges ändern: Am Biergarten am Happinger See sollen bei schönem Wetter Wachleute nach dem Rechten schauen. Reisner/re
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Wer an den Badeseen parken will, muss künftig dafür bezahlen. Dafür sprachen sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses aus. Auch über das Aufstellen eines Toilettencontainers wurde diskutiert. 

Rosenheim – Die Grünen wollen einen Bade-Bus, die SPD verlangt härtere Strafen für Parksünder, und die CSU regt an, über bessere Radwege zu den Seen und Sicherheitsleute an den Seen nachzudenken. Eine Verbesserung der momentanen Situation aber wollen sie alle. „Es muss etwas passieren, so wie es jetzt ist, funktioniert es einfach nicht“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Franz Opperer.

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Während er vor allem den Mangel an Toiletten und die fehlende Sauberkeit der vorhandenen WCs kritisiert, bemängelt der Fraktionsvorsitzende der CSU, Herbert Borrmann, die immer wieder stattfindenden Partys und den daraus resultierenden Müll auf den Liegewiesen.

Wunsch nach mobiler WC-Anlage

Doch neu ist die Situation nicht. Die Stadtratsfraktion der Grünen hatte das Thema bereits im vergangenen Jahr aufgegriffen und einen Antrag an die Alt-Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) gestellt. Die Fraktion bezog sich auf beide Badeseen, stellte aber den Happingerausee in den Mittelpunkt. Die Lage dort sei „unerträglich“, es brauche dringend Veränderungen, heißt es im Antrag. So müssten alle Toiletten regelmäßig geöffnet sein und gereinigt werden. Letzteres auch am Happinger See, wo zudem eine zusätzliche mobile Toilettenanlage notwendig sei.

Zwei Toiletten für alle Gäste

Wünscht sich zusätzliche Toiletten: Annette Rygol ist die Pächterin des Biergartens am Happinger See.

Ein Wunsch, den Annette Rygol (68) schon lange hat. Seit acht Jahren ist sie die Pächterin des Biergartens am Happinger See. Doch glücklich ist sie nicht – und das schon seit längerer Zeit. „Wir haben für unsere Gäste nur zwei Toiletten“ klagt sie. Hinzu komme, dass die Rohre so alt sind, dass es bei einem erhöhten Gästeandrang immer wieder zu Verstopfungen komme. „Es ist ein Wunder, dass wir trotz der Toiletten-Situation noch so gut besucht sind“, sagt sie.

Andere Situation am Happingerausee

Hatte in diesem Jahr noch keine Probleme: Claudia Kokoschka, die Pächterin des „Koko Beach“.

Ein ganz anderes Bild ergibt sich am Happingerausee. Vor fünfeinhalb Jahren hat Claudia Kokoschka (52) den „Koko Beach“ von der Stadt Rosenheim gepachtet, kümmert sich seitdem um den Kiosk. Insgesamt habe sie elf Toiletten für ihre Gäste – coronabedingt müssten vier davon im Moment geschlossen bleiben. Die Vorwürfe, dass ihre Toiletten verschmutzt seien, weist sie entschieden von sich. „Im Moment ist alles super“, sagt sie nur.

Ohne Grillplätze bessere Situation

So müssten die Besucher seit Kurzem 50 Cent für die Nutzung bezahlen, außerdem würden die Anlagen von ihr und ihren Mitarbeitern stündlich gereinigt. Doch so gut wie es jetzt ist, war es nicht immer. Claudia Kokoschka weiß das. Noch im vergangenen Jahr sei die Situation eine vollkommen andere gewesen. Sie spricht von übervollen Mülltonnen, Restmüll auf der Wiese und verschmutzten Sanitäranlagen.

Abschlussfeiern sorgen für Ärger

Doch seit dem Beginn der Badesaison, Ende Mai, hat sie, so sagt sie, die Sache im Griff. „Seitdem die Grillplätze weg sind, ist es viel besser.“ Nur die im Moment stattfindenden Abschlussfeiern würden ihr Sorgen bereiten. Oft würden die Jugendlichen ihren Müll liegen lassen und laute Musik bis spät in die Nacht hören.

Schwierige Situation auf den Parkplätzen

Ein weiteres Problem, das es sowohl am Happinger See, als auch am Happingerausee zu geben scheint: die schwierige Situation auf den Parkplätzen. „Das Parken ist eine Katastrophe“, sagt Annette Rygol. Sie glaubt, dass es helfen würde, Flächen zu kennzeichnen, sodass „die Besucher auch wissen, wo sie parken können“.

Happinger haben es schwer

Es ist ein Weg, den sich auch der Fraktionsvorsitzende der SPD, Abuzar Erdogan, vorstellen könnte. Im Moment sei die Situation unerträglich, der gesamte Stadtteil mit „Autos vollplatziert“. „Da müssen wir die Riegel vorschieben“, sagte er.

Und genau das scheint die Stadt auch vorzuhaben. So prüfe die Verwaltung im Moment, ob es sinnvoll wäre, Parkscheinautomaten aufzustellen. Das Umwelt- und Grünflächenamt will außerdem mit der städtischen Verkehrsbehörde möglichen Parkraum abgrenzen. „Dadurch wollen wir das Frei- und Wildparken verhindern“, sagt Oberbürgermeister Andreas März (CSU). „Außerdem muss darauf geachtet werden, dass die Rettungswege frei bleiben“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/UP Robert Multrus.

Zusätzliche Parkplätze während Bade-Saison

Die Stadt plant außerdem, während der Badesaison zusätzliche Parkplätze zu schaffen. Wie die Verwaltung mitteilt, laufen die Gespräche mit einem Grundstückseigentümer, der Flächen in der Nähe des Happinger Sees besitzt, bereits. Am Dienstag, 21. Juli, findet dazu ein Ortstermin statt.

Nicht noch mehr Verkehr ins Naherholungsgebiet

„Die zusätzlichen Stellflächen bereiten uns sehr große Sorgen“, sagte Opperer. Er wolle vermeiden, dass noch mehr Verkehr in das Naherholungsgebiet gezogen werde. Er schlug stattdessen vor, über einen Bade-Bus nachzudenken, der die Seen, aber auch das Freibad anfährt.

Attraktives Angebot für Jedermann

Begeisterung für diesen Vorschlag gab es keine. März gab zu Bedenken, dass Familien mit viel Gepäck nicht den Bus nehmen würden. Auch Borrmann sprach sich gegen einen Bus aus. Er regte stattdessen an, die Radwege zu verbessern. „Die zwei Hauptzufahrtsstraßen sind eine Zumutung“, sagte er.

Nicht alles den Pächtern überlassen

Auch müsse die Stadt mehr Kontrollen durchführen, könne nicht alles den Pächtern überlassen. „Es muss ein attraktives Gebiet für alle entstehen, nicht nur für die Partymacher.“

Auch hier will die Stadt nachbessern. So sollen bei schönem Wetter sowie an den Wochenenden und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr durchgehend zwei Wachleute vor Ort sein. Diese sollen sich dann laut Verwaltung auch um die Überwachung der Toiletten kümmern.

Kosten der Container werden überprüft

Ob dann auch der mobile Toilettencontainern am Happinger See in ihren Zuständigkeitsbereich fällt, wird sich zeigen. Zuerst müsse laut Oberbürgermeister März geprüft werden, was so eine Anlage kostet und wo man sie hinstellen kann.

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