Ganz nah an den Elementen im Rosenheimer Waldkindergarten Keferwald

Im Bauwagen im Hintergrund können sich die Kinder des Waldkindergartens Keferwald aufwärmen, wenn es ihnen im Freien mal zu kalt sein sollte. Schlecker

Ganz nah an den Elementen zu sein, ist das pädagogische Konzept des Waldkindergartens Keferwald in Rosenheim. Die Verantwortlichen zogen jetzt nach rund einem halben Jahr erstmals Bilanz.

Von Heidi Geyer

Rosenheim – Schlammiger Boden, Pfützen voller Dreck und dazu ein kalter Wind. Für die Kinder des Waldkindergartens Keferwald klingt das gar nicht abschreckend, sondern im Gegenteil richtig super. Die Kinder spielen im Wald, ohne Geräte und bei fast jedem Wetter.

Nun zogen die Betreiber des Kindergartens eine Bilanz über die ersten Monate. Nicht nur die Kinder, sondern auch Anton Reiserer, Geschäftsleiter des Kreisverbands Rosenheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO), ist begeistert von der Einrichtung. Zwei Rosenheimer Mütter, Tatjana Köllner und Marlies Baumgartner, hatten das Projekt initiiert und konnten die AWO als Träger gewinnen.

Die Kinder spielen draußen

Reiserer bedankte sich bei den vielen Unterstützern des Projekts, das im Vorfeld sehr aufwendig war. So hatte das Städtische Gartenamt gut zu tun, den acht Tonnen schweren Bauwagen auf schlammigen Wegen in den Keferwald zu ziehen. Denn der Kindergarten hat kein festes Bauwerk, sondern nur einen einfachen Bauwagen, in dem sich die Kinder bei Bedarf mal aufwärmen können. Statt einer Toilette steht nur ein stilles Örtchen mit Kompostklo im Freien zur Verfügung.

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Das richtige Konzept in Zeiten von Corona und Grippe? Die Kinder haben die Möglichkeit, sich die Hände mit warmem Wasser und Seife zu waschen, ihre Betreuer achten darauf.

Derzeit besuchen 22 Kinder den Kindergarten, alle ausgerüstet mit Gummistiefeln, Matschhosen und Mützen. Passend gekleidet in kompletter Outdoormontur ist auch Boris Giesler, der den Kindergarten leitet. „Nicht nur ,Ökos‘ schicken ihre Kinder in diesen besonderen Kindergarten, sondern Eltern aus allen Schichten“, sagt Giesler. Die Eltern sind auch verpflichtet, den Bauwagen zu putzen und die Kinder mit Wasser zu versorgen.

Pädagogische Trends verfolgen

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ist begeistert: „Sicherlich passt das Konzept nicht für jedes Kind, aber wie man sieht gibt es viele, die sich gerne in der Natur austoben.“ Eltern sollen aus Bauers Sicht aus unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen auswählen können. Sabine Hilger, Leiterin des Sachgebiets Kinderbetreuung der Stadt, bestätigt: „Wir werden auch künftig pädagogische Trends verfolgen und nach Eignung und Möglichkeiten umsetzen.“

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