Eineinhalb Jahre Bewährung für betrügerischen Internethandel

Gänzlich neben der Spur

Rosenheim - Mehr als 15 Alias-Namen zählte der Staatsanwalt in seine Anklage gegen einen 34-jährigen Rosenheimer auf, mal war dieser Männlein, mal Weiblein. Mit verschiedensten Kontonummern hatte er sich ausgestattet, die meisten frei erfunden, eine vom Bruder abgekupfert, eine von einem Namensvetter in Miesbach missbraucht. Dieser Aufwand ist dann nützlich, wenn man bei Ebay und in verschiedensten Versandhäusern Waren bestellt, die man weder bezahlen kann, noch will. Seine echte Kontonummer hatte der Angeklagte nur angegeben, wenn er bei Ebay Waren verkauft hat, die er gar nicht besaß. Denn dann sollte das Geld ja zu ihm kommen. Von 2005 bis 2008 hat er in insgesamt 70 Einzelfällen solche Käufe und Verkäufe getätigt

So recht ist war der Rosenheimer bislang mit seinem Leben nicht klar gekommen. Seit jeher lebt er im "Hotel Mama", einen Beruf hat er nicht erlernt. Daneben hat er sich mit Kokain und Opiaten die Zeit vertrieben. Dann starben seine Mutter und Oma, die ihn bisher alimentierten, seinen Beruf als Möbelpacker konnte er wegen eines Defektes am Rückgrad nicht mehr ausüben. Das Geld wurde knapp. Depressionen und Angstzustände breit machten sich breit. Wegen seiner Agoraphobie, der Angst vor öffentlichen großen Plätzen, wagte sich der Angeklagte kaum noch aus der Wohnung. Also sollten die Dinge zu Ihm kommen, am Besten umsonst.

Weil so etwas nicht gut gehen kann fand sich der Mann nun vor dem Schöffengericht Rosenheim unter dem Vorsitz der Richterin Jacqueline Aßbichler wieder. Der ermittelnde Kriminalbeamte sagte als Zeuge aus, dass der Angeklagte voll geständig gewesen sei, ja sogar mehr Vergehen eingestanden habe, als er selber hätte heraus finden können. Er hält ihn weniger für einen Kriminellen, als jemanden, der "völlig neben der Spur läuft".

Dafür spreche auch die Tatsache, dass sich der Angeklagte in den Jahren 1995, 2002, 2005, 2006 und 2007 aus eigenen Stücken in das heutige Inn-Salzach Klinikum begeben hatte, allerdings erst 2007 für längere Zeit und mit messbaren Erfolg.

Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Blume, wies darauf hin, dass in einer Reihe der angeklagten Fälle ein vollendeter Betrug nicht zustande gekommen sei, weil die Waren per Nachnahme geliefert wurden und deshalb wieder an die Verkäufer zurückgingen. In diesen Fällen war es bei einem Versuch geblieben. So hatte er sich einen teueren "Chefsessel" bestellt, dafür aber die geforderte Anzahlung nicht aufbringen können.

Der Staatsanwalt erklärte, dass es sich zwar um eine Vielzahl von Taten handelte und diese eine erhebliche kriminelle Energie deutlich machten, es sich andererseits aber um ein überschießendes Geständnis handle, wo viele der Taten womöglich gar nicht erkannt worden wären.

Deshalb forderte er in seinem Plädoyer eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die er aber in Anbetracht der Umstände zur Bewährung ausgesetzt sehen wollte.

Der Verteidiger teilte die Darlegungen des Staatsanwaltes, bat jedoch das Gericht, es möge bei der Ausgestaltung der Bewährungsauflagen ein besonderes Augenmerk auf die psychische Betreuung seines Mandanten legen. Das Gericht entsprach den Antägen und überantwortete den Angeklagten einem Bewährungshelfer, der ihm bei seinen physischen und psychischen Problemen zur Seite stehen soll. au

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