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„Make‘n Create“ an der TH Rosenheim

Funktioniert der magische Handschuh? Diese Erfindungen haben Rosenheimer Studenten in 24 Stunden umgesetzt

Lässt sich auch von kleinen Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen: Student Kevin Kapella.
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Lässt sich auch von kleinen Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen: Student Kevin Kapella.
  • VonKilian Schroeder
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80 Studenten, 24 Stunden und jede Menge Ideen: Im Rahmen des Projekts „Make‘n Create“ konnten Studenten an der TH Rosenheim jetzt ihre Ideen in die Tat umsetzen. Mit großen Erfolg – auch wenn so mancher Teilnehmer kurzzeitige Rückschläge verkraften musste.

Rosenheim – „Am Morgen hat es doch noch funktioniert“, sagt Kevin Kapella verwundert. Der 25-jährige sitzt vor einem Gerät, das den Widerstand im Stromfluss misst und an seinen Handschuh angeschlossen ist. An diesem Handschuh stecken zahlreiche bunte Kabel, die Kapella immer wieder umsteckt.

Ziel seiner Arbeit ist, einen Prototypen für einen Handschuh zu entwickeln, der Handbewegungen messen kann – und damit eine Vorlage für den Bau elektrischer Prothesen liefern könnte. „Gerade fehlen aber noch ein paar Ohm Widerstand“, sagt Kapella. Schlimm ist das nicht, schließlich hat er den Handschuh in gerade einmal 24 Stunden gebaut – als Teil des Projektes „Make’n Create“ am Wochenende an der Technischen Hochschule (TH) Rosenheim.

Ministerium finanziert mit

Hinter dem Projekt „Make’n Create“ steht das Rosenheimer Labor für interdisziplinäre Projekte (Ro-Lip). Als Tobias Gerteis das Labor, in dem TH-Studierende aller Fachbereiche ihre Ideen verwirklichen können, gründete, wollte er mit einer größeren Aktion Sichtbarkeit schaffen – woraus „Make’n Create“ entstand. Der Gedanke: Studenten kommen zusammen und haben 24 Stunden Zeit, die Räume und Materialkammer der TH zur Verfügung, um alle denkbaren Projekte zu verwirklichen. Finanziert wird „Make’n Create“ unter anderem von der „Exist“-Gründungsplattform des Bundeswirtschaftsministeriums.

„Wir machen hier Bildung“, sagt Gerteis. „Die Studierenden können hier basteln, worauf sie Lust haben. Das fördert die Kreativität.“ Dabei gehe es darum, sich auszuprobieren und Spaß zu haben. Einschränkungen der Projekte gibt es nicht, die Veranstaltung ist kostenfrei. Start war am Samstag um 15 Uhr, die Teilnehmer hatten bis Sonntag 15 Uhr Zeit – manche kamen mit einer konkreten Vorstellung, manche komplett ohne Idee. Insgesamt nahmen in diesem Jahr über 80 Studenten an dem „Bastelevent“ teil, nicht alle studieren in Rosenheim.

„Siedler von Catan“ in 3D-Version

Die „Siedler von Catan“ in 3D: Dafür muss Katharina Lorenz die Felder Stück für Stück aus Kork zuschneiden.

Zum Beispiel Katharina Lorenz. Sie studiert nachhaltige Polymerchemie in Freiburg und bastelt am Wochenende an einer eigenen Version des Spiels „Siedler von Catan“, allerdings als 3D-Spielbrett. Dazu schneidet sie Feld für Feld mit Kork zurecht und baut kleine Gräser und Bäume nach. Ihr gefällt, auch mal praktisch arbeiten zu können: „Während Corona hat in der Uni nicht viel Praktisches stattgefunden“, sagt sie.

Ähnlich geht es den Mechatronikstudenten Max Brunner (24) und Johannes Appelsmaier (22), die einen Raum weiter sitzen. „Wann hat man solche Möglichkeiten, dass man einfach mal machen kann“, sagt Bruner. Er arbeitet gerade an der Verkabelung einer Tröpfchenbewässerungsanlage für Tomaten: Eine Pumpe fördert Wasser automatisch zur Gewächsanlage. Dazu ist ein Zeitschalter eingebaut, sodass alles automatisch funktioniert. Die Idee ist erst am Samstag zum Start des Projektes entstanden, zusammen mit ihrem Freund Johannes Hilger. Am Sonntagvormittag sind sie zuversichtlich, dass ihr Prototyp pünktlich um 15 Uhr fertig ist – obwohl, oder vielleicht sogar weil sie die ganze Nacht durchgearbeitet haben. „Es ist zwar noch ein bisschen chaotisch, aber es läuft“, sagt Brunner.

Hier entsteht eine Tröpfchenbewässerungsanlage für Tomaten: Max Brunner (links) und Johannes Appelmaier arbeiten gerade an der Verkabelung.

„Entspanntes Miteinander“

Nicht alle Teilnehmer kommen aus der naturwissenschaftlich-technischen Richtung. Theresa Backes studiert zum Beispiel Kunstgeschichte in Salzburg. Ihr Anreiz, bei „Make’n Create“ mitzumachen, ist praktischer Natur: „Ich brauche eine Lampe zuhause, also wollte ich ein Lampengestell bauen.“ Das sei aber immer wieder zusammengefallen, sodass sie jetzt „rettet, was ich angefangen habe“. Dazu beklebt sie die Stäbe mit Glitzer. Backes schätzt die Atmosphäre bei dem Projekt: „Alle haben genug Platz um zu arbeiten, es ist ein entspanntes Miteinander.“

Warum Kevin Kapellas Handschuh am Sonntagvormittag nicht funktioniert hat, ist nicht ganz klar. Aber es ist für ihn auch kein Problem, seinen Prototypen später noch fertig zu bauen. Auch Tobias Gerteis geht es nicht darum, dass die Projekte nach den 24 Stunden fertige Produkte sind: „Die Studierenden sollen die Scheu ablegen. Einfach alle Ideen mal ausprobieren.“

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