Einsätze 2020

Für Rosenheims Feuerwehren gilt: Es gibt keinen Alltag, aber es läuft immer routiniert

Explosionsgefahr droht oft bei Gefahrgutunfällen. Hier pumpen die Helfer Diesel und Heizöl aus einem Lkw.
+
Explosionsgefahr droht oft bei Gefahrgutunfällen. Hier pumpen die Helfer Diesel und Heizöl aus einem Lkw.
  • Jens Kirschner
    vonJens Kirschner
    schließen

Zwischen Schlangen und zerschlagenen Bierflaschen: Das Aufgabengebiet der Rosenheimer Feuerwehren ist vielfältig. Ein Blick auf die kuriosesten und spannendsten Einsätze des vergangenen Jahres.

Rosenheim – Als am 9. Februar 2020 die Kameraden der Rosenheimer Feuerwehr ausrückten, war maximal der Tag des Einsatzes ungewöhnlich. Das gemeldete Geschehen verbuchten  die Kameraden trotz aller Erfahrung dennoch nicht als Routine. Es galt die übliche Weisheit: Kein Einsatz ist wie jeder andere.

Im Schnitt ein Bombenfund pro Jahr

Unterwegs waren die Feuerwehren an diesem Tag zum Rosenheimer Bahnhof, wo eine Weltkriegsbombe ans Tageslicht gekommen war. Dass diese gerade an einem Sonntag entschärft werden sollte, war auch für die Feuerwehrleute neu und gestaltete den Einsatz zumindest in dieser Hinsicht ungewöhnlich, wie der Rosenheimer Stadtbrandrat Hans Meyerl berichtet. „Eigentlich wird durchschnittlich im Jahr eine Bombe gefunden“, berichtet er, die Wehren hätten bei solchen Fällen durchaus Routine.

Im Schnitt einmal pro Jahr, aber dennoch kein Alltag: der Fund einer Weltkriegsbombe in Rosenheim. Feuerwehr Rosenheim

Lesen Sie auch:

Erwin Jäkel war über 4.000 Mal im Einsatz für die Feuerwehr Mühldorf - jetzt beginnt der Ruhestand

Doch solche Einsätze seien auf der anderen Seite immer mit einem erheblichen organisatorischen Aufwand verbunden. Vor der Entschärfung müssen die Helfer umliegende Anwohner evakuieren, und sonntags sind naturgemäß die wenigsten auf der Arbeit und stattdessen zuhause.

Evakuierungmit rund 300 Helfern

Über den Katastrophenschutz kam hier neben der Feuerwehr noch eine Vielzahl anderer Hilfsorganisationen ins Spiel. An diesem Sonntag seien es insgesamt rund 300 Helfer gewesen, sagt Meyerl. Die umfangreiche Maschinerie, die man bei solchen Geschehnissen hochfahre, lohne sich, jedes Mal – insbesondere für das Seelenleben der Kameraden: „Diese Funde gehören zu jenen Einsätzen, bei denen wir den Sinn in unserer Arbeit besonders erkennen“, beschreibt Meyerl, dass die Gefahrenabwehr noch immer das Kerngeschäft der Feuerwehr sei.

Konstantes Einsatzaufkommen

Als sich im März allmählich abzeichnete, dass die Corona-Pandemie wohl auch an Deutschland nicht spurlos vorüberziehen würde, ging die Führung der Feuerwehr für 2020 eigentlich von einem geringeren Einsatzaufkommen aus. Realistischerweise sollte mit dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens auch die Arbeit für Rosenheims Brandbekämpfer abnehmen.

Lesen Sie auch:

Schnee- und Glätte-Chaos: Zahlreiche Unfälle in der Region halten Rettungskräfte in Atem

Diese Erwartung sollte sich nicht erfüllen: Das Einsatzaufkommen (siehe Infokasten) blieb auch 2020 konstant im Vergleich zum Vorjahr.

Schlange in der Prinzregentenstraße

Unter den wohl eher ungewöhnlichen Beispielen dieser Einsätze gehört die Rettung einer Schlange aus der Dachrinne eines Mehrfamilienhauses in der Rosenheimer Prinzregentenstraße. Im September war der Kaltblüter seinem Besitzer entwischt. Auch wenn die Tierrettung genauso zu den gesetzlich niedergeschriebenen Aufgaben der Feuerwehren in Bayern zählt: Die Bergung von Schlangen gehöre nicht zum Tagesgeschäft, wie Hans Meyerl schildert. Zumindest sei die Höhe des Hauses im Rahmen geblieben.

Auch die Tierrettung gehört zum Pflichtgeschäft der Rosenheimer Feuerwehren, Schlangen sind in solchen Einsätzen jedoch eher selten.

Ebenso wenig habe es sich erkennbar um eine Giftschlange gehandelt. „Natürlich verlassen wir uns nicht darauf“, versichert Meyerl, dass seine Führungskräfte solche Unsicherheiten im Blick hätten, um die Sicherheit der Kameraden nicht unnötig zu gefährden. In diesem Fall ging die Sache problemlos über die Bühne. Weniger spektakulär, dafür umso ärgerlicher, sind Fehlalarme für die Rosenheimer Feuerwehren, auch wenn sich diese im Blick auf das gesamte Einsatzgeschehen wohl in Grenzen halten.

Auch für Bagatellen im Einsatz

Doch auszurücken, um zerschlagene Bierflaschen von der Straße zu entfernen, finden die Kameraden eher mäßig erfreulich. „Wir stellen schon fest, dass mancher Bürger allzu leichtfertig mit dem Notruf umgeht“, findet Meyerl. Wobei er damit nicht sagen will, dass sich Hilfesuchende im Zweifel nicht an seine Kollegen in der Leitstelle wenden sollten, bevor sich am Ende doch ein größeres Schadensereignis abzeichnet. Jedoch: Wenn die Bagatelle allzu sehr auf der Hand liegt, wünscht sich Meyerl ein wenig mehr Sensibilität bei den Rosenheimern.

Herausforderung Gefahrgut

Abgetrennte Abwasserschläuche an der Waschmaschine, kleinere Äste, die der Wind auf die Straße geblasen hat: „Das machen wir natürlich auch“, sagt der Stadtbrandrat. „Aber es ist vielleicht nicht unbedingt im Sinne des Erfinders, bei solchen Bagatellsachen Menschen zu alarmieren, die dann von Arbeit und Familie loseilen, um zu helfen“, gibt er zu bedenken.

Lesen Sie auch:

Schneefall bringt Verkehr auf den Straßen in Rosenheim und Traunstein zeitweise zum Erliegen

Schon eher zu den besonderen Herausforderungen zählte für die Kameraden ein verunglückter Gefahrguttransport. Anfang Juli war bei Waakirchen (Landkreis Miesbach) ein mit Diesel und Heizöl betankter Sattelzug in Not geraten. Die Rosenheimer Wehren wurden zur Unterstützung der Einsatzkräfte vor Ort nachalarmiert.

Es bestand Explosionsgefahr

Dort galt es, den Treibstoff aus dem Fahrzeug umzupumpen. Denn: „Es bestand absolute Explosionsgefahr“, wie Meyerl den Einsatz schildert.

In solchen Situationen komme es absolut darauf an, den Kameraden, vor allem den Führungskräften, blind vertrauen zu können. Weil im schlimmsten Fall Lebensgefahr für diejenigen besteht, die mitunter im wahrsten Sinn des Wortes durchs Feuer gehen müssen.

Lesen Sie auch:

Gefahrgut auf der A93: Aufwendige Bergungsarbeiten bei Kiefersfelden beendet

In diesem Fall mussten die Brandbekämpfer ein Loch in den Tank bohren, um an den Treibstoff zu kommen. „Auch wenn man weiß, dass man dies mit entsprechender Kühlung leicht umsetzen kann, ist man am Ende doch glücklich und stolz, wenn solch eine Operation glückt“, sagt Rosenheims oberster Brandbekämpfer.

Hilfe jenseits der Pflichtaufgaben

Und schlussendlich bestimmte selbstredend auch die Corona-Pandemie die Arbeit der Kameraden. Zum einen verteilten sie Gesichtsmasken und Schnelltests an all jene, die besonders durch den Virus bedroht waren. Dieser Part gehöre nicht zu den Pflichtaufgaben der Feuerwehr. „Aber wir haben das gerne getan und tun dies noch immer gerne“, sagt Meyerl. Nicht nur, weil er und seine Kameraden der Stadt damit Kosten sparen. Auch die Dankbarkeit für jeden Helfer in dieser Sache sei Ansporn gewesen, sich ins Zeug zu legen.

Das Gleiche gilt für den Aufbau des gemeinsamen Impfzentrums für Land und Stadt Rosenheim. „Eine Mordsherausforderung“, wie der Stadtbrandrat das Projekt umschreibt, und nichts, was in ein paar Stunden abgefrühstückt sei. Selbst bei strömenden Regen hätten die Helfer das Projekt „tadellos mitgetragen“, darunter auch Helfer anderer Organisationen.

Kommentare