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Eltern hatten sexuellen Kontakt zu Zwölfjähriger gestattet

Zu frühe Liebe

Rosenheim - Im Januar 2013 hatte der heute 19-Jährige die damals noch zwölfjährige Schülerin bei einer Party kennengelernt. Ein Freund habe ihm damals erklärt, dass er sich gerade von ihr getrennt hätte, sie sei 16 und wieder zu haben.

So berichtete es der Rosenheimer vor dem Jugendschöffengericht. Angeklagt war er nicht nur des Kindsmissbrauchs, sondern auch der vorsätzlichen und gefährlichen Körperverletzung, der Bedrohung und Nötigung.

"Dass sie gerade 13 war, habe ich erst nach einem Monat erfahren", so der Angeklagte. Die 16 Jahre hätte man ihr jederzeit geglaubt. "Ihre und meine Eltern wussten, dass wir miteinander schliefen. Sie haben uns lediglich ermahnt, auf Verhütung zu achten. Damit war ich der Meinung, mit Erlaubnis der Eltern sei alles in Ordnung", erklärte er.

Erst im Dezember 2013 will er erfahren haben, dass Geschlechtsverkehr unter 14 Jahren immer verboten ist. "Einige Male haben wir trotzdem noch weitergemacht", gestand er. Ende Januar habe er die Beziehung abgebrochen. Man habe sich danach zwar noch getroffen, aber keine sexuellen Kontakte mehr gehabt. Vier Wochen später habe man sich in seinem Zimmer zu fünft wieder getroffen und kräftig dem Alkohol zugesprochen. Nachdem zwei der Gäste gegangen waren, sei es nach Mitternacht zu einem Streit gekommen. Das minderjährige Mädchen habe die Trennung nur schwer ertragen und mehrfach mit Selbstmord gedroht, sich selber verletzt und ihm Bilder davon per Handy gesandt mit dem Hinweis, er sei daran schuld.

Da sie auf seine Vorhalte nicht eingegangen sei, habe er "drei oder vier betoniert". In der Küche habe er sie gegen die Wand gestoßen. Sie habe sich dabei am Kopf verletzt. Das sei aber nicht absichtlich geschehen. Von einer Bedrohung mit dem Messer, wie sie der dritte Anwesende schilderte, könne keine Rede sein. Auch habe er diesen weder geschlagen noch genötigt.

Nachdem der Zeuge zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von Drogen gestanden hatte, waren dessen Aussagen wenig beweiskräftig. Das Gericht stellte deshalb diejenigen Strafanträge, die auf seinen Aussagen beruhten, ein. So verblieben der verbotene Sexualverkehr und die vorsätzlichen Körperverletzungen. Da der 19-Jährige in beiden Fällen geständig war, blieb der Schülerin eine Aussage vor Gericht erspart.

In seinem Schlussvortrag erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft, im geschlechtlichen Bereich gebe es zum Schutze der Kinder Grenzen. Wenn sich diese Situation auch deutlich von kriminellen Fällen des Kindsmissbrauches unterscheide, sei es dennoch nötig, diese klaren Grenzen zu beachten. Weil schädliche Neigungen erkennbar seien, beantragte er für den Heranwachsenden eine Jugendstrafe von zwölf Monaten, die aber zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Eine Geldbuße von 500 Euro solle ihm vermitteln, dass dies kein Freispruch sei.

Verteidiger Dr. Andreas Michel stellte die Frage, ob solche strengen Altersgrenzen heute generell noch zeitgemäß seien. In einer solchen von den Eltern geduldeten Beziehung könne wohl von Missbrauch keine Rede sein. Auch die für eine Jugendstrafe erforderlichen "schädlichen Neigungen" seien nirgendwo zu sehen. Sein Mandant sei noch niemals strafrechtlich in Erscheinung getreten. Die Körperverletzung sei eine klassische, einmalige Beziehungstat gewesen. Und wenn Liebe - auch wenn sie zu früh geschieht - eine schädliche Neigung sei, dann verstehe er die Welt nicht mehr. Er beantragte, das Gericht möge wohl die Schuld aussprechen, aber, was nach dem Jugendrecht möglich ist, ohne Strafausspruch eine Bewährung verhängen. Bewährungsauflagen stellte er ins Ermessen des Gerichtes.

Der Vorsitzende Richter Hans-Peter Kuchenbaur wies alle Beteiligten darauf hin, dass geltende Gesetze jederzeit Gültigkeit haben. Da gebe es keine Interpretationsmöglichkeit. Sei ein Gesetz nicht mehr zeitgemäß, so obliege eine Veränderung dem Gesetzgeber oder dem Bundesgerichtshof. Gleichwohl handle es sich hier um einen Sonderfall, der sich von den gewöhnlichen Fällen des Kindesmissbrauchs deutlich unterscheide. Nachdem der Angeklagte geständig war, einsichtig und in keiner Weise vorbestraft, könne man es bei einem Schuldspruch wie vom Verteidiger beantragt belassen. Dem Verurteilten wird ein Bewährungshelfer zugeteilt. Er muss zudem einen Kurs besuchen, um sein Drogenproblem in den Griff zu bekommen. au

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