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VEREIN FÜR BODENSTÄNDIGE KULTUR: INSZENIERUNG VON „RONJA RÄUBERTOCHTER“

„Frieden beginnt im Kinderzimmer“

Ronja (Amelie Halle ) steht ihrem Vater Mattis (Lisa Grind) in der Trauer um einen alten Freund bei. Trost bekommt der Räuberhauptmann auch von seiner Frau Lovis (Justus Dallmer, links) und einem weiteren Räuber (Ruth Langenegger, rechts). Schlecker
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Ronja (Amelie Halle ) steht ihrem Vater Mattis (Lisa Grind) in der Trauer um einen alten Freund bei. Trost bekommt der Räuberhauptmann auch von seiner Frau Lovis (Justus Dallmer, links) und einem weiteren Räuber (Ruth Langenegger, rechts). Schlecker

Der Garten hinter der Vetternwirtschaft ist derzeit ein Räuberwald: Auf dem Programm steht mit „Ronja Räubertochter“ die letzte große Erzählung der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Der Verein für bodenständige Kultur hat diese Geschichte über Freundschaft, Menschlichkeit und Erwachsenwerden zusammen mit dem Theater „Regiealsfaktor“ mit Tiefsinn inszeniert. Die Zuschauer erwartet ein nicht alltägliches Familientheater.

Rosenheim – Astrid Lindgren revolutionierte nicht nur die Kinderliteratur, die Schwedin kämpfte auch zeitlebens für die Rechte von Kindern und für eine lebenswerte Welt. Im Jahr 1978 erhielt sie für dieses Engagement den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. In ihrer Dankesrede sagte sie: „Der Kampf um einen dauerhaften Frieden in der Welt beginnt im Kinderzimmer.“

Diesen Erziehungsauftrag nimmt die Inszenierung von „Ronja Räubertochter“ ernst. Regisseur Dominik Frank, der einige Jahre die Rosenheimer Theaterszene mit seinem Ensemble „R.I.P. Ridere in Publico“ bereichert hat, wob in die Erzählung geschickt eine politische Dimension mit ein. Das Stück spielt damit quasi auf zwei Ebenen: „Erwachsene können darin etwas anderes erkennen als die Kinder.

Oberflächlich betrachtet orientiert sich die Handlung streng an der Buchvorlage. Das Buch „Ronja Räubertochter“ kommt sogar als wichtigste Requisite zum Einsatz. Es wird daraus vorgelesen, damit gespielt und manchmal fliegt das Werk in eine Ecke. Frank verbindet mit Lindgren Revolution.

Diesem Denken verleiht das Theaterensemble schon bei der Wahl der Kleidung Gesicht. Auf T-Shirts der Mitwirkenden prangt das Antlitz der bekannten Schriftstellerin, auf anderen das Konterfei von Guerillaführer Che Guevara.

Facetten aus dem Denken Lindgrens

Dem Regisseur war es wichtig, möglichst viele Facetten aus dem Denken und Handeln der schwedischen Kinderbuchautorin in seine Inszenierung einzubauen. Lindgren beschäftigte sich viel mit Natur- und Umweltschutz. Hasen zu jagen, geht da auch für Räuber nicht, findet zumindest Dominik Frank. Lieber essen Ronja und ihr Freund Birk in seiner Fassung da schon frische Erdbeeren.

Um darüber hinaus noch dem Aspekt der jugendlichen Revolution gerecht zu werden, müssen die beiden räuberischen Teenager auf der „Mattisburg“ rauchen. Ein Bier schadet da auch nicht.

Zu Beginn der Veranstaltung bietet Ronja den Buben und Mädchen in der ersten Reihe sogar an, mit zu trinken. Wenig später stellt sie dann klar, wie schädlich Nikotin- und Alkoholkonsum sind. Selbst Gewalt und Tod werden mit einem „Pfeil“ im Hals und einem „Sterbenden“ thematisiert. Ein typisches, „pädagogisch wertvolles“ Kindertheater inmitten einer heilen Welt ist das Stück des Vereins für bodenständige Kultur darum nicht. Bei Kleinen mit zartem Gemüt können da auch Tränen kullern, wie sich bei der Veranstaltung zeigte.

Es gibt bei der rund eineinhalbstündigen Aufführung auch viel zu lachen. Dafür sorgt allein die Tatsache, dass die fünf Theaterspieler in verschiedenste Rollen schlüpfen. Mal sind sie unheimliche Rumpelwichte, dann wieder blöckende Schafe. Zwei Damen mimen Männer, ein Mann eine Frau – bei der Inszenierung ist alles möglich.

Die Hauptrolle ist mit Amelie Haller bestens besetzt. Man nimmt ihr das Kind „Ronja“ ab, dass langsam Freundschaft und Liebe entdeckt und sich immer mehr von den Eltern und deren Lebensansichten abgrenzt. Tom Kühnert mimt Birk. Auch er beweist gutes schauspielerisches Können, gerät durch das Temperament und die Bühnenpräsenz von Amelie Haller aber etwas in den Hintergrund. Weiter wirken in dem Stück Justus Dallmer, Lisa Grinda und Ruth Langenegger mit.

Garten dient als Kulisse

Der Garten hinter der Vetternwirtschaft dient als Kulisse. Viel mehr braucht es nicht, um die Handlung um Räubertochter Ronja zum Leben zu erwecken. Einzige größere technische Raffinesse ist der Bühnenboden. Er lässt sich zum „Höllenschlund“ auseinanderziehen.

Weitere Termine von „Ronja Räubertochter“ sind morgen, Freitag, 8. Juli, um 20.30 Uhr, Samstag, 9. Juli um 15 und 20.30 Uhr, Sonntag, 10. Juli, um 15 Uhr, Dienstag, 12. Juli, um 20.30 Uhr, Donnerstag, 14. Juli, um 20.30 Uhr und am Sonntag, 17. Juli um 15 Uhr. Kartenreservierung ist möglich per E-Mail bis 48 Stunden vor der Aufführung an booking@vfbk.net, per Telefon unter 0 80 31/4 43 45 während der Öffnungszeiten der Vetternwirtschaft (Dienstag, Donnerstag und Freitag ab 19 Uhr) oder etwa zwei Stunden vor den Vorstellungen.

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