Neuer „Freundeskreis“ will die Kirchenmusik durch die Corona-Krise retten

Ein Bild, das vor der Corona-Krise entstanden ist: Neben den Erwachsenenchören gibt es in den drei Kirchen der Kirchengemeinde Rosenheim auch Posaunen- und Blockflötenensembles sowie Kinderchöre. Diese sollen ebenfalls vom „Freundeskreis Evangelische Kirchenmusik Rosenheim“ profitieren.
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Ein Bild, das vor der Corona-Krise entstanden ist: Neben den Erwachsenenchören gibt es in den drei Kirchen der Kirchengemeinde Rosenheim auch Posaunen- und Blockflötenensembles sowie Kinderchöre. Diese sollen ebenfalls vom „Freundeskreis Evangelische Kirchenmusik Rosenheim“ profitieren.
  • vonKilian Schroeder
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Weil kirchliche und öffentliche Mittel für die Kultur geringer werden, bedarf es einer weiteren finanziellen Stütze, um die positive Entwicklung der Kirchenmusik zu sichern. Das jedenfalls sagt Dekan Johannes Eppelein. Jetzt scheint eine Lösung gefunden.

Rosenheim – „Kirchenmusik ist ein essenzieller Bestandteil des kulturellen Lebens in Rosenheim“, sagt Johannes Eppelein. Der Kantor für das Dekanat und die Kirchengemeinde Rosenheim weiß, wovon er redet. Er leitet verschiedene Ensembles der evangelischen Kirche in der Stadt. Doch die Unterstützung dieser Gruppen sei schwieriger geworden. Deshalb gibt es jetzt den „Freundeskreis Evangelische Kirchenmusik Rosenheim“.

150 Personen in zehn Ensembles

„Viele lassen sich von der Kirchenmusik ansprechen und so für die Kirche begeistern“, sagt Eppelein. Neben den Erwachsenenchören gibt es in den drei Kirchen der Kirchengemeinde Rosenheim auch Posaunen- und Blockflötenensembles sowie Kinderchöre. Insgesamt musizieren an die 150 Personen in zehn verschiedenen Ensembles in der Kirchengemeinde. Dazu kommen noch die festen Orgeln in der Erlöser-, der Apostel- und der Versöhnungskirche. Sie alle untermalen den Gottesdienst, geben aber auch Konzerte mit Gastmusikern und Solisten. „Und das kostet alles Geld. Ohne neue Unterstützung ist dieses Angebot sonst nicht mehr leistbar“, sagt Eppelein.

Eigenständige finanzielle Stütze

Das will der „Freundeskreis Evangelische Kirchenmusik Rosenheim“ verhindern. Als eigenständige finanzielle Stütze soll der Förderkreis bisherige Töpfe und Zuschüsse mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen ergänzen. „Von der Kirche muss man mit der Zeit weniger Geld erwarten“, sagt Eppelein. Da die Austrittszahlen steigen, sei weniger Geld übrig für die Kirchenmusik in den Gemeinden. „Die Kirche ist auch ein Wirtschaftsunternehmen.“

8000 Euro für den Orgelneubau fehlen

Aufgekommen ist die Idee für den Freundeskreis vor einem Jahr. In der Versöhnungskirche in Rosenheim stand ein Orgelneubau an, der noch eine Finanzierungslücke hat. Insgesamt fehlen noch circa 8000 Euro. Da sich ein reiner „Orgelbauverein“ aber laut Eppelein nicht gelohnt hätte, startete das Projekt „Freundeskreis“. Zuerst soll mit den Spenden und Jahresbeiträgen der Mitglieder die Orgel abbezahlt und dann die anderen Ensembles unterstützt werden – die, das betont Eppelein, auch unter der Corona-Krise leiden.

„Das Singen macht Spaß“

Bianca Stein-Stefan, Leiterin der Volkshochschule, singt selbst im Chor der Erlöserkirche. Sie schätzt vor allem die professionelle Arbeit: „Die Werke, die wir singen, sind ziemlich anspruchsvoll, wir müssen das wirklich lernen“, sagt die Sopranistin. „Aber wir werden gut angeleitet, da macht das Singen Spaß.“

Nicht nur religiöse Menschen sollen sich engagieren

Bei kleineren Budgets werde oft am kulturellen Bereich gespart, dabei sei sie in der Krise besonders wichtig. „Ich denke, das macht uns Menschen aus.“ Im Freundeskreis sollten sich deshalb auch Personen engagieren, die vielleicht nicht religiös sind, aber eine Affinität zur Musik haben.

Geld soll transparent eingesetzt werden

Das Geld soll transparent eingesetzt werden. „Natürlich geht es darum, Gastmusiker und Solisten zu bezahlen, Noten zu besorgen oder Instrumente instand zu halten“, sagt Eppelein. Konkret geht es unter anderem um ein neues E-Piano, eine neue Fahne für den Posaunenchor oder darum, ein Video mit dem Jugendchor „Apostelsingers“ zu produzieren.

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Besonders die Kinder- und Jugendensembles liegen ihm am Herzen. „Für Jugendliche ist so etwas ganz wichtig, die Gemeinschaft kann viel zur Persönlichkeitsbildung beitragen. Hier wollen wir auch mal einen Chorpulli kaufen, eine professionelle Aufnahme produzieren oder einfach zusammen wegfahren.“

Spenden kommen Publikum zugute

Etwa 30 Mitwirkende haben an der Gründungsfeier des Freundeskreises teilgenommen. Bis zum Jahresende sind noch acht Konzerte geplant. Die Spenden über den Freundeskreis sollen dabei auch indirekt dem Publikum zugutekommen. „So können die Eintrittspreise in einem erschwinglichen Rahmen gehalten werden“, sagt Eppelein. Bisher kosten die Eintrittskarten etwa 20 Euro. „Wenn sich die Konzerte über die Eintritte selbst tragen sollten, müssten die Eintritte zwei- bis dreimal so hoch sein. Dafür wäre wohl kaum ein Zuhörer bereit.“

Jahresmindestbeitrag von 30 Euro

Die Mitglieder des „Freundeskreis Evangelische Kirchenmusik Rosenheim“ entrichten einen Jahresmindestbeitrag von 30 Euro. Dafür erhalten sie eine Spendenquittung sowie Infos über die kommenden Veranstaltungen. Außerdem soll es jährlich eine Förderkreisveranstaltung geben.

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