Gericht spricht Handwerker vom Vorwurf der Vergewaltigung frei

Freispruch erster Klasse

Rosenheim - Mit nicht unter einem Jahr Gefängnis wird der Täter einer Vergewaltigung bestraft. Es ging also um viel bei dem Verfahren vor dem Schöffengericht gegen den Schreiner aus Marokko, der seit 2013 mit seiner bayerischen Ehefrau in Rosenheim lebt.

Er berichtete, dass die Anzeigeerstatterin in Wirklichkeit ihn "angebaggert" hatte und sich immer wieder mit ihm in Kontakt gesetzt habe. Er sei glücklich verheiratet, mit seiner Frau seit neun Jahren zusammen, und er habe an der jungen Frau kein Interesse gehabt. Für ihn sei lediglich wichtig gewesen, in Rosenheim bald in Arbeit und Brot zu kommen. Aber zunächst musste er einfach die deutsche Sprache erlernen.

"Die Frauhat

mich bedrängt"

Kennengelernt hatte er die 30-jährige Frau zusammen mit seinen Mitschülern im Deutschkurs. An dem besagten Tag habe er einen Termin mit einem Freund gehabt. Er sei auf die junge Frau getroffen, die ihn unbedingt habe begleiten wollen. Er habe noch eine Bekannte aus dem Sprachkurs angerufen, ob diese nicht mitkommen würde, denn er habe nicht mit der Frau alleine sein wollen. Die hätte dazu aber leider keine Zeit gehabt. In der Wohnung des Freundes habe die Frau ihn dann bedrängt, und als die beiden anderen Freunde zum Einkaufen für ein Abendessen gegangen seien, hätte sie ihm Geschlechtsverkehr angetragen, ja ihm in die Hose gegriffen. Kurze Zeit, nachdem die Freunde zurückgekommen waren, habe er sich verabschiedet. Die 30-Jährige sei noch dageblieben.

Angebliches Tatopfer steht unter Betreuung

Erstaunen gab es im Gerichtssaal, als das angebliche Tatopfer in Begleitung ihrer amtlichen Betreuerin erschien. Die Tatsache, dass sie unter staatlicher Betreuung stand, war vorher niemandem bekannt gewesen.

Als Zeugin berichtete sie nun, dass sie seit vielen Jahren unter Depressionen leide, deshalb auch in therapeutischer Behandlung sei, unter anderem, weil sie in ihrer Jugend bereits einmal einen sexuellen Missbrauch habe erleiden müssen. In ihrer Zeugenaussage schilderte sie den Tathergang genau umgekehrt. Der 32-jährige Angeklagte sei, nachdem die beiden anderen die Wohnung verlassen hatten, über sie hergefallen, habe sie im Schlafzimmer auf das Bett geworfen, sich entkleidet und auf sie geworfen. Er hätte versucht, ihr mit Gewalt die Hose auszuziehen, was ihm aber nicht gelungen sei. Nach einigem Gerangel hätte sie aus dem Schlafzimmer flüchten können. In der Küche hatte sie dann auf die Rückkehr der beiden anderen Männer gewartet. Sie selber sei dann zum Essen geblieben und gegen 20 Uhr wieder nach Hause zurückgekehrt.

Weil ihre Angaben in vielen Details widersprüchlich waren, hinterfragten die Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler und der Verteidiger, Rechtsanwalt Rolf Asmus, hartnäckig Uhrzeiten, Verzehr und Geschehensabläufe. Dabei stellte sich heraus, dass sie etliche Orte und Daten entweder verwechselte oder sich auch gar nicht mehr daran erinnern konnte. Selbst bei der Hinterfragung des angeblichen früheren Missbrauchs kamen Zweifel auf, ob dieser real oder eingebildet gewesen war.

Vorwurf war nicht aufrecht zu erhalten

Als dann eine Zeugin die Aussagen des Angeklagten im Vor- und Nachtatgeschehen rundum bestätigte, wurde deutlich, dass der Vorwurf gegen den Angeklagten nicht aufrecht zu erhalten war. Das Gericht verwies auf weitere Zeugen, da es offensichtlich war, dass die junge Frau nicht nur bretreuende, sondern auch medizinische Hilfe benötigte.

Die Staatsanwältin erklärte in ihrem Schlussvortrag, dass die Anzeigeerstatterin möglicherweise ihre Befürchtungen und Lebensprobleme auf den Angeklagten projiziert hat und so subjektiv zu einer solchen Einschätzung gekommen war. Sie beantragte Freispruch.

"Fiktion und Erleben durcheinander"

Der Verteidiger erklärte in seinem Plädoyer, es gäbe nicht nur Zweifel an der Schuld seines Mandanten. Auf Grund der Beweiserhebung sei fraglos zu Tage gekommen wessen Aussagen realistisch seien. Die junge Frau habe fraglos Fiktion und Erleben durcheinandergebracht. Sein Mandant sei freizusprechen.

So urteilte auch das Gericht. Alleine der persönliche Eindruck habe bereits Zweifel geweckt. Die Aussage der neutralen Zeugin habe jedoch auch die letzten Zweifel ausgeräumt. Das Gericht unterstellt der Frau keine böse Absicht, doch sei ihr dringend anzuraten, die psychiatrische Therapie weiter fortzusetzen, gegebenenfalls zu intensivieren.

Der Freigesprochene dankte schließlich noch von Herzen seiner Frau, die immer zu ihm gehalten hatte. au

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