IN ALTEN ZEITUNGSBÄNDEN GEBLÄTTERT

Weg frei für Kaufhaus-Umbau

In der Münchener Straße, der „kleinen Fußgängerzone“, präsentiert sich der Gillitzerblock optisch so wie er 1897 gebaut wurde. Doch nur das Haus mit der Nummer 4 (vorne im Bild) ist noch komplett. Hinter den Fassaden der Häuser Nummer 6 und 8 befinden sich moderne Karstadt-Verkaufsräume. Vor 25 Jahren genehmigte die Regierung von Oberbayern den Abriss der Häuser, mit der Auflage, dass die Fassaden erhalten bleiben. Biebel-Neu
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In der Münchener Straße, der „kleinen Fußgängerzone“, präsentiert sich der Gillitzerblock optisch so wie er 1897 gebaut wurde. Doch nur das Haus mit der Nummer 4 (vorne im Bild) ist noch komplett. Hinter den Fassaden der Häuser Nummer 6 und 8 befinden sich moderne Karstadt-Verkaufsräume. Vor 25 Jahren genehmigte die Regierung von Oberbayern den Abriss der Häuser, mit der Auflage, dass die Fassaden erhalten bleiben. Biebel-Neu

Ein Blick zurück in die Vergangenheit sagt viel über die Entwicklung einer Stadt und die Sichtweise früherer Generationen. Vieles wiederholt sich auch in verblüffender Weise. Wir haben deshalb in alten Zeitungsbänden geblättert und präsentieren in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Dinge aus bestimmten Jahren. Heute geht es um die Zeit vom 1. bis 14. Januar.

Rosenheim – „Bekanntlich ging der altbekannte Gasthof ,König Otto von Griechenland‘ vor kurzem von der langjährigen Besitzerin Frau Antretter käuflich an die Löwenbrauerei in München über. Frau Antretter, eine tüchtige Geschäftsfrau, tritt mit dem heutigen Tage von der Leitung des Gasthofes zurück.“

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„Sandstreuen nicht vergessen! Gestern Abend kam an der Ecke Max-Josefs-Platz-Prinzregentenstraße eine Dame zu Fall und brach sich den Fuß beim Knöchel zweimal. Dieser Fall ist wieder eine dringende Mahnung an die Hausbesitzer, die Gehsteige mit Sand zu bestreuen, wenn sie sich nicht Schadenersatzansprüchen aussetzen wollen. Man muß sich überhaupt wundern, wie sorglos man in dieser Hinsicht ist.“

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„Tragischer Todesfall. Auf der Fürstätter Eisenbahnüberfahrt wurde Frau Frieda Schuster aus der Kunstmühlstraße von einem auf dem Bahnkörper arbeitenden italienischen Gefangenen angebettelt. Von Mitleid ergriffen warf sie über die Brücke dem Bettelnden ein Stück Brot zu. Diesen Vorfall bemerkte der Aufsicht führende Bahnbedienstete, der ihr energischen Vorhalt machte. Um einer Anzeige zu entgehen, lief die schwer herzleidende Frau noch bis zur Auerbrauerei, wo sie vom Herzschlag getroffen tot zusammenbrach. Die auf so tragische Weise aus dem Leben Geschiedene, deren Mann im Felde steht, stand im 31.  Lebensjahre. Sie hinterläßt drei unmündige Kinder.“

„Kaiser-Lichtspiele eingestellt. Das Kinosterben in Rosenheim geht weiter. Zum Jahresanfang haben die Kaiser-Lichtspiele ihre Pforten geschlossen. Wie wir von den Besitzern des Filmtheaters erfuhren, ist auf keinen Fall mehr an eine Wiedereröffnung gedacht. Nach den Prinzregenten-Lichtspielen und der „Kurbel“ hat damit eines der ältesten und größten Rosenheimer Kinos zugesperrt. Was aus dem Kinosaal wird, an den sich viele Rosenheimer noch aus der Zeit des Hotels „Deutscher Kaiser“ im Gillitzerblock erinnern, steht noch nicht endgültig fest. Soweit wir informiert wurden, sind Verhandlungen mit einem Großkaufhaus im Gange.“

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„Rechtsanwalt Sigmund Adam hatte Redaktionen mehrerer deutscher und österreichischer Zeitungen zu einer Pressekonferenz über die Vorgänge eingeladen, die unter dem Sammelbegriff „Der Spuk von Rosenheim“ bekannt geworden sind. Gravierend daran ist die Tatsache, daß hier gründlichste technische Untersuchungen vorgenommen worden sind. Somit besteht kein Zweifel darüber: Die von zahlreichen ernsthaften Zeugen wahrgenommenen Vorfälle wurden nicht von mechanischen Kräften ausgelöst. Deshalb kann mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit der Schluß gezogen werden, daß die mysteriösen Ereignisse von einer menschlichen Kraft ausgelöst worden sind. In der Rechtsanwaltskanzlei Adam war das in Betracht kommende Mädchen schon zwei Jahre beschäftigt, ehe die ersten auffälligen Ereignisse eintraten. Sicherungen flogen aus der Fassung, an Telefonapparaten traten Störungen auf, aufgehängte Neonleuchten fielen mit solcher Kraft zu Boden, daß die Glassplitter Schäden in der Wand zurückließen. Die Nervenbelastung für die Wohnungsinsassen und das Kanzleipersonal wurde schließlich so unerträglich, daß Abhilfe geschaffen werden mußte. Die betreffende Büroangestellte, ein 20-jähriges Mädchen, ging in Urlaub. Die Erscheinungen setzten bis auf einige wenige Ausnahmen aus. Es ging noch einmal eine Schublade mit Portokasse mehrmals hintereinander von selbst auf.“

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„Ende März findet mit einer größeren Feier die offizelle Einweihung des neuen Rosenheimer Schwerpunktkrankenhauses statt. Die über 40 Ärzte in diesem Haus können jetzt mehr und in vielen Fällen besser helfen. Sie eröffnen Behandlungsmöglichkeiten, die es in den beiden alten Krankenhäusern nicht gegeben hat. Davon überzeugten sich Stadtrat und Presse bei der Besichtigung des 52-Millionen-Mark-Projekts. Das neue Krankenhaus enthält 751 Krankenbetten. Zehn Aufzüge – im alten städtischen Krankenhaus an der Ellmaierstraße, das in einen repräsentativen Neubau verwandelt worden ist, gab es nur einen, im Loretokrankenhaus überhaupt keinen – und eine Rohrpostanlage vervollständigen das eindrucksvolle Bild.“

„Die angeblich beliebte Bastelei der Opel-Manta-Fahrer, ihr Auto durch einfaches Kürzen der Federn tieferzulegen, ist bei Umgehungsstraßen, zumal in Feuchtgebieten, ein sehr teurer Spaß. Das ergab eine Untersuchungen des Gutachterbüros Dr. Brenner & Münnich, die dem Verkehrsausschuß am Sitzungstag frisch vorgelegt und von den Gutachtern erläutert wurde. Man könne die Trasse Panorama-Schwaig im Kreuzungsbereich mit der Mangfallstraße höchstens zwei Meter tieferlegen, ohne Eingriffe ins Grundwasser zu riskieren. Das brächte aber nicht die gewünschte Lärmschutzwirkung.“

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„Weg frei für Kaufhaus-Umbau. Die Regierung von Oberbayern hat jetzt den Abriß der Karstadt-Häuser Münchener Straße 6 und 8 genehmigt, lediglich die Fassaden müssen erhalten werden, dahinter wird neu gebaut. Der Einspruch des Landesamtes für Denkmalpflege, den Trakt rechts von der Passage mitsamt dem Treppenhaus zu erhalten, ist damit abgelehnt. Nun steht dem Bauvorhaben des Essener Kaufhauskonzerns – Größenordnung 100 Millionen Mark – nichts mehr im Wege. Kleiner Trost für das Landesdenkmalamt: Das Haus Nummer 4 gehört nicht zum Karstadt-Kontingent; es bleibt letzter Zeuge einer vergangenen Epoche.“ re

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