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Rainer Schießler ist Moderator bei „Ganz großes Kino“

„Das fasziniert mich an Forrest Gump“: Münchens bekanntester Pfarrer kommt nach Rosenheim

Findet Hinterfragen wichtig: Pfarrer Rainer Schießler führt am Samstag durch die Veranstaltung „Ganz großes Kino“, die der Chorkreis St. Quirinus organisiert hat.
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Findet Hinterfragen wichtig: Pfarrer Rainer Schießler führt am Samstag durch die Veranstaltung „Ganz großes Kino“, die der Chorkreis St. Quirinus organisiert hat.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Rosenheim – Unter dem Motto „Ganz großes Kino“ findet am Samstag, 28. Mai, ein Experiment zwischen Religion und Kultur in der Christkönig Kirche statt. Durch den Abend führt der Münchner Pfarrer Rainer Schießler. Ein Gespräch über Helden, Forrest Gump und Zweifel an der Kirche.

Star Wars, Herr der Ringe oder Apollo 13: Für welchen Film würden Sie sich entscheiden und warum?

Rainer Schießler: „Nur Apollo 13. Star Wars sind mir einfach zu viele Teile und ich mag das Fantasy-Genre nicht so sehr. Ich mags lieber real. Bei Herr der Ringe habe ich mehrere Anläufe genommen, den Film anzuschauen, ich habe es nicht geschafft. Die Chemie zwischen uns, also dem Film und mir war einfach nicht da. Vielleicht bin ich nicht der Typ für diesen Film.“

Welcher Filmheld wären Sie gerne?

Schießler: „Am liebsten keiner. Nicht einmal im Leben möchte ich Held sein. Da bin ich ganz Christ: Bei Jesus und seinen Nachfolgern braucht es kein Heldentum, sondern einzig und allein Vertrauen. Das unterscheidet die Jünger von billigen Eiferern oder plumpen Fans. Ich brauche keine Helden, dafür liebe ich die Wahrheit zu sehr. Und wenn Helden, dann nur die des Alltags, Menschen, die unglaubliches schaffen in der Erziehung, in der Pflege, im Aushalten einer Krankheit. Die sollen mir Vorbild sein.“

Welche Gemeinsamkeiten haben Sie mit Forrest Gump?

Schießler: „Also das schnelle Laufen mit Sicherheit nicht! Die Liebe zu Pralinen schon eher. Doch ich würde sagen, die uneingeschränkte Offenheit, das Herz und seine Gefühle auf der Zunge zu tragen, auch wenn es manchmal naiv wirken könnte. Das fasziniert mich an Forrest Gump, dass er seine Gefühle nicht zurückhält. Dafür bewundere ich ihn. Und seine unbändige Freude, wenn etwas Spaß macht! Das Leben soll genau so sein.“

Welchen Kinofilm haben Sie zuletzt gesehen?

Schießler: „Ich glaube, „Grüner wirds nicht mehr“ war glatt der letzte, aber ein ganz besonderer Film mit Elmar Wepper und Monika Baumgartner.“

Inwieweit gibt es Parallelen zwischen den großen Melodien der Kinogeschichte und den Erzählungen des Alten Testaments?

Schießler: „Es sind epische Momente. Was die Sprache der Bibel mit großen Worten beschreibt, schafft die Musik mit Tönen. Darum kommt ein Film auch nicht ohne Musik aus, außer die Leute reden ständig. Selbst billige Actionkrimis werden heute dauerberieselt. Echte Filmmusik aber erzählt, malt Bilder – wie die Bibel.“

Welches letzte Ereignis hat Sie so richtig berührt?

Schießler: „Mich berührt so vieles jeden Tag. Sei es meine fast erwachsene, geistig gehandicapte Ministrantin, die voller Würde und innerer Zufriedenheit neben mir im Altarraum sitzt und die ich mit der Hand die Stufen zum Altarraum hinaufbegleite. Oder meine blinde Lektorin, die uns die Lesung am Sonntag voller Inbrunst mittels Blindenschrift vorträgt. Aber auch der Ukraine-Krieg: Die Bilder aus der Entbindungsstation in Mariupol von Raketenwerfern, die vor den Toren von Kiew unentwegt ihre tödliche Munition abfeuern oder wie die kleine Amelia das Lied „Let it Go“ aus dem Disney-Film „Frozen“ im Luftschutzbunker singt. Niemand kann da nicht weinen.“

Es führt fast kein Weg an der Frage vorbei. Deshalb: Gab es nach dem Missbrauchsgutachten Momente, in denen Sie die Institution Kirche hinterfragt haben?

Schießler : „Nicht nur danach, sondern immer schon, auch davor. Das Hinterfragen ist wichtig und überlebenswichtig für die Kirche. Kirche ist nie fertig, sie ist immer im Werden und im Prozess. Ein Blick in die Geschichtsbücher genügt. Wer meint, Kirche ist fertig, hat sich verrechnet. Kirche ist nie abgeschlossen. Nur weil es dieses Hinterfragen immer schon gegeben hat, auch bereits in biblischen Zeiten, siehe Apostelgeschichte, gibt es sie auch heute noch. „Nur wo Widerspruch sich regt, wird in der Welt Neues bewegt!“, lautet ein Kapitel aus meiner Schießler-Bibel zum Text in der Apostelgeschichte 6, 1 bis 4 und die Auseinandersetzungen in der Urgemeinde. Genau dieses Verhalten der ersten Christen müssen wir uns zum Vorbild machen.“

Hinterfragen führt aber auch zu Zweifeln.

Schießler: „Und was bleibt am Ende eines Zweifels? Selbstauflösung? Nicht weil ich ein Pfarrer bin, sondern durch Taufe und Firmung ein vollwertiges Kirchenmitglied: Niemand behauptet, dass Kirche perfekt sei. Zweifel, Verwunderung, bitte, gerne, aber Davonlaufen? Niemals. Ich kann mich doch nicht abwenden, wenn jemand Hilfe braucht! Und diese Kirche braucht Hilfe und zwar mich und dich. Sie ist kein Selbstzweck, sondern wir sind sie selbst. Mich treibt das Ganze nur noch mehr an.“

Wie kann die katholische Kirche Ihrer Meinung nach lebensnaher werden?

Schießler : „Ganz nah beim Menschen sein, was sonst. Liebe im Sinne Jesu braucht unmittelbare Nähe. Ein Spruch lautet: Liebe funktioniert nur mit viel Wasser und hohen Mauern. Das bedeutet, wenn Ozeane und dicke Wände uns trennen, kann ich leicht von Liebe reden. Aber was, wenn die plötzlich weg sind und der Nächste vor meiner Tür steht? Die Geflüchteten überwinden das Meer, wenigstens die, die nicht ertrinken. Und jetzt? Lieben wir sie, jetzt wo sie da sind? Wir müssen uns mit dem Menschen wieder versöhnen lernen. Kirche muss ganz neu mit der Sexualität des Menschen versöhnt werden nach über 1000 Jahren falscher Auslegung dieser Grundeigenschaft des Menschen. Gott darf nicht verdinglicht und vereinnahmt werden, sondern er ist frei, unabhängig, ein Gott des Lebens für alle! Wer bitte sagt das jetzt einem russischen Patriarchen Kyrill I, der sich zum Handlanger Putins macht? Wäre eigentlich der Job meines Papstes, oder?“

Ob fiktiv oder real, oft liegen mehrere tausend Jahre – und zumeist ganze Welten – zwischen Star Wars, Herr der Ringe oder Apollo 13 und dem Alten Testament. Und doch treffen sie alle den gleichen Nerv und berühren auf ähnliche Art und Weise. In einem außergewöhnlichen Konzerterlebnis werden faszinierende Parallelen zwischen den großen Melodien der Kinogeschichte und den Erzählungen des Alten Testaments gezogen. Es sind Geschichten des Lebens, die bis heute nicht an Relevanz und Kraft verloren haben. Erzählerisch begleitet und eingeordnet vom Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler – mit Werken aus „Apollo 13“, „Game of Thrones“, „King Dave“, „James Bond“, „Herr der Ringe“, „Forrest Gump“, „Star Wars“ und „Eiskönigin“. Die Veranstaltung, organisiert vom Chorkreis St. Quirinus, findet am Samstag, um 20 Uhr, in der Christkönig Kirche statt. Tickets gibt es unter www.tickets.chorkreis.net.

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