Fenster für die Lerche

Mysteriös und fantasieanregend wie die berühmten Kornkreise wirken diese Aussparungen in einem Kolbermoorer Maisfeld. Die Erklärung ist aber ganz einfach. Es handelt sich um sogenannte "Lerchenfenster", mit denen die Bedingungen vor allem für die Feldlerchen verbessert werden sollen. Foto Schellmoser
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Mysteriös und fantasieanregend wie die berühmten Kornkreise wirken diese Aussparungen in einem Kolbermoorer Maisfeld. Die Erklärung ist aber ganz einfach. Es handelt sich um sogenannte "Lerchenfenster", mit denen die Bedingungen vor allem für die Feldlerchen verbessert werden sollen. Foto Schellmoser

Aussparungen im Feld, sogenannte Lerchenfenster, sollen die Bedingungen für die Feldlerche und andere Vögel spürbar verbessern. In Kolbermoor hat der Verwalter der staatlichen Versuchsstation Karolinenfeld solche Lerchenfenster in einem Maisfeld angelegt.

Kolbermoor - Anton Deutinger ist damit einer Empfehlung des Bayerischen Bauernverbands und des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern gefolgt und hat bei der Aussaat immer wieder die Sämaschine für einige Meter angehoben. So sind kleine, künstliche Störstellen entstanden. Diese in Großbritannien entwickelten Lerchenfenster müssen in ausreichendem Abstand zu Fahrspuren, zum Feldrand, Gebäuden und Sitzwarten von Greifvögeln liegen. Auf den freigelassenen Stellen wächst kein Getreide, die Fenster bleiben kahl.

Die etwa 20 Quadratmeter großen Fenster sollen den Bruterfolg der Lerche deutlich erhöhen, wirken sich aber auch positiv auf viele andere Feldtiere wie das Rebhuhn und den Feldhasen aus. Der Ernteausfall für die Landwirte ist mit wenigen Euro pro Hektar niedrig und der Arbeitsaufwand gering. Bei den weiteren Arbeitsgängen wie Düngen und dem Aufbringen von Pflanzenschutzmitteln können die Stellen wie der restliche Bestand behandelt werden.

Ob tatsächlich Lerchen in dem Maisfeld der Versuchsstation in Kolbermoor nisten, sei nicht erkennbar, auch nicht aus der Luft, sagt Deutinger. Die Vögel bauen ihre Nester nicht direkt auf dem freien Platz, sondern versteckt im Getreide. Die Fenster sind für sie lediglich willkommene Landebahnen. Hier suchen sie ihre Nahrung und laufen in den Bestand, wo sie Nester in der Nähe der Fenster anlegen. Nachschauen möchte Deutinger nicht. Sollten tatsächlich Lerchen im Feld brüten, möchte er sie nicht stören.

Die Feldlerche ist die bekannteste Vogelart der offenen Kulturlandschaft. Mit ihrem trillernden Gesang zählt sie zu den ersten Frühlingsboten in der Feldflur. Doch ihre Stimme ist heute vielerorts immer seltener zu hören. Auf der Roten Liste der Brutvögel sowohl Deutschlands als auch Bayerns wird die Feldlerche mittlerweile als gefährdet geführt. Als Grund für den Rückgang sehen Vogelschützer auch den zu geringen Bruterfolg, der unter anderem auf nicht genügend geeignete Brutplätze im Wintergetreide zurückzuführen ist. Wintergetreide wird früher dicht als das Sommergetreide, so dass die zum Bestandserhalt dringend benötigte zweite oder sogar dritte Brut für die Feldlerche nicht immer möglich ist. Hinzu kommt, dass im Verlauf der Brutzeit immer mehr Nester an Fahrspuren oder Wegrändern angelegt werden, weil die Lerchen offene Stellen zum Einfliegen brauchen. Dort werden die Gelege jedoch häufig von Raubtieren gefunden und geplündert.

Der Verwalter der Versuchsstation Karolinenfeld hat in diesem Jahr erstmals Lerchenfenster angelegt. Stolz ist er auch auf Blühstreifen am Feldrand mit verschiedenen Kräutermischungen und Sonnenblumen.

Das staatliche Gut bei der Moorkultur am westlichen Ortsrand von Kolbermoor lag früher auf Großkarolinenfelder Gebiet und hieß auch entsprechend. Mit der Gebietsreform von 1972 kam es zu Kolbermoor. Um an den alten Namen zu erinnern, aber keine Verwirrung zu stiften, wurde der Name in "Versuchsstation Karolinenfeld" geändert. Für die Rosenheimer ist dort ein beliebtes Naherholungsgebiet zum Joggen, Radfahren und Spazierengehen.

Das Versuchsgut gehört zur Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), dem Wissens- und Dienstleistungszentrum für die Landwirtschaft in Bayern. Die Forschung der LfL greift auf sieben Versuchsgütern in Bayern Fragestellungen aus der Praxis auf. In Kolbermoor liegen die Schwerpunkte auf der Jungrinderaufzucht, bei Haltungs-, Zucht- und Fütterungsversuchen bei Rindern und bei Grünlandversuchen. re

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