Die FDP wünscht sich eine größere Fußgängerzone in Rosenheim - Antrag im Stadtrat

  • Ilsabe Weinfurtner
    vonIlsabe Weinfurtner
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Das Quartier „Altstadt Ost“ in Rosenheim hat sich herausgeputzt in den vergangenen Jahren. Nun gibt es die Idee, einen Teil zur Fußgängerzone umzugestalten. FDP-Stadträtin Maria Knott-Klausner hat einen entsprechenden Antrag vorgelegt. Ihm vorausgegangen sei eine mehrmonatige Recherche, sagt sie.

Rosenheim - Schon heute sind Teile der Altstadt-Ost als verkehrsberuhigte Zone ausgewiesen. Insbesondere im Auge hat Maria Knott-Klausner die Färberstraße, den Ludwigsplatz, die Adlzreiterstraße und die Weinstraße. Sie alle könnten zur Fußgängerzone gemacht werden, schlägt sie in ihrem Schreiben an Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) vor und fordert die Entwicklung eines Konzepts.

Verkehrssünder nerven Anwohner

Zur Begründung ihres Antrags führt sie diverse Verkehrsprobleme an: In der Färberstraße würden Autofahrer auf Parkplatzsuche für Belastung sorgen. Zudem werde von der Färberstraße zum Ludwigsplatz sowie für die Weinstraße und die Adlzreiterstraße immer wieder das abendliche Durchfahrtsverbot missachtet. Autoposer, zugestellte Anliegerparkplätze und das Parken in Halteverbotszonen erschweren laut Knott-Klausner die Situation zusätzlich. Wie sie schreibt, gibt es „große Beschwerden“ von den Anliegern und Gästen. Über Wochen habe sie immer wieder mit Menschen im Quartier gesprochen und dabei viel Kritik an der Situation gehört – und gleichzeitig Zustimmung für ihre Idee erhalten.

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Unterstützung etwa bekommt sie von Franz Kroiss (64). Er wohnt an der Weinstraße, hat viele Jahre das „Arte e vino“ betrieben und vermietet dort zudem Wohnraum. Kroiss ärgert sich über den vielen Verkehr in der Straße. Besonders schlimm sei das im Sommer, sagt er. Denn dann führen die Autos viel zu nah an der Außenbestuhlung der Lokale vorbei, noch dazu mit überhöhter Geschwindigkeit. Dazu käme vor allem an Wochenenden „der infernalische Lärm“ feiernder Jugendlicher, insbesondere an der Adlzreiterstraße. „Wir haben unser Schlafzimmer zur Straße raus. An Schlaf ist da nicht zu denken“, sagt Kroiss, und erzählt, dass viele der jungen Leute nicht in den Lokalen feierten, sondern mit dem Auto vorführen, um dann die Musik aufzudrehen und im eigenen Wagen zu feiern.

Angesichts dieser Umstände begrüßt Kroiss den Vorstoß von Maria Knott-Klausner. Auch weil sein Herz am Quartier hängt. Da habe sich viel getan, sagt er. Allein schon die Weinstraße sei „eine tolle Straße“, an der oft „norditalienisches Flair“ herrsche.

Ein Quartier mit Aufwärtstrend

Auch Christian Hörmann lobt die Altstadt-Ost. Der Büroleiter der „CIMA Beratung + Management GmbH“ in München spricht von einem Viertel, das sich „schön verändert“ habe, „ins Positive“. Die CIMA begleitet die Entwicklung Rosenheims, hat im Auftrag der Stadt ein Einzelhandels- und Flächenentwicklungskonzept erarbeitet. Hörmann kennt die Stadt nach eigener Aussage gut. Den Verkehr in der Altstadt-Ost habe er bisher als „nicht so störend“ wahrgenommen. Allerdings liege das ja „im Auge des Betrachters“.

Wer dort wohne, fühle sich vermutlich mehr gestört, sagt er. Ob eine Fußgängerzone der richtige Weg sei fürs Viertel? Das, sagt Hörmann, müsse man prüfen, könne und wolle er nicht direkt und pauschal beantworten. Sinnvoll sei es, zunächst einmal die Belange aller Betroffenen festzustellen, zu untersuchen und zu bewerten.

Stellplätze an der Weinstraße sind knapp

Anwohner, Verkehrsteilnehmer, Gastronomie-Betreiber sowie Vertreter von Stadt und Polizei müssten gleichermaßen zu Wort kommen. Erst dann sei das passende Mittel zur Veränderung zu wählen. Statt einer Fußgängerzone könne dies eventuell eine Spielstraße sein. Vielleicht aber genüge es auch, Lösungen fürs Parken im Quartier zu entwickeln.

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Wie knifflig die Situation in Sachen Parken ist, weiß Franz Kroiss, der Weinstraßen-Anwohner und Vermieter. Es seien überwiegend kleine und preiswerte Wohnungen, die hier vermietet würden, sagt er. Stellplätze seien knapp, aber einen Platz im Parkhaus, etwa am Klinikum, könne sich kaum einer der Mieter leisten. Insgesamt gebe es in der von Maria Knott-Klausner benannten Zone lediglich etwa 14 Parkplätze. Das sollten all jene bedenken, die den Vorschlag der FDP-Stadträtin kritisierten mit Hinweis auf das Wegfallen von Parkplätzen, findet Kroiss.

Polizei kontrolliert punktuell

Bei der Polizei weiß man, dass die Durchfahrts- und Halteverbote vor allem an Wochenenden gerne mal missachtet werden. Grundsätzlich gilt nach Angaben der Stadt: Den Parkverkehr behält die Verkehrsüberwachung Rosenheim im Auge, täglich bis 20 Uhr. Im Anschluss übernimmt diese Aufgabe die Rosenheimer Polizei, die außerdem zu jeder Zeit das Durchfahrverbot überwacht. Dass viele Autofahrer dieses Verbot übergehen, bestätigt Robert Maurer, Medienbeauftragter bei der Polizei Rosenheim. Die Einsatzkräfte kontrollierten „punktuell“, vor allem abends zwischen 22 und 23 Uhr sowie gegen 1 Uhr. Unterstützung gebe es dabei von der Bereitschaftspolizei. Anwohnern, die sich durch gestört fühlten, rät Maurer, sich an die Polizei zu wenden.

Die Diskussion um das Quartier ist nicht neu. Ursprünglich ist es Teil des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“. In jüngerer Zeit hatte vor allem der städtebauliche Ideenwettbewerb „Neuordnung Stadtquartier in der Schmucken“ im Jahr 2004 für Impulse gesorgt. Später entstand ein Rahmenplan, dann ein Entwicklungskonzept, das räumlich weiter gefasst war. Rund um die Landesgartenschau 2010 war die Idee entstanden, an bestimmten Straßen Poller aufzustellen, um den Verkehr aus dem Quartier zu halten. Dies allerdings kam nicht zustande.

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