Dem fairen Handel verpflichtet

Ein großer Schritt(von links): Die Schüler Jennifer Klatt, Marcel Litzlbeck, Benjamin Peter, Carina Bischke und der Leiter der Philipp-Neri-Schule, Matthias Bogenberger, sind stolz auf die Fairtrade-Urkunde. Schroeder

Rosenheim – Billige Kleidung aus Asien oder Kaffee aus Afrika, oft hergestellt von unterbezahlten Arbeitskräften unter schlechten Bedingungen – ein Zustand, mit dem sich die Rosenheimer Philipp-Neri-Schule für Kinder mit geistigen Behinderungen nicht abfinden will.

Seit Februar engagieren sich daher Schüler, Lehrer und Eltern für fairen Handel. Dafür wurde die Schule jetzt vom Verein „TransFair“ zur Fairtrade-Schule ernannt.

Alle Kriteriensind erfüllt

Fünf Kriterien müssen erfüllt werden, um sich diese Auszeichnung zu verdienen. Ein Schulteam muss Aktionen und Treffen zum Thema organisieren, ein Kompass die konkreten Pläne festlegen. Darüber hinaus sollen im Schülercafé oder in der Mensa mindestens zwei fair gehandelte Produkte angeboten werden. Die Schüler sollten das Thema „Fair trade“ im Unterricht behandeln und mit verschiedenen Aktionen auf die Problematik aufmerksam machen. Die Philipp-Neri-Schule bot beispielsweise einen Workshop an, bei dem die Teilnehmer Schokolade selbst gießen konnten. Zudem veränderte die Schule das Angebot im Schülercafé.

„Natürlich mussten wir dafür umkalkulieren“, sagt Schulleiter Matthias Bogenberger. „Aber den Schülern ist fairer Handel so wichtig, dass sie sofort verstanden haben, dass teurere, fairere Lebensmittel anstatt der billigen angeboten werden.“ Schüler Daniel Braun (19) fügt hinzu: „Das Thema ist relevant, in anderen Ländern können Kinder nicht in die Schule gehen, da sie arbeiten müssen. Fairer Handel kann hier helfen.“ Zusammen mit Lehrern, Eltern sowie anderen Schülern war Braun Teil des Schulteams.

Im Unterricht sahen sich die Jugendlichen Videos über die Situation von Arbeitern im globalen Süden an und sprachen über Maßnahmen für fairen Handel. Besonders die soziale Empathie solle gestärkt werden. „Unsere Schüler sind in der Gesellschaft auch auf Fairness angewiesen“, sagt Bogenberger. „Das Thema ,Fair trade‘ ist nicht weit entfernt von Inklusion und Teilhabe.“ Lehrer Peter Kracker, einer der Leiter des Schulteams, sieht die Kampagne als Erfolg: „Die Schüler waren gleich von Herzen mit dabei.“

Die Philipp-Neri-Schule ist nicht die erste Rosenheimer Schule, die mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet ist. Auch das Karolinengymnasium und die Grund- und Mittelschule Westerndorf St. Peter haben das Zertifikat bereits erhalten. Nicht zuletzt durch diese Beispiele entstand im Lehrerkollegium deshalb die Idee, auch die Philipp-Neri-Schule könnte sich um das Zertifikat bemühen. Die anfängliche Angst vor dem Aufwand sei schnell verflogen, da das Schulteam den Rest mit seinen Ideen mitgerissen hätte, sagt Schulleiter Bogenberger.

Carina Bischke, die als „Transfair“-Botschafterin die Auszeichnung verlieh, zeigte sich beeindruckt davon, dass die Schule die Voraussetzungen erfülle, obwohl das Team erst im Februar die Arbeit aufgenommen hatte. Rosenheims Zweiter Bürgermeister Anton Heindl appellierte im Grußwort der Stadt, die Würde der Mitmenschen weltweit zu achten.

Daniel Braun, Jennifer Klatt (18), Benjamin Peter (17) und Marcel Litzlbeck (16) stellten die verschiedenen Aktionen vor, die die Schule im Zuge der Kampagne veranstaltet hatte. Dazu gehörte auch das Basteln von Silikonformen mit dem Fairtrade-Logo. Nicht zuletzt organisierte das Team zudem die Feier zur Verleihung des Zertifikats.

Kontrollein zwei Jahren

Damit die Auszeichnung in Zukunft mehr als ein Blatt Papier bleibt, soll die Thematik weiterverfolgt werden. „Für die Schüler wollen wir viele kleine Aktionen im vertrauten Umfeld anbieten. So wird immer wieder aufgefrischt, was fairer Handel bedeutet“, sagt Bogenberger. Auch die Jugendlichen freuen sich auf die zukünftige Arbeit. Viele der Mitglieder im Schulteam werden zwar bald von der Schule abgehen, doch es gibt genug Interessenten in jüngeren Jahrgangsstufen. In zwei Jahren wird überprüft, ob die Schule die Vo raussetzungen noch erfüllt.

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