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Essen to-Go

Kampf gegen den Müll: Warum sich Rosenheim mit einem Pfandsystem für die Gastronomie schwertut

Volle Mülleimer durch Einweggeschirr
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Das neue Gesetz bedeutet keineswegs das Ende des Verpackungsmülls. 
  • Thomas Stöppler
    VonThomas Stöppler
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Nachdem die Stadt nichts zu einem einheitlichen Mehrwegsystem für die Gastronomie unternehmen will, versuchen die Wirte selber an Lösungen zu arbeiten. Von der Politik fühlen sie sich im Stich gelassen.

Rosenheim – 770 Tonnen Müll am Tag. Das ist die vernichtende Bilanz von Essen zum Mitnehmen in Deutschland. Wie viel Müll in Rosenheim in Eimern und auf Straßen landet, dazu gibt es keine Zahlen, aber man kann es sehen.

Das soll und könnte ein Ende haben, denn ab dem 1. Januar kommenden Jahres ist die Gastronomie zu einem Mehrweg-Angebot verpflichtet. Und dabei hakt es gewaltig.

In München gibt es einen Zuschuss

Nachdem ein Antrag der SPD-Fraktion im Stadtrat scheiterte, die Gastronomen bei der Suche nach einem einheitlichen System zu unterstützen, melden immer mehr Gastronomen Bedarf an. Theresa Albrecht, Dehoga-Kreisvorsitzende im Landkreis Rosenheim, hätte sich Unterstützung gewünscht. „Damit das funktioniert, hätte es einen Zuschuss zur Erstausstattung gebraucht“, sagt sie. In München gebe es diesen: Einmalig bis zu 500 Euro gibt es für Restaurants und Cafés.

Dabei geht es nicht nur um die pandemiebedingt gebeutelten Wirte: „Einen Kasten Auerbräu kann ich bei jedem Supermarkt zurückgeben, aber die Teller nur beim Restaurant, von dem ich es habe“, erklärt Al-brecht. Auf dem Land, wo es eh nur einen Wirt gibt, sei das nicht das Problem. Desto mehr Auswahl es gibt, desto eher wird dann die Rückgabe kompliziert. Denn die Systeme sind oft sehr unterschiedlich: Klassische Pfandsysteme, bei denen der Gast eben ein paar Euro pro Box hinterlässt und bei Rückgabe wiederbekommt, gibt es genauso wie App-basierte Systeme. Bei diesen bekommt der Gast seine Verpackung, scannt einen QR-Code auf dem Smartphone und hat dann zwei Wochen Zeit, um sie wieder zurückzubringen. Tut er das nicht, kauft er die Boxen. Für die Wirtschaft fällt eine Leihgebühr pro Nutzung an – manchmal auch mit zusätzlichem Pfand.

Zu selten im richtigen Müll

Wenn es so viele Systeme gibt, dann, so Gastronomin Albrecht, würden die Gäste doch auf das Einweg-Geschirr zurückgreifen. Das gibt es nämlich dann immer noch. Zwar darf es nicht mehr aus Plastik sein, aber wenn es aus biologisch abbaubaren Materialien ist, darf es weiter angeboten werden. Zwar seien solche Verpackungen, wie zum Beispiel aus Zuckerrohr, teurer, aber für den Gast halt praktischer. Dass die Schalen dann im richtigen Müll landen, ist allerdings nicht sicher – besonders im öffentlichen Raum.

„Wenn die Stadt erklärt hätte, dass einfach kein Geld da sei“, sagt Albrecht, „hätte ich das verstanden.“ Fehlende Mittel nannte Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl allerdings nicht als Grund, warum sich die Verwaltung gegen eine Unterstützung aussprach: „In einer marktwirtschaftlichen Ordnung ist es primäre Aufgabe der Unternehmen, sich auf neue Rahmenbedingungen einzustellen und anzupassen“, appellierte er an die Eigenverantwortlichkeit der Wirtschaft. Außerdem gebe es bereits Umsetzung durch die Dehoga, die Industrie- und Handelskammer und auch private Anbieter, erklärte er gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Diese Unterstützung ist allerdings nicht monetär. Die Dehoga gibt Empfehlungen aus und hat Kosten sowie Funktionsweise einiger Systeme vorgestellt. Auch die IHK stellt keine Mittel zur Verfügung.

Fünf Euro Pfand und dennoch kein Rücklauf

Der Antragsstellerin, Ricarda Krüger (SPD), ging es auch um das Stadtbild. Die überquellenden Mülleimer in Parks und öffentlichen Plätzen seien ja nun nicht gerade schön.

„Das sind gute Kosten, die zahle ich gern“, sagt Maria Lancioni von der Essbar über die monatliche Systemgebühr. Bereits seit 2016 ist sie Kundin von Recup. Damals gab es nur die Kaffeebecher, die hat sie eigentlich nicht gebraucht. Aber mit der Pandemie hat sich das dann geändert. Plötzlich holten die Menschen mehr und mehr zu essen und das oft in der Bowl der Firma. Fünf Euro Pfand müssen Gäste pro Schale zahlen – Lancioni auch. Sie kauft die Schalen nicht, sie leiht sie gegen eine Pfandgebühr.

Eine ReBowl aus der Essbar für Jedermann

Das Problem für sie sind nicht die Kosten: „Es ist saublöd, dass ich hier eine Einzelkämpferin bin“, erklärt sie. Lancioni weiß nur von zwei anderen Gastronomen in Rosenheim, die ReCup nutzen. Und die Schalen haben keinen Rücklauf. „Ich habe mindestens 600 Stück nachbestellt“, erzählt sie. Das kostet zwar in diesem Sinne nichts, könne aber natürlich nicht Sinn der Sache sein. Da es in anderen Städten wie etwa Augsburg einheitliche Systeme geben soll, könne sie nicht verstehen, wieso das in Rosenheim nicht gehen soll.

So wie es jetzt sei „hat irgendwann jeder in Rosenheim eine ReBowl aus der Essbar“, sagt Lancioni lachend. Aber wenn sie mit dem System alleine bleibt, dann nehmen die Leute doch wieder Einwegverpackungen. Und der Müll bleibt. „Die Stadt interessiert das anscheinend nicht“, hält sie fest.

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