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Barbara Heuel über Instagram, Facebook und Co.

„Es braucht klare Regeln für Kinder“: Rosenheimer Pädagogin über Gefahren der sozialen Medien

Von Instagram über Facebook bis zu Whatsapp: Für viele Menschen ist eine Welt ohne soziale Medien und Nachrichtendienste heute unvorstellbar.
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Von Instagram über Facebook bis zu Whatsapp: Für viele Menschen ist eine Welt ohne soziale Medien und Nachrichtendienste heute unvorstellbar.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Rosenheim – Facebook, Instagram, Whatsapp: Soziale Medien und Nachrichtendienste sind aus der heutigen Gesellschaft kaum wegzudenken. Ein Gespräch mit Pädagogin und Medienlöwen-Trainerin Barbara Heuel vom Rosenheimer Kinderschutzbund über Gefahren, klare Regeln und warum es ohne Handy, Computer und Co. auch nicht geht.

In Deutschland sitzen Menschen im Schnitt fünfeinhalb Stunden vor dem Bildschirm. Und Sie?

Barbara Heuel:„Ich sitze schon alleine arbeitsbedingt viel vor dem Computer. Außerdem bin ich beim Kinderschutzbund für die Website und gemeinsam mit einer Kollegin für den Facebook-Auftritt zuständig. Man verbringt ganz klar viel Zeit davor.“

Barbara Heuel

Was wäre eine angemessene Bildschirmzeit für Kinder?

Heuel:„Da gibt es kein Patent-Rezept. Jede Familie ist anders, außerdem spielen das Alter der Kinder und deren Entwicklungsstand eine Rolle. Auch das Umfeld darf nicht außer Acht gelassen werden. Gerade für die Jugendlichen ist das, was die anderen machen, ein entscheidender Faktor. Es geht darum, das richtige Maß und eine Balance zu finden.“

Und doch ist diese Balance seit der Pandemie etwas aus dem Gleichgewicht gekommen.

Heuel:„Es ist ein großes Bedürfnis des Menschen dazuzugehören. Und dieses Bedürfnis hat während Corona natürlich stark gelitten, weil es durch die ganzen Einschränkungen nicht möglich war, anderweitig mit Leuten Kontakt aufzunehmen. Umso mehr war man dann auf andere Medien angewiesen. Das hat sowohl positive als auch negative Seiten.“

Sprechen wir über die negativen Aspekte.

Heuel:„Viele Kinder und Jugendliche können beispielsweise noch nicht zwischen Fake-News und echten Neuigkeiten unterscheiden und nehmen alles für bare Münze. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, den Kindern zu erklären, dass es Falschmeldungen gibt, und woran man diese erkennen kann. Ich kann hier beispielsweise die Website , klicksafe.de ‘ empfehlen, die speziell für Kinder, Jugendliche und deren Eltern gemacht wurde.“

Viele Leute sind auf Whatsapp unterwegs. Kommt es da nicht schnell zur Ausgrenzung, wenn man diesen Nachrichtendienst nicht hat?

Heuel:„Ja, stimmt. Das ist vor allem für ältere Kinder und Jugendliche ein Problem, aber auch bei Erwachsenen. Da geht es um ein Sichtbar-Sein. Kinder und Jugendliche wollen dazugehören. Es gibt nichts Schlimmeres für sie, als uninteressant zu sein.“

Was schlagen Sie vor?

Heuel:„Soziale Medien sind für Kinder und Jugendliche ja nicht von Haus aus schlecht – es kommt eben darauf an, was man veröffentlicht. Und darüber kann man mit ihnen sprechen, was geht und was nicht. Es sollten gemeinsam Regeln erarbeitet werden. Und es hilft, wenn die Regeln für alle gelten, nicht nur für die Eltern.“

An welche Regeln denken Sie?

Heuel:„Kein Handy beim Mittagessen. Abends wird das Handy ausgemacht und landet in der Ladeschale. Aber eben für die ganze Familie und nicht nur für die Kinder. Wir bekommen regelmäßig mit, dass uns Kinder erzählen, dass ihre Eltern abhängig sind. Sehr viele Kinder fühlen sich von der Tatsache gestört, dass Mama und Papa ständig vor irgendeinem Gerät hängen.“

Wann spricht man von einer Abhängigkeit?

Heuel:„Wenn es das tägliche Leben beeinflusst. Das heißt, wenn wichtige Termine verschoben oder nicht mehr wahrgenommen werden. Wenn die Hygiene vernachlässigt wird oder die sozialen Kontakte. Da gibt es ein paar Anzeichen. Aber das muss man auch ganz individuell betrachten. Auch hier gibt es eine Grauzone.“

Glauben Sie, dass wir von der hohen, zum Teil pandemiebedingten Bildschirmzeit wieder wegkommen?

Heuel:„Das wieder zurückzudrehen, wird schwierig. Aber auch hier geht es darum, mit den Kindern und Jugendlichen zu sprechen und ihnen je nach Entwicklungsstand klarzumachen, was passiert, wenn man zu lange vor dem Bildschirm hängt. Ich habe beispielsweise bei meinen Vorträgen auch immer Folien über die Gehirnentwicklung dabei. Die zeigen unter anderem ganz deutlich, dass beim Digitalen nur zwei Sinne beteiligt sind. Dadurch verkümmern die Neuronenverbindungen. Es braucht deswegen einen aktiven Ausgleich.“

Zum Beispiel?

Heuel:„Spielen, toben oder kreativ sein. Einfach etwas machen, wo mehr Sinne beteiligt sind, man sich bewegt und Sinneseindrücke hat.“

Ihr Tipp für die Eltern

Heuel:„Das wäre auch keine Lösung. Heutzutage würde das nicht mehr funktionieren. Wie gesagt, Eltern sind Vorbild für ihre Kinder. Das eigene Medienverhalten reflektieren ist schon mal ein guter Schritt. Interesse zu zeigen, was das Kind da macht in den sozialen Medien, was ihm Spaß macht. Mit ihm darüber im Gespräch bleiben. Sich informieren. Das gehört für uns zu einer Medienerziehung dazu. In den Medienlöwentrainings sprechen wir mit den Kindern nicht nur über Risiken und Gefahren, sondern auch über die schönen Seiten.“

Barbara Heuel ist Diplom-Pädagogin und seit 2014 Medienlöwen-Trainerin beim Kinderschutzbund Rosenheim. Immer wieder gibt sie Vorträge dazu, wie Eltern ihre Kinder bei Sexting-Abzocke und Cybermobbing helfen und sie vor ungewollten Kontakten mit dubiosen Freunden in sozialen Medien schützen können. Heuel ist Mutter von drei Kindern. Die Medienlöwen sind Medientrainings für dritte bis siebte Klassen aller Schulformen. Dabei geht es um ganz unterschiedliche Themen, vom Umgang mit dem Smartphone oder sozialen Medien über Handyspiele und Cybermobbing bis zu Bild- und Urheberrechten. Das kostenlose Angebot für die Schulen startet nach der Pandemie-Pause jetzt langsam wieder mit den Trainings, die ersten Schulen haben sich schon gemeldet. Mehr Infos unter Telefon 08031/12929 an uns wenden.

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