Trennungskinder

Erschwerter Umgang: Projekt des Rosenheimer Kinderschutzbundes leidet unter Corona-Maßnahmen

Zwischen den Fronten: Der Rosenheimer Kinderschutzbund kümmert sich mit der Abteilung „Begleitender Umgang“ auch während Corona-Zeiten um die Kinder, deren Eltern sich getrennt haben.
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Zwischen den Fronten: Der Rosenheimer Kinderschutzbund kümmert sich mit der Abteilung „Begleitender Umgang“ auch während Corona-Zeiten um die Kinder, deren Eltern sich getrennt haben.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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„Ein guter Kontakt zu beiden Eltern“ ist das Ziel des Projekts „Begleitender Umgang“ des Rosenheimer Kinderschutzbundes. Doch die Unterstützung von Kindern zwischen eins und zwölf Jahren, deren Eltern getrennt leben, wird durch die Corona-Situation immer schwieriger.

Rosenheim – Regelmäßige Treffen und betreute Veranstaltungen sind nicht mehr ohne Weiteres möglich. Mit mehr Personal und fortschreitender Technik hofft Sozialpädagogin Barbara Heuel, den Buben und Mädchen bald wieder besser helfen zu können. Alles in allem sei es schon „ein sehr schwieriges Jahr gewesen“, meint Heuel.

Das Begleiten von Treffen mit Kindern mit einem getrenntlebenden Elternteil war eine ganz besondere Herausforderung für alle Beteiligten. Mithilfe von sieben geschulten Begleitern wird versucht, ein Umfeld zu schaffen, dass sowohl die Kinder als auch die Eltern unterstützt. In der Regel kommen die Eltern dabei zu einer Beratung in die Stelle, um sich bei den Pädagogen tiefergehend über den Umgang mit ihren Kindern beraten zu lassen. „Wenn das nicht mehr notwendig ist, können sie auch unser Besuchscafe nutzen, um gemeinsam Zeit mit ihrem Kind zu verbringen“, berichtet Renate Plesch, die Leiterin des Bereichs Rosenheim.

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Doch der jeden zweiten Samstag geöffnete Rosenheimer Treffpunkt wird in Zeiten von Corona zum Problem. Denn die zwei großen Räume mit zahlreichen Spielsachen können bereits seit dem ersten Lockdown nicht mehr genutzt werden, um zahlreiche Eltern beim Umgang mit ihren Kindern zu betreuen.

Aktuell kann, unter Einhaltung der allgemeinen Hygienevorschriften, nur ein Elternteil pro Raum zugelassen werden. Das ist laut Heuel viel zu wenig Platz und kostet den Begleitern unnötig viel Zeit. Die begleitenden Umgänge mussten daher teilweise nach draußen verlegt werden.

Digitalen Kontakt ausgebaut

Auch der digitale Kontakt wurde ausgebaut, ist aber auch nur eine bessere Notlösung. Zwar könne man einen sechsjährigen schon den Umgang mit einer Kommunikationsplattform zutrauen. Ein Treffen sei aber eben einfach nicht zu ersetzten, da der direkte Kontakt gerade in jungen Jahren enorm wichtig ist.

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Zudem bemerkte die erfahrene Sozialpädagogin, dass durch den Lockdown viele Probleme in den Haushalten überhaupt erst zutage gefördert wurden. Home-Office und Kontaktbeschränkungen sorgten für viele Streitigkeiten in den Partnerschaften, unter denen die Kinder leiden müssen. Die Nachfrage nach einem begleitenden Umgang steigt daher zusehends an. Mit „kreativen Lösungen“ wie Telefonberatungen und Online-Treffen sowie „großem Einsatz der Mitarbeiter“ konnte man dennoch wieder vielen Familien helfen, fasst Marianne Guggenbichler, die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Rosenheim, zusammen.

Begleiter für die Kinder gesucht

Um den begleitenden Umgang aber auch weiterhin aufrecht zu erhalten, sucht der Kinderschutzbund aktuell neue Begleiter. Um Begleitperson zu werden und beim Umgang mit Kindern zu unterstützen braucht es keine besondere Ausbildung. „Mit einem Interesse für Kinder, einer neutralen Haltung gegenüber den Eltern und einer vom Kinderschutzbund durchgeführten kostenlosen Schulung kann jeder helfen“, betont die Sozialpädagogin Heuel.

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Die 54-Jährige hofft sehr, dass ihr Team bald Unterstützung erhält, sodass sie die hilfebedürftigen Kinder trotz der zahlreichen Corona-Auflagen wieder besser unterstützen können.

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