Ersatz fürs ausgefallene Krippenspiel

Rosenheimer Jugendchor begeistert mit digitaler Weihnachtsgeschichte

Mit Baum aber ohne Krippenspiel: Der Dekanatskantor Johannes Eppelein hat mit dem Jugendchor der Rosenheimer Apostelkirche eine coronakonforme Variante der Jesusgeschichte entwickelt.
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Mit Baum aber ohne Krippenspiel: Der Dekanatskantor Johannes Eppelein hat mit dem Jugendchor der Rosenheimer Apostelkirche eine coronakonforme Variante der Jesusgeschichte entwickelt.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Als Ersatz für das Krippenspiel des Jugendchors der Rosenheimer Apostelkirche, das coronabedingt entfallen musste, hat sich Dekanatskantor Johannes Eppelein für seine Schützlingen etwas Besonderes einfallen lassen: Eine digitale Weihnachtsgeschichte, die die ganze Region aufs Fest einstimmt.

Rosenheim – Dass Maria und Josef nicht zwei Meter vom Jesuskind entfernt stehen dürfen, war dem evangelischen Dekanatskantor Johannes Eppelein schon im Sommer klar. Die Folge: Das beliebte Krippenspiel des Jugendchors in der Rosenheimer Apostelkirche muss dieses Jahr ausfallen. Der musikalische Leiter ließ sich davon jedoch nicht unterkriegen und dachte sich für seine Schützlinge etwas ganz Besonderes aus. Mit jedem Kind produzierte er einzelne Tonaufnahmen und mischte sie später am Computer zusammen. Das Ergebnis ist eine digitale Weihnachtsgeschichte, die Corona einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet.

Krippenspiel wird stückweise erstellt

„Einen riesigen Spaß“, nennt es der musikalische Kantor rückblickend und die Freude ist aus seiner Stimme deutlich herauszuhören. Die Idee zu seiner außergewöhnlichen Variante der Jesusgeschichte entstand zunächst aus einer Albernheit heraus. Er stellte sich vor, wie es wohl gewesen wäre, wenn schon bei Christi Geburt das Coronavirus existiert hätte. Als dann abzusehen war, dass das beliebte Krippenspiel mit den jungen „Apostelsingers“ nicht stattfinden kann, wurde aus der flüchtigen Idee ein handfester Text. „Für die Kinder ist der Auftritt beim Gottesdienst am 24. Dezember immer ein absolutes Highlight“, erzählt Eppelein. Die Enttäuschung war daher zunächst dementsprechend groß.

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Der musikalische Leiter aus der Oberpfalz gab allerdings nicht auf und versuchte, seinen Jugendchor von seiner Corona-Variante zu überzeugen. Mit rund 12 Schülern begann daraufhin die Arbeit. Statt wie gewohnt zusammen an Liedern und Texten zu proben, schickte er musikalische Beispiele zu den Jugendlichen mit dem Auftrag, diese „bis zum geht nicht mehr“ anzuhören und nachzusingen oder zu sprechen. Erst dann sollte jedes Kind einzeln zu ihm kommen, um die jeweilige Passage mit dem nötigen Sicherheitsabstand aufzunehmen.

Keine Texthänger, keine Blackouts

„Für die Kinder war das natürlich sehr ungewohnt“, berichtet der Dekanatskantor aus der Oberpfalz. Während beim Liveauftritt immer auch die Optik und Schauspielerei gefragt war, ging es diesmal rein um die Stimme. Doch die engagierten Zehn- bis 18-Jährigen freuten sich sehr, ihre Texte dafür so lange einsprechen zu können, bis der Leiter und sie selbst zufrieden waren. Texthänger und Blackouts waren passe.

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Nach stundenlangen Sessions am Mikrofon war die Rohform kurz vor den erneuten Corona-Verschärfungen geschaffen. Anschließend galt es, die einzelnen Teilstücke von Instrumenten, Stimmen und Texten digital zusammenzufügen. Auch hierfür benötigte Eppelein nochmals viele nächtliche Extrastunden.

Herausgekommen ist ein fünfteiliges Hörspiel, in dem die Reise für Maria und Josef vom Coronavirus zusätzlich erschwert und Bethlehem kurzerhand zum Risikogebiet erklärt wird. Auch die Hirten und Wirte bekommen in der speziellen Version eine leicht veränderte Rolle zugesprochen.

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+++ Mit der diesjährigen Weihnachtsaktion unterstützten die OVB-Heimatzeitungen das Haus Christophorus in Brannenburg. Hier finden Sie unsere Themenseite zur OVB-Weihnachtsaktion. Alle Informationen zur Aktion gibt es hier. Sie wollen für die OVB-Weihnachtsaktion spenden? Hier geht‘s zum Spendenformular. +++

Das Ergebnis des Projekts ist auf der Webseite der evangelisch lutherischen Kirche Rosenheim und auf Youtube zu hören. Seit Sonntag, 20 Dezember, erscheint jeden Tag um 12 Uhr eine Episode. An Heiligabend ist das „satirische Weinachtsmusical“ dann komplett.

Musical als ein positives Zeichen

Schon ohne den ersten positiven Rückmeldungen hat sich der Einsatz für den Kantor gelohnt. Für ihn ist das Stück nicht nur ein humoristisches Version der Weihnachtsgeschichte, sondern vielmehr ein positives Zeichen in Zeiten von Corona. Ihm ist es wichtig, dass man die schwierige Thematik bestmöglich angeht und sich nicht nur von den täglichen negativen Nachrichten runterziehen lässt. „ Man muss in dieser besonderen Lage den richtigen Umgang mit Corona lernen. So schwer es auch fällt, tut es doch einfach auch einmal gut, darüber lachen zu können.“

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