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Pneumologe Dr. Stephan Budweiser im Interview

„Erinnert an Tumorkrankheit“: Rosenheimer Chefarzt über Erkenntnisse aus seiner Long-Covid-Studie

Chefarzt Professor Dr. Stephan Budweiser
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Chefarzt Professor Dr. Stephan Budweiser
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Rosenheim – Wie der Verlauf der Corona-Erkrankung mit der Schwere der Nachwirkungen zusammenhängt, ob Jüngere da deutlich im Vorteil sind – das und noch einiges mehr untersuchten Pneumologie-Chefarzt Prof. Dr. Stephan Budweiser und sein Team vom Romed-Klinikum in Rosenheim bei Patienten der ersten Corona-Welle. Die Ergebnisse dürften die Fachwelt aufhorchen lassen.

Mit den OVB-Heimatzeitungen sprach Budweiser vorab über Corona-Unterschiede bei Männern und Frauen, über deprimierte Gipfelstürmer und einen harten Winter.

Herr Prof. Dr. Budweiser, Sie untersuchten Langzeit-Nachwirkungen von Covid-19 für eine Studie, die sozusagen gerade in Druck geht. Zu welchen Ergebnissen kamen Sie?

Professor Dr. Stephan Budweiser:„Beunruhigend ist, dass Nachwirkungen von Covid-19 so lange spürbar sind. Der Zeitraum, den wir für unsere Studie untersuchten, betrug zehn Monate. Und nach dieser Zeit hatte die Hälfte unserer Patienten noch Symptome, und zwar am häufigsten Atemnot, Abgeschlagenheit und kognitive Einschränkungen.“

In der Studie ist außerdem von Nachwirkungen von Depressionen bis Haarausfall zu lesen. Kennen Sie andere Krankheiten mit dieser Bandbreite?

Budweiser:„Wir haben mit vielen chronisch Kranken zu tun, und diese Nachwirkungen erinnern fast an die Auswirkungen einer fortgeschrittenen Tumorkrankheit, wenn man es rein auf die Symptomatik beschränkt. Also, diese Schwäche, diese Atemlosigkeit – das sind eigentlich Symptome, die man bei schweren chronischen Erkrankungen sieht. Insofern ist Covid-19, zumindest bis über zehn Monate, für gut die Hälfte der Patienten zu einer chronischen Erkrankung geworden.“

Woher genau rühren die Nachwirkungen?

Budweiser:„Wir haben untersucht, woher die Atemnot und woher das Absinken der körperlichen Leistungsfähigkeit kommen. Wir haben geschaut, ob die Ursache in der Lunge liegt. Dazu haben wir Lungenfunktionsuntersuchungen durchgeführt, und wir haben die Laborwerte genommen, um nach Entzündungen zu schauen. Doch wir haben keinen gut sichtbaren Zusammenhang feststellen können. Es gab nur wenige Patienten, die Einschränkungen der Lungenfunktion aufwiesen, die erklärt hätten, warum sie so stark Atemnot hatten. Das ist ein Gebiet, das noch nicht gut verstanden wird: Woher rührt die Abgeschlagenheit, ist es eine chronische Entzündung, sind es Veränderungen im Gehirn, ist es eine Multisystemerkrankung?“

Ein Krankenpfleger versorgt in einer Klinik einen Covid-Patienten. Doch auch nach erfolgreicher Behandlung kämpfen die Erkrankten oftmals noch lange Zeit mit körperlichen Auswirkungen durch die Infektion.

Trotzdem liegen da körperliche Ursachen nahe. Woher aber rührt die Depression?

Budweiser:„Die persistierenden, also andauernden körperlichen Symptome machen depressiv. Zumindest ist das unsere Hypothese. Stellen Sie sich einen Patienten vor, der sich sagt: Früher konnte ich Sport machen, ich bin auf die Berge gerannt, und jetzt bin ich so fertig und müde, dass ich’s kaum in den Keller und wieder hinauf schaffe. Bei einer höheren Zahl von Symptomen stellen wir eine stärkere Depression fest. Ähnliche Zusammenhänge sehen wir mit der Lebensqualität. Und es scheint, dass sich da was festbeißt. Man kann dann nicht mehr feststellen, ob es die Symptome sind, die auf die Psyche wirken, oder ob es die Psyche ist, die den Körper runterzieht.“

Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern?

Budweiser:„Es gibt da einen Zusammenhang, ja. Frauen scheinen stärker von Symptomen und Depressionen betroffen zu sein. Das ist eine interessante Beobachtung.“

Man kann sich vorstellen, dass die Nachwirkungen insgesamt heftiger ausfallen, wenn man schwer erkrankt war.

Budweiser:„Diesen Zusammenhang wiederum konnten wir nicht feststellen. In unserer Studie gibt es Patienten, die waren drei Tage bei uns und wurden dann entlassen, andere wiederum blieben drei Wochen und mussten sogar intensiv behandelt werden. Doch selbst die, die schnell entlassen konnten, konnten nach einem längeren Zeitraum oft Nachwirkungen spüren.“

Und welche Rolle spielen Vorerkrankungen?

Budweiser:„Dazu muss ich sagen, dass unsere Studie Patienten der ersten Welle umfasst. Und ein Großteil der Patienten in dieser ersten Welle hatte ja Vorerkrankungen. Je homogener die Gruppe, desto schwieriger ist es, Unterschiede herauszuarbeiten. Interessant wäre es jetzt, die derzeitigen Patienten die zehn, 15 Jahre jünger als die der ersten Welle mit dem Studienkollektiv zu vergleichen. Dann könnten wir die Frage besser beantworten. Aber es gibt Hinweise darauf, dass auch Vorerkrankungen nicht die entscheidende Rolle spielen. Und: Man liest häufig, dass auch jüngere Patienten ohne Vorerkrankungen unter schweren Nachwirkungen leiden.“

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Auch die Pandemie selber dauert nun schon länger als von vielen gedacht. Wie lange müssen wir uns noch mit Covid beschäftigen?

Budweiser:„Man war schon in Sorge, was Herbst und Winter bringen werden. Es war ja auch gewarnt worden. Aber ich glaube, dass man sich nicht hätte träumen lassen, dass wir solche Inzidenzzahlen bekommen. Die Inzidenz ist nicht mehr der einzige Maßstab, gut, aber dass wir eine Tausenderinzidenz in der Umgebung hatten, ist schon beunruhigend.“

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