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Vom Feiern, der Liebe und deren Ende

Erfolgreiches Heimspieldebüt der Rosenheimer Band Kaffkiez

Der Bandname steht für den Weg der Musiker: Vom Kaff in den Kiez der deutschen Großstädte.
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Der Bandname steht für den Weg der Musiker: Vom Kaff in den Kiez der deutschen Großstädte.
  • VonKilian Schroeder
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Die Band „Kaffkiez“ spielt in ihrem ersten Konzert im ausverkauften Ballhaus und obwohl es noch nicht mal ein Album gibt, singt das Publikum jedes Lied mit.

Rosenheim – Johannes Eisner hat die Hände über dem Kopf geschlagen. Seine Akustikgitarre baumelt um seinen Hals, er sieht fast ein wenig ungläubig auf die etwa 800 Menschen vor ihm. Erkennen kann er vermutlich kaum jemanden, im Saal ist es zu dunkel und die Bühnenbeleuchtung scheint den jungen Rosenheimer zu blenden. „Zwei Jahre haben wir auf diesen Moment gewartet“, sagt er und streicht sich durch die kurzen Haare.

Dort, im Rosenheimer Ballhaus, stehen einige, die ihn und seine Band „Kaffkiez“ schon kannten, als sie noch auf Schulfesten auftraten. Seit zwei Jahren feiern die fünf Rosenheimer nun einen Erfolg nach dem anderen, die Pandemie hatte Livekonzerte jedoch verhindert. Bis jetzt: Am vergangenen Samstag spielte „Kaffkiez“, nachdem der Termin mehrmals verschoben worden war, zum ersten Mal im Rosenheimer Ballhaus.

Vor Freunden und Familie spielen

Etwa zehn Stunden vorher klingt Johannes Eisner am Telefon etwas müde. Am Tag davor hatte die Band zum Tourauftakt in Passau gespielt, mit Verlusten: Vier Gitarren sollen kaputt gegangen sein. „Live ist jedes Gesetz aus dem Proberaum außer Kraft gesetzt“, sagt Eisner. Er ist der Frontmann von „Kaffkiez“ und die Geschichte, wie seine Gitarre in Passau zu Bruch gegangen ist, wird er am Abend auf der Bühne noch einmal erzählen. Das Konzert in Rosenheim ist nicht nur das größte auf ihrer Tour, für Eisner und seine Bandkollegen Johannes Gottwald, Niklas Mayer, Benedikt Vodermaier und Florian Weinberger sind vor allem die Leute im Publikum besonders: „Es ist immer ein lustiges Phänomen, vor Freunden und Familie zu spielen. Da sind Leute dabei, die uns schon unterstützt haben, als wir wirklich noch nicht besonders gut waren. Da ist die Freude nochmal größer“, sagt Eisner.

Vom Feiern, der Liebe und deren Ende

Vor etwa zwei Jahren gründeten die fünf die Band „Kaffkiez“. Zuvor hatten sie jahrelang unter dem Namen „Maybe“ als Partyband auf Starkbierfesten und Abibällen gespielt. Dann kam der Imagewechsel, deutscher Pop statt alten Klassikern und die erste Single „Nie Allein“. Die öffnete die Tür zu einer Plattenfirma und einer Konzertagentur, inzwischen nimmt die Band in Berlin auf. Weitere Singles erschienen, eine erfolgreicher als die andere. Radiointerviews und ein Auftritt im ZDF-Morgenmagazin kamen hinzu. Die Songs handeln vom Feiern, der Liebe oder deren Ende – mit ironischen Zeilen, wie „Heute wünsch‘ ich dir getrost schwarzen Schimmel auf dein‘ Toast.“ Alles weniger melancholisch als bekannte Deutschpop-Bands wie „AnnenMayKantereit“ oder „Faber“. Die Musik von „Kaffkiez“ sollte immer positiv und für die Party gemacht sein.

Ziemlich genau um 21 Uhr am Freitagabend beginnen die beiden „K“ hinter der Bühne blau zu leuchten. Das Publikum, das schon zuvor immer wieder „Kaffkiez, Kaffkiez“, skandiert hatte, bricht in Jubel aus, als die Musiker auf die Bühne kommen. Sie ist noch dunkel und Eisner fängt an zu singen: „Mit uns geh’n die Sterne aus, Arm in Arm in vollem Lauf“. Danach setzt das Schlagzeug ein, das Licht geht an und das Publikum springt. Die Menschen im Saal singen mit, sind textsicher, dabei hat die Band noch kein einziges Album veröffentlicht.

Nach dem Auftaktsong „Himmelblau“ geht es wweiter, die Musik ist schnell und treibt an, obwohl sowohl Eisner als auch Gitarrist Florian Weinberger nur auf Akustik-Gitarren spielen. Am Piano winkt Johannes Gottwald Bekannten zu, die er im Publikum entdeckt hat. Hinter der Bühne prangt der Leuchtschriftzug „Kaffkiez“, der Bandname, der den Weg der Musiker nachzeichnen soll: Vom oberbayerischen Kaff in den Kiez der deutschen Großstädte. Zwischen zwei Songs nennt Eisner das Konzert das „beste Heimspiel, das man sich vorstellen kann“ – heute Abend ist die Band zuhause, zurück im „Kaff“, heute sind sie „Kaffkids“.

Keine Aftershowpartys

Die Vorbereitung auf ihre erste Tour war für „Kaffkiez“ nicht einfach. Zwar hätten sie viel Zeit im Proberaum verbracht, sagt Eisner, aber eine Liveprobe, in der ein ganzes Konzert in einer passenden Halle einmal simuliert wird, war nicht möglich. „Zurzeit gehen alle Bands auf Tour, alles war ausgebucht.“ Auch das klassische Tourleben mit Parties nach den Konzerten darf nicht stattfinden. Das Risiko, dass sich ein Bandmitglied mit Corona infiziert und Konzerte ausfallen müssen, sei zu groß. „Mehr als ein kühles Bier und ein paar Gespräche sind dieses Mal nicht drin“, sagt Eisner. Wirklich unglücklich darüber klingt er nicht. Zu groß ist die Freude, nach zwei Jahren Proberaum endlich vor Menschen zu spielen. Sie planen schon die nächste Konzerttour für den Herbst und Winter, nachdem ihr Debütalbum „Alles auf Anfang“ im September erscheint. Der Tourabschluss soll am 22. Dezember – wo auch sonst – im Rosenheimer Ballhaus stattfinden.

Erinnerung an die Zeit als Partyband

Einige der Lieder, die auf dem Album sein werden, spielt Kaffkiez auch am Freitagabend. Außerdem ihren ersten Hit „Nie Allein“ und – als Erinnerung an ihre Zeit als Partyband – das Cover „Fürstenfeld“. Den Abschluss bildet ihr Song „Oh, Wien“. Darin geht um ein Liebespaar, bei dem sich beide aber in völlig unterschiedlichen Lebensrealitäten befinden. Eisner hat den Kopf in den Nacken gelegt und singt nicht mehr ins Mikrofon. Das macht aber keinen Unterschied – das Publikum singt das sich wiederholende „Oh Wien“ so laut mit, dass man ihn sowieso nicht gehört hätte. Alle tanzen, hüpfen und die Band feiert gemeinsam mit den Menschen, die sie teilweise seit Jahren kennen. Oh, Rosenheim.

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