NEUE ZAPFSÄULE KOMMT

Erdgas tanken in Rosenheim: Ein Zukunfts- oder Auslaufmodell in Hinblick auf die Energiewende?

Erdgas tanken in Rosenheim: Im März fällt der Schleier und diese Zapfsäule für den alternativen Kraftstoff den Betrieb auf.
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Erdgas tanken in Rosenheim: Im März fällt der Schleier und diese Zapfsäule für den alternativen Kraftstoff den Betrieb auf.
  • Jens Kirschner
    vonJens Kirschner
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Autos mit Erdgasantrieb fristen ein Nischendasein. Entsprechend dünn ist das Angebot, den Treibstoff zu tanken – auch in Rosenheim. Das wird sich auch mit der geplanten Eröffnung einer neuen Säule im Aicher Park wohl nicht so schnell ändern, zum Bedauern der Nutzer dieser Fahrzeuge.

Rosenheim – In Zusammenarbeit mit einem Tankstellenbetreiber nehmen die Rosenheimer Stadtwerke im März eine neue Erdgastankstelle in Betrieb. Sie soll die bisherige Anlage  auf dem Betriebsgelände des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO) in der Theodor-Gietl-Straße voraussichtlich Ende April ersetzen. Der verbleibende Monat dient als Übergangsphase.

Effizientere Verbrennung

Erdgas gilt im Vergleich zum Benzin als umweltfreundlicher: Es verbrennt effizienter, aus dem Auspuff kommt entsprechend weniger CO2. Mehr als 20 Prozent sparten Fahrer von Erdgasautos am Ausstoß des klimaschädlichen Gases, sagen die Stadtwerke Rosenheim (SWRO).

Erdgasbetriebene Fahrzeuge gibt es schon geraume Zeit. Dennoch konnte sich diese Antriebsart nicht wirklich durchsetzen. Wohl auch, weil das Angebot der Autoproduzenten überschaubar bleibt. In den Massenmarkt zumindest hat es der Erdgasantrieb bislang nicht geschafft.

Vorerst nur eine Möglichkeit, Erdgas zu tanken

Dass Rosenheims Stadtwerke dennoch eine Tankmöglichkeit für den alternativen Treibstoff anbieten, begründen diese vornehmlich mit den genannten Vorteilen im Blick auf den geringeren Ausstoß am Treibhausgas Kohlendioxid.

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Doch es bleibt wohl vorerst ein Angebot auf niedrigem Niveau, mit nur einer Möglichkeit in Rosenheim, Erdgas zu tanken. Zumindest, solange die Nachfrage nach dem Energieträger nicht zunimmt: „.Allerdings ist mit der Stadt Rosenheim verabredet, dass die Stadtwerke Rosenheim für eine zusätzliche adäquate Betankungsmöglichkeit sorgen, sobald sich an der Bedarfssituation etwas ändert“, sagt der Versorger.

Als Techonologie hintangestellt

Für Robert Kraus aus Stephanskirchen ist diese Strategie der SWRO nicht nachvollziehbar. Er klagt, dass der Erdgasantrieb als Technologie völlig hintangestellt werde. Und das, obgleich der Schadstoffausstoß geringer ist, und auch die Umrüstung üblicher Benzinverbrenner auf Erdgas einigermaßen problemlos möglich sei.

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An die Stadtwerke gerichtet klagt der Diplomkaufmann: Mit der Entscheidung der Stadtwerke, ihre bisherige Erdgastankstelle auf dem Betriebshof aufzugeben, würden in Rosenheim auch künftig keine Stadtbusse mit Erdgas zum Einsatz kommen. Stattdessen setze Rosenheim beim öffentlichen Nahverkehr weiterhin auf Diesel.

Probleme bei bisheriger Erdgastankstelle

„Grund für den Umstieg damals von Erdgas auf Diesel waren ja die Probleme beim Ausfall dieser Tankstelle an der Theodor-Gietl-Straße, sodass die Busse am Irschenberg betankt werden mussten“, berichtet er aus jenen Zeiten, als der RVO noch Erdgasbusse im Einsatz hatte.

Inzwischen habe sich die Gesellschaft jedoch wieder komplett von dieser Technik verabschiedet, sagt Ingmal Töppel, Geschäftsführer des Stadtverkehrs Rosenheim. Für Töppel verständlich, denn sein Unternehmen sei seinerzeit nicht auf den Erdgas-Zug aufgesprungen, da besagte Tankstelle mit hohen Betriebskosten verbunden gewesen sei.

Kein Zweitmarkt für Erdgasfahrzeuge

Zudem: Hätten Techniker die Anlage warten müssen – dies sei häufiger vorgekommen – habe es keine Alternative gegeben. „Dann steht gleich mal die ganze Flotte“, mahnt er. Ebenso sei der Wiederverkaufswert der Fahrzeuge nach acht Jahren Nutzung wesentlich geringer – wenn überhaupt: Es gebe schlicht keinen Zweitmarkt für Erdgasfahrzeuge. Für ihn habe der Erdgasantrieb kaum Vorteile gegenüber der aktuellen Dieseltechnologie.

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Im Blick auf die  Versorgungssicherheit und die Kosten pro Kilometer sei Diesel unschlagbar. 

Für Erdgasfahrer Kraus steht hingegen fest: Er ist mit seinem Erdgasauto „restlos zufrieden“. Und das hat inzwischen auch schon gut sieben Jahre und 191 000 Kilometer auf dem Tacho.

Gegenüber dem inzwischen gehypten Elektroantrieb hätten Erdgasfahrzeuge Vorteile: mehr Reichweite, schnellere Betankung und eine geringere Umweltbelastung bei Herstellung der Pkw – gerade im Blick auf die schweren Akkus in Elektroautos.

ADAC findet: Erdgas deutlich günstiger als Benzin

„Betrachtet man die reinen Kraftstoffkosten, fährt man mit Erdgas deutlich günstiger als mit Benzin“, berichtet der ADAC auf Anfrage. Bei einem Verbrauch von 4,2 Kilogramm Erdgas auf 100 Kilometer ergäben sich Fahrtkosten von fünf Euro. Das hat der Club in seinem jüngsten Ecotest für den Seat Arona ermittelt.

Zudem sei Erdgas als alternativer Kraftstoff, neben seinem geringeren Kohlendioxid-Ausstoß, bis Ende 2026 steuerbegünstigt, betont die Interessenvereinigung, deren besagter Ecotest jedoch gerade vor einer Neuauflage steht. Weshalb der Verein aus München auch betont vorsichtig ist, die Erdgastechnologie ökologisch mit anderen zu vergleichen, bevor die neuen Ergebnisse vorliegen.

ADAC: Steuervorteile über 2026 hinaus erhalten

Dennoch: Aus Sicht des ADAC sei angesichts der positiven Bilanz sinnvoll,  Hersteller würden neben der Entwicklung von Elektroautos auch die der Gasantriebe weiterverfolgen. So lasse sich auch der von der EU verlangte CO2-Flottenausstoß leichter erreichen. Auch die Steuervorteile für den Kraftstoff sollten über das Jahr 2026 hinaus erhalten bleiben, bereits 2024 sinkt dieser Rabatt. Wasserstoff-Pkw hingegen seien keine wirkliche Vergleichsgröße. „Dazu gibt es zu wenige Modelle auf dem Markt“, findet der Automobilclub aus München.

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