Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Geldentwertung so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr

„Entweder Heizen oder Strom abstellen“ - Inflation trifft viele Menschen in der Region hart

Verzeichnen inzwischen einen größeren Kundenzulauf: (von links) Alfred Schachtl, Kerstin Wecklein und Melanie Henneberger von der Rosenheimer Leibspeise.
+
Verzeichnen inzwischen einen größeren Kundenzulauf: (von links) Alfred Schachtl, Kerstin Wecklein und Melanie Henneberger von der Rosenheimer Leibspeise.

Das Leben in Deutschland verteuert sich im Rekordtempo. Auch in der Region leiden viele Menschen unter den gestiegenen Kosten. Zumindest Banker sehen in der aktuellen Teuerung jedoch keinen dauerhaften Trend.

Von Jens Kirschner
und Katja Schelle

Rosenheim – Die Republik erlebt eine Geldentwertung wie seit 30 Jahren nicht mehr. Im Dezember vergangenen Jahres betrug die Inflationsrate 5,3 Prozent im Vergleich zum Dezember 2021, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Für Geringverdiener in Rosenheim ein Problem, für Rosenheimer unterhalb der Armutsschwelle ohnehin.

Energiepreise als Treiber

Vor allem bei Strom und Gas schlägt die Teuerungsrate besonders zu Buche. Das berichtet auch Dietrich Mehl. „Menschen müssen Entscheidung zwischen Heizen im Winter oder Strom abstellen treffen“, sagt der Rosenheimer Kreisgeschäftsführer des Sozialverbands VdK.

Gründe für diesen Preisanstieg bei der Energie sehen Mitarbeiter der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling zum einen in den geopolitischen Spannungen mit Russland, zum anderen auch darin, dass das Ölförderkartell Opec seine Kapazitäten nicht voll ausschöpft, um den Preis für den Rohstoff stabil zu halten. Zudem sei der Preis für Energie im ersten Pandemie-Jahr 2020 stark gesunken, weswegen sich der Anstieg heuer stärker bemerkbar mache.

An den Energiepreisen hängt ein ganzer Rattenschwanz. Denn wenn der Sprit teurer wird, steigen die Transportkosten und damit die Preise für Lebensmittel. Zu spüren bekämen dies zum einen Geringverdiener, die schlimmstenfalls auch noch zu ihrem Arbeitsplatz pendeln und dafür nun spürbar tiefer in die Tasche greifen müssten, mahnt VdK-Kreisgeschäftsführer Mehl. Aber auch Familien litten unter den steigenden Kosten, gerade in Ballungsräumen, wo Mieten und Immobilienpreise schon seit langem nur eine Richtung kennen: nach oben.

Würdiger Lebensunterhalt?

Ein Problem hierbei: Wer beispielsweise Empfänger von Arbeitslosengeld II ist, muss sich bei seinen Bezügen damit begnügen, welche Werte der Bundesgesetzgeber für realistisch hält, um einen würdigen Lebensunterhalt zu bestreiten. Dies schildert der Geschäftsführer des Rosenheimer Jobcenters, Armin Feuersinger, auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

„Die Höhe der Leistungen für den Lebensunterhalt – der Regelbedarf – werden per Gesetz festgelegt und wurden dieses Jahr um drei Euro bei Erwachsenen und Kindern ab dem 14. Lebensjahr beziehungsweise zwei Euro bei Kindern bis zum 13. Lebensjahr erhöht“, erläutert Feuersinger.

Sprich: Der Gesetzgeber muss auf die erhöhten Preise reagieren und den Regelsatz beim Arbeitslosengeld II anpassen, um den Preissteigerungen gerecht zu werden.

Regionale Unterschiede würden dabei nicht berücksichtigt, denn „die Leistungen zum Lebensunterhalt und die Kosten für die Unterkunft werden nicht dezentral geschätzt und beplant, sondern vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales in einem bundesweiten Gesamthaushalt verwaltet“. Aktuell sinke die Zahl an Beziehern von Arbeitslosengeld II jedoch. Derzeit bezögen in der Stadt Rosenheim 2866 Menschen in 1505 Bedarfsgemeinschaften diese Transferleistung des Staates.

Mehr Kunden bei der Leibspeise

Auch bei der Sozialhilfe, für welche die Stadt Rosenheim verantwortlich zeichnet, verweist die Stadt auf die sogenannten Regelbedarfe, die zentral, nach einem festgelegten Verfahren festgelegt würden. Auswirkungen für den laufenden Haushalt seien deswegen nicht auszumachen. „Eventuelle Mehraufwendungen durch steigende Inflation können nach jetzigem Stand über die beschlossenen Haushaltsansätze gedeckt werden. Zusätzliche Mittel sind aktuell nicht vorgesehen“, heißt es aus dem Rathaus.

Schon seit Ausbruch der Corona-Pandemie verzeichnen Helfer der Rosenheimer Leibspeise einen größeren Zulauf an Kunden, wie deren Leiter Peter Kaiser berichtet. Und seit Ende vergangenen Jahres erlebe die Lebensmittelausgabe des Vereins einen weiteren Zulauf.

„Leute sparen an der Nahrung“

„Die Leute haben weniger Geld und müssen deswegen auch an der Nahrung sparen. Dass macht sich bei uns deutlich bemerkbar“, sagt Kaiser. Die Regelsätze bei staatlichen Transferleistungen seien schließlich unverändert geblieben. Der Ansturm führe dazu, dass die Termine für Kunden der Leibspeise knapp würden, weshalb die Gemeinschaft derzeit daran arbeite, ihr Angebot zu erweitern.

Dass sich die Preissteigerungen auf die Zahl ihrer Kunden auswirkt, kann die Leiterin der Rosenheimer Tafel, Elisabeth Bartl, hingegen nicht bestätigen. Auch dort verzeichne man bereits seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie einen Zulauf, seit Corona blieben aber auch einige Kunden weg.

Insgesamt könne sie jedoch keine gravierenden Änderungen feststellen. Allein: Neue Kunden bei der Tafel seien inzwischen mit einem Alter zwischen 40 und 50 Jahren im Vergleich zu den übrigen relativ jung. Bislang hätten vor allem Ruheständler mit geringer Rente oder Geflüchtete das Angebot der Rosenheimer Tafel genutzt.

Absehbares Ende der hohen Inflation

Wie viele Volkswirtschaftler vermuten auch die Mitarbeiter der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, dass die derzeit hohe Teuerungsrate nicht lange anhält. „Eine klarere Beurteilung ist aber erst im Jahresverlauf möglich, wenn viele „Corona Sondereffekte“ auslaufen“, sagen Andreas Born, Abteilungsleiter für den Bereich „Privat Banking, und Alexander Korn, Leiter der Vermögens- und Generationenberatung.

Entsprechend sehen beide auch keine Erhöhung des Leitzinses bei der Europäischen Zentralbank (EZB). „Sollte sich aber die Inflation hartnäckiger als bisher erwartet erweisen, wären wir nicht überrascht, wenn die EZB in 2023 einen moderaten Zinserhöhungszyklus einläuten würde.“ Dies könne aber auch dadurch erfolgen, dass die EZB ihre Anleihenkäufe weiter zurückfahre.

Mehr zum Thema