Entdeckungsreise mit allen Sinnen

Kuratorin Regina Georg mit dem Gebets-Puzzle in leicht verständlicher Sprache.

Rosenheim – Wenn es um die selbstverständliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung an kulturellen Angeboten geht, gibt es noch viele Hürden zu nehmen.

Dass es möglich ist, beweist die Ausstellung „Religionen der Welt“, die noch bis zum 30. März im katholischen Bildungswerk an der Pettenkoferstraße zu sehen ist.

Kuratorin: Regina Georg

Kuratorin ist die Rosenheimerin Regina Georg. Als Religionslehrerin hat sie bereits vor vielen Jahren ein Konzept für Kinder und Jugendliche entwickelt, das Religion erlebbar machen soll. Die Umsetzung scheiterte bislang an den finanziellen Mitteln. Jetzt hat sie aber viele Unterstützer gefunden: Einer der Kooperationspartner ist die Abteilung Pastoral Menschen mit Behinderung der Erzdiözese, für die Georg, seit einem Jahr, tätig ist. Finanziert wird das Projekt von der katholischen Erwachsenenbildung in Bayern mit Sondermitteln des Erzbistums München und Freising für innovative Projekte und dem Kulturfonds Bayern.

Die Unterstützung erklärt sich damit, dass das Projekt von Georg tatsächlich innovativ ist. Die Ausstellung lädt ein zu einer Entdeckungsreise durch fünf Weltreligionen mit allen Sinnen. Die zehn Stationen, die sich mit den Gemeinsamkeiten und der Vielfalt in Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus auseinandersetzen, sind so gestaltet, dass sie auch für Rollstuhlfahrer frei zugänglich sind. Für Sehbehinderte gibt es viel zu ertasten und zu erfühlen. Wichtige Infos werden über die Brailleschrift und einen Hörstift zugänglich gemacht.

Menschen mit Hörschädigung können sich Teile der Ausstellung in Gebärdensprache über einen speziell für behinderte Menschen entwickelten Computer mit großem Touch-Bildschirm erklären lassen. Damit auch Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung nicht außen vor bleiben, wurden viele Texte, darunter auch der Ausstellungsführer, leicht verständlich formuliert.

Bei der Realisierung mitgewirkt haben neben Regina Georg und der Diplom-Theologin Anneliese Kunz-Danhauser vom katholischen Bildungswerk eine ganze Reihe von Menschen mit Handicap, darunter auch Inklusions-Botschafterin Claudia Böhme. Von Geburt an lebt sie mit einer hochgradigen Seheinschränkung. Den Inklusionsbegriff fasst sie mittlerweile sehr weit: „Inklusion betrifft nicht nur Menschen mit Behinderung, sie kommt allen zugute.“ Von der Ausstellung in Rosenheim ist sie begeistert. „Sehr gelungen“, sagt sie nach einem ersten Rundgang. Besonders gut gefällt ihr Station 2, bei der auf hölzernen Klappen die verschiedenen Namen für Gott zu lesen sind und auf der Innenseite erklärt wird, was die Namen bedeuten. Außerdem kann man die Symbole für die fünf großen Religionen sehen und erfühlen.

Bei den weiteren Stationen warten auf die Besucher ein Gebets-Puzzle und ein Würfelspiel, religiöse Gegenstände zum Anfassen, Hören, Riechen, Schmecken und Sehen und Geschichten von verschiedenen Menschen, die offen berichten, wie sie ihren Glauben leben.

Kindern dürfte Station 4 gut gefallen, denn da können Kirchen, Moscheen und Tempel in Miniatur-Format mit verschiedenen, jeweils typischen Accessoires ausgestaltet werden.

Gebucht: Über 70 Gruppenführungen

„Wir haben mit dieser Ausstellung etwas geschaffen, was es in dieser Form bis jetzt noch nicht gegeben hat“, sagen Georg und Kunz-Danhauser. Neben der Inklusion verfolgen sie damit ein weiteres Ziel: „Wir wollen Menschen der verschiedenen Religionen zum Dialog anregen“.

Das Interesse an dem Konzept ist groß. Über 70 Gruppenführungen wurden bereits gebucht. Mittlerweile gibt es auch schon einige Anfragen von anderen Einrichtungen, die die Ausstellung ausleihen wollen.

Für Georg und Kunz-Danhauser ist das alles erst ein Anfang. „Wir werden dieses Konzept weiterentwickeln“, sagt Georg. Bereits im kommenden Herbst soll die Ausstellung ein weiteres Mal im Bildungswerk gezeigt werden, dann in erweiterter Form.

Diplom-Theologin Anneliese Kunz-Danhauser bei Station 4. Dort können Kirche, Moschee und Tempel in Miniaturformat mit verschiedenen, für sie typischen Accessoires ausgestaltet werden. Schlecker

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