Interivew mit Susanne Delp

Engagement in schwierigen Zeiten: Rosenheimer Stadtbibliothek bietet Lieferdienst an

Bei der Auslieferung:Die Auszubildende Marie Kolbeck liefert die Medien mit ihrem Fahrrad bis vor die Haustür. Stadtbibliothek
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Weil auch die Türen der Stadtbibliothek während der Corona-Krise geschlossen bleiben müssen, haben sich die Mitarbeiter ein zusätzliches Angebot überlegt: einen Medienlieferdienst. Ein Gespräch mit Susanne Delp, der Leiterin der Stadtbibliothek, über Fahrräder, Bücher und wie es trotz Corona weitergeht.

Wie funktioniert der Lieferservice und woher kam die Idee?

Susanne Delp: Der Lieferservice startete bereits im April 2016 unter dem Motto „Bücher kommen zu Menschen“ und war ursprünglich ein Angebot für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Seit Corona kann jeder das Angebot nutzen. Unsere Mitarbeiter sind im Stadtgebiet unterwegs und liefern die Medien nach Hause. Dafür muss man eine E-Mail mit der Bibliotheksausweisnummer und der Adresse an stadtbibliothek@rosenheim.de schreiben und die gewünschten Medien im Bibliothekskatalog auf Verfügbarkeit prüfen. Es können maximal zehn Medien pro Person geliefert werden.“

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Aufgrund der Ausgangsbeschränkung nutzen das Angebot jetzt auch andere Kunden. Wie ist die Resonanz?

Delp: „Die Kunden reagieren durchweg erfreut und dankbar auf das Angebot und die willkommene Abwechslung. Der erforderliche Sicherheitsabstand ist dabei für beide Seiten kein Hindernis.“

Wer nutzt das Angebot?

Delp: „Eine Tendenz lässt sich noch nicht feststellen. Momentan ist die Zielgruppe sehr gemischt. Obwohl man sagen kann, dass die Auswahllisten der Kinder meist deutlich umfangreicher sind als die der Erwachsenen.“

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Wie viele Bibliotheks-Mitarbeiter sind eingespannt? Hat jeder sein eigenes Rad?

Delp: „Beim Packen der Medienpakete für die Bibliothekskunden sind mehrere Kolleginnen beteiligt, alleine würde man das gar nicht schaffen. Die Auslieferung übernehmen sowohl zwei ehrenamtliche Radlerinnen, die die Päckchen jeweils am Nachmittag ausliefern als auch die Bibliotheksmitarbeiterinnen. Die Bibliothek hat ein eigenes Bibliotheksfahrrad mit einem Anhänger, beides wurde finanziert aus Mitteln der Sparkassenstiftung Zukunft. Zum Glück haben all unsere Auslieferer auch eigene Fahrräder mit wasserdichten Taschen.“

Welche Medien werden am Meisten bestellt?

Delp: „Die Bestellungen sind gemischt: Sachbuch, Romane, DVDs, Hörbücher und auch Kinderbücher. Manchmal sogar alles in einer Bestellung. Für jedes Familienmitglied ist was dabei.“

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Wie wird die Zeit sonst genutzt, in der die Bibliothek geschlossen hat?

Delp: „Das Packen der Lieferungen nimmt tatsächlich sehr viel Zeit in Anspruch, die wir aber sehr gerne dafür aufwenden. Außerdem stehen wir den Kunden, so gut es geht, telefonisch zur Verfügung, um Fragen zu den entliehenen Medien und der Onleihe zu beantworten. Daneben nutzen viele Kolleginnen die Möglichkeit den Bestand genauer unter die Lupe zu nehmen – welche Medien sollte man ersetzen, wo fehlt es an wichtigen Dingen. Die Bestellungen und die Einarbeitung aller Neuerscheinungen laufen weiter wie bisher. Vier Mitarbeiterinnen der Bibliothek unterstützen derzeit im Bürgertelefon der Stadt.“ Interview: Anna Heise

Mehr Informationen zum Lieferdienst gibt es hier.

Buchempfehlungen der Mitarbeiter der Stadtbibliothek:

Susanne Delp: Meine Empfehlung ist Katja Oskamp: „Marzahn mon amour – Geschichten einer Fußpflegerin“. Oskamp ist Mitte vierzig, als ihr das Leben fad wird. Das Kind ist aus dem Haus, der Mann ist krank, die Schriftstellerei, der sie sich bis dahin gewidmet hat: ein Feld der Enttäuschungen. Also wird sie Fußpflegerin in Berlin-Marzahn und schreibt auf, was sie dabei hört. Geschichten voller Witz, Wunderwerke über den Menschen an sich – von seinen Füßen her betrachtet.

Bettina Sölch: Mein Tipp ist das Buch: „Mama backt und ich helf‘ mit!: kinderleicht backen mit wenig Zutaten“. Mit diesem Familienbackbuch mit 50 Rezepten für Süßes und Herzhaftes ist man erst mal rundum versorgt. Die Grundzutaten dürften meistens zuhause oder leicht erhältlich sein. Und dann kann es schon losgehen, das gemeinsame Backvergnügen. Ein paar Kurzgeschichten zum Vorlesen, während das Gebäck im Ofen ist, sind noch zusätzlich enthalten.

Elisabeth Gröger: Ich empfehle das Buch „Wondergirls“ von Paola Gianturco und Alex Sangster. Das Buch trägt den Untertitel „Unsere Reise zu den mutigsten Mädchen der Welt“ und ist hervorragend bebildert. In diesem Bild- und Textband werden Mädchen aus Indonesien, Tonga, Kenia, Myanmar, Neuseeland, Kirgisistan und vielen weiteren Ländern porträtiert. Sie arbeiten mit viel Freude und Engagement für Frieden, Umwelt und Gleichberechtigung. Ein Buch, das Hoffnung macht.

Petra Lausecker: Mein Tipp: „Niemalswelt“ von Marisha Pessl. Seit Jims Tod hat Bee keinen ihrer Freunde mehr gesprochen. Als sich die fünf ein Jahr später wieder treffen, entgehen sie nur knapp einem Autounfall. Ein geheimnisvoller Unbekannter eröffnet ihnen, dass der Unfall wirklich passiert ist und es nur einen Überlebenden gibt. Die Freunde sind in einer Zeitschleife gefangen, in der sie dieselben elf Stunden immer wieder durchlaufen – bis sie sich geeinigt haben, wer von ihnen überlebt.

Monika Hochmuth: Meine Empfehlung ist: „Und plötzlich war Frau Honig da“ von Sabine Bohlmann: Ein Kinderbuch zum Vor- und selberlesen. Mit einem Koffer und einem Bienenkorb steht Frau Honig zum rechten Zeitpunkt vor der Tür der Familie Sommerfeld. Das Kindermädchen bringt ihr Leben wieder in Ordnung. Mit viel Liebe spielt sie sich nicht nur in die Herzen von Hugo und Betty, sondern bestimmt auch in die Herzen aller Kinder, die das Buch lesen oder vorgelesen bekommen.

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