Inklusion im Sport

Engagement im Rosenheimer Behindertensportverein: Ehrenmedaille für Johanna Gantner

Auszeichnung in der Reitakademie München: Diana Stachowitz, Präsidentin des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands Bayern, und Innenminister Joachim Herrmann ehrten die Kolbermoorerin (Mitte).
+
Auszeichnung in der Reitakademie München: Diana Stachowitz, Präsidentin des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands Bayern, und Innenminister Joachim Herrmann ehrten die Kolbermoorerin (Mitte).
  • vonAnna Hausmann
    schließen

Sie ist die Frau, die es möglich macht: Johanna Gantner aus Kolbermoor wurde für besondere Verdienste um die Inklusion im Sport und ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von Innenminister Joachim Herrmann ausgezeichnet. In ihrer Arbeit trifft sie auf schwere Schicksale.

Rosenheim/Kolbermoor/München – Für ihre besonderen Verdienste um die Inklusion im Sport und ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zeichnete Innenminister Joachim Herrmann und Diana Stachowitz, Präsidentin des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands Bayern, Johanna Gantner (52) aus Kolbermoor mit einer Ehrenmedaille aus. Seit 1996 ist sie ehrenamtlich im Rosenheimer Behinderten und Rehabilitations-Sportverein tätig.

Feingefühl beim Schwimmunterricht

Wenn die Eltern schon die Hoffnung aufgegeben haben, macht Johanna Gantner es möglich: Unter ihrer Leitung lernen Kinder selbst mit körperlichen Einschränkungen Schwimmen. Denn Johanna Gantner ist eine Macherin, bei ihr bleibt niemand außen vor. „Diesen Kindern kann man spielerisch beibringen, wie sie den Auftrieb im Wasser für sich nutzen können“, erklärt die gelernte Motopädin. In ihrem Beruf fördert sie als Fachkraft für psychomotorische Körper- und Bewegungsarbeit Menschen jeden Alters.

Spaß mit Gleichaltrigen

Beim Schwimmen bräuchten ihre Schützlinge anfangs noch Hilfsmittel, irgendwann schaffen sie es von ganz alleine. Der ein oder andere schwimme vielleicht nicht exakt nach Technik, aber darum ginge es auch nicht. „Andere haben auch den Sprung in einen ‚normalen‘ Sportverein geschafft.“ Die Hauptsache sei, die Kinder könnten mit ihren Freunden ein Freibad besuchen, Spaß haben – wie jeder andere Gleichaltrige auch.

Lesen Sie auch: Noch immer hohe Hürden: Ein Diskussionsabend über die Gleichstellung von Behinderten im Sport

Kraft durch den Sport

Es sind Schicksale, auf die Gantner in ihrer Arbeit trifft. Darunter auch Jugendliche, die durch einen Autounfall schwer verletzt wurden. Der Sport gab ihnen Kraft. „Besser kann man nicht ins Leben zurückkommen.“ Gantner hat ihr Leben in den vergangenen Jahren dem Ehrenamt gewidmet, wollte nichts im Gegenzug.

Raus aus der Außenseiterrolle

Die Kolbermoorerin hat sich der Inklusion verschrieben. „Viele Kinder und Jugendliche, auch Erwachsene, die sich gerne bewegen, können in der Gruppe integriert werden.“ Und das, obwohl sie vielleicht sonst eine Außenseiterrolle haben. „Manche müssen einfach nur ein wenig mehr gefördert werden.“ Dabei gebe es keinen Leistungsdruck. Was zählt, ist das Miteinander, die gegenseitige Hilfe. „Im Spiel sieht man gar nicht mehr, wer ein Handicap hat.“ Stattdessen würden sich Talente herauskristallisieren. Durch die Inklusion steigere sich die Lebensqualität, ist Gantner überzeugt.

Lesen Sie auch: Segeln für alle: Segelclub Prien jetzt mit zwei behindertengerechte Boote

Aufgewachsen mit Inklusionsgedanken

Sie selbst wurde in Mühldorf am Inn geboren. Die Inklusion begleitete sie ein Leben lang: Ihr Vater verlor im Krieg ein Bein. „Das hat mir und meinen Geschwistern immer gezeigt, dass man trotz Beeinträchtigung alles machen kann.“ Ihr Vater war selbst in einem Behindertensportverband aktiv, in Neuburg an der Donau. Und seine Tochter sollte es ihm gleichtun. „Ich bin einfach eine Sportlerin, aber am liebsten mache ich mit anderen Menschen Sport.“

Johanna Gantner fährt vorweg, ihre Schützlinge fest im Blick. In gelben Warnwesten folgen ihr die Kinder. Eines davon, das letzte im Dreiergespann, hat eine Lähmung der linken Körperhälfte.

Gründung der Bayerischen Behinderten-Sportjugend

Vor 16 Jahren schuf sie als Gründungsmitglied die Bayerische Behinderten-Sportjugend, die neben der Jugendarbeit Spiel- und Freizeitveranstaltungen für Kinder und Jugendliche organisiert. Kanufahren, Rudern, Reiten, selbst Skifahren können hier die Kinder mit Handicap. Aus den Ferienlagern gingen auch einige bekannte Gesichter hervor. Beispielsweise Anna Schaffelhuber, ehemalige Monoskibobfahrerin, holte 2014 bei den Winter-Paralympics in Sotschi ihre erste Goldmedaille in der alpinen Abfahrt.

Kein Aufhören in Sicht

„Ich war sehr überrascht, als ich in den Sommermonaten eine Einladung zur Ehrung in München bekommen habe“, erzählt Johanna Gantner. Mit so etwas habe sie nicht gerechnet. Wer sie für die Auszeichnung empfohlen hat, ist ihr bis heute ein Rätsel. „Mit Ihrem ehrenamtlichen Einsatz leisten Sie einen gesellschaftlich unschätzbaren Beitrag,“, teilte Joachim Herrmann ihr und den anderen Geehrten mit. Sie hätten einen großen Anteil daran, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht, gelingt und in den Vereinen praktiziert wird.

Nach 30 Jahren im Ehrenamt denkt Johanna Gantner noch nicht ans Aufhören, sie wird auch weiter im Ehrenamt tätig sein. „Allein das Lachen, die fröhlichen Kinderaugen. Das ist das, was meine Arbeit ausmacht.“

Kommentare