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Ein Einblick in Gerichtsverfahren in Australien

Emotionslos und schweißtreibend: Rosenheimer Gerichtsreporter in Down Under

Theo Auer vor dem Gericht in Cairns
+
33 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit - drinnen ist allerdings alles wohlklimatisiert.
  • VonTheo Auer
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Trotz Urlaub treibt es OVB-Gerichtsreporter Theo Auer in den Verhandlungssaal - nur eben am anderen Ende der Welt. Und dort sind nicht nur die Frisuren der Richter etwas anders.

Rosenheim/Cairns - Um nach der langen Pandemiezeit meinen Sohn zu besuchen, flog ich nach Cairns in Westaustralien. Dort wo der tropische Regenwald oft bis an den Pazifik reicht, wo die Riesenvögel Kasuare hin und wieder über die Straße laufen, wo man wegen der Krokodile möglichst nicht in den Flüssen badet. Als meine Schwiegertochter in die engere Auswahl als Geschworene beim obersten Bezirksgericht für das nördliche Queensland in Cairns berufen wurde, nutzte ich die Gelegenheit das Central Court Northern Queensland in Cairns zu besuchen. 

Nun gilt aus naheliegenden Gründen dort das britische Rechtssystem, das auch den Einzelrichter kennt, der aber nicht nach der Höhe des zu erwartenden Strafmaßes wie in Deutschland eingesetzt wird. Das wird in den Staaten Australiens verschieden angewendet. Den Einzelrichter gibt es auf Antrag vor allem dann, wenn durch die mediale Vorberichterstattung eine Beeinflussung der Jury nicht ausgeschlossen werden kann. In der Regel sind vor allem bei schwerwiegenden Straftaten oder sehr werthaltigen Zivilverfahren Geschworenengerichte tätig.

Nur auf dem Bildschirm präsent

Zunächst fand sich ein 59-jähriger Aborigine, ein Ureinwohner, unter Anklage vor einer Einzelrichterin. Das heißt, der Angeklagte war persönlich gar nicht anwesend, sondern durch eine Videoschaltung lediglich auf einem großen Bildschirm sichtbar und natürlich auch akustisch zugeschaltet. Das erklärte die Vorsitzende Richterin unserem Berichterstatter, dass dies üblich sei, wenn Straftäter sich weit entfernt in Haft befinden. Weil der Mann bereits mehrfach wegen Körperverletzung gegen seine jeweiligen Lebensgefährtinnen verurteilt worden war, belegte ihn das Gericht mit einer zweijährigen Haftstrafe. Darüber hinaus verfügte das Gericht ein andauerndes Kontaktverbot.

In einem Fall vor dem Jugendrichter war der junge Mann ebenfalls nicht persönlich anwesend, sondern nur auf dem Bildschirm zu sehen Dieser wurde wegen Sachbeschädigung zu einer Art Sozialarbeit verdonnert und muss nun regelmäßig zwei Straßen in seinem Wohnort sauber halten und dort den Müll beseitigen.

Keine Gefühlsausbrüche

Insbesondere fiel auf, dass die Vorträge des “Public Prosecutor” (Staatsanwalt) und des “Defender in Court” (Verteidiger) recht geschäftsmäßig, ja geradezu emotionslos vorgetragen wurden. Ob dies dem Verfahren geschuldet oder generell dort so gehandhabt wird hat sich mir anfangs nicht erschlossen. Darauf angesprochen waren die Akteure über diese Nachfrage höchst erstaunt. Ein Richter erklärte, er verbiete sich irgendwelche Gefühlsausbrüche in seinem Gerichtssaal.

Ruhig und sachlich ist die Atmosphäre im Gerichtssaal.

Zwar sind die aktiven Richterinnen und Richter auf Bildern in einem Gang vor den Gerichtssälen mit den aus England bekannten Perücken abgebildet. Jedoch werden diese bei Gericht nicht mehr getragen. Alle Räume in dem hochmodernen Gebäude sind heute mit einer Klimaanlage versehen. Aber bei regelmäßigen Außentemperaturen um die 33 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von durchschnittlich 90% ist es auch ohne diese Perücken schweißtreibend genug.

Wie ein Richter mir mitteilte, sind in Cairns Presseberichterstatter nicht üblich. Lediglich auf Anforderung bekämen Redaktionen dort ein Urteil mit Begründung übermittelt. Was mich angesichts der geradezu faden Abwicklung keineswegs erstaunte. Dort lernte ich die engagierten Einsätze von Staatsanwälten und Verteidigern in Rosenheim zu schätzen. Auch die Urteilsbegründungen der Rosenheimer Richter geben ihm zu einer farbigeren Berichterstattung Gelegenheit - Was ich mit Genugtuung vermerkte.

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