LESERFORUM

Emanzenhaftes Gekreische

Zum Leserbrief „Die Verlierer-Mehrheit“ von Ingrid Klimesch:

Der Leserbrief von Ingrid Klimesch strotzt nur so von falschen Aussagen, dass er so nicht stehen gelassen werden kann.

Die CSU verliert sich also angeblich unter neuer Führung im zänkischen Klein-Klein – die CSU Rosenheim hat überhaupt keine neue Führung, Ortsvorsitzender war und bleibt Daniel Artmann, der neu gewählte Zweite Bürgermeister. Wenn es gerade bei einer Rosenheimer Stadtratsfraktion Zank und Streit gibt, dann sind das die von ihr so hoch gelobten Grünen. Es ist kein Geheimnis, dass die Fraktion in zwei Lager gespalten ist, was auch dadurch zum Ausdruck kommt, dass es erstmals zwei Fraktionsvorsitzende gibt, weil sich eben die beiden Lager nicht „grün“ sind und sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten. Nebenbei bemerkt, war es auch mehr als stillos, wie sich der gescheiterte OB-Kandidat der Grünen, Franz Opperer, bei den Würdigungen der Amtszeit von Gabriele Bauer verhalten hat. Von allen Seiten kam parteiübergreifend nur Positives, Opperer allerdings konnte es nicht lassen, selbst bei dieser Gelegenheit seine Anti-CSU-Haltung aus dem Wahlkampf fortzusetzen.

Auch die von Ingrid Klimesch genannte, angeblich gute Sitte, der zweitstärksten Fraktion einen Bürgermeisterposten zu überlassen, existiert nicht. Nach der Wahl 2014 waren die FW/UP nur viertstärkste Fraktion, trotzdem wurde Dr. Beate Burkl Dritte Bürgermeisterin – im Übrigen eine sehr gute! Interessant wäre zu wissen, ob Ingrid Klimesch bei den Münchner Grünen genauso vehement und lautstark protestiert hat. Denn dort haben Grüne und SPD auch die Bürgermeisterposten unter sich verteilt, während die CSU als zweitstärkste Fraktion leer ausgegangen ist. Ist das nun auch keine gute Sitte, oder gelten für Ingrid Klimesch andere Maßstäbe, wenn es nicht um die Grünen, sondern um eine andere Partei geht?

Aus dem Wahlergebnis der Grünen in Rosenheim ergibt sich kein automatischer Anspruch auf einen Bürgermeisterposten, besonders, wenn man sich vor Augen hält, dass 75 Prozent der Wähler ihr Kreuz nicht bei den Grünen gemacht haben. Von Koalitionen oder Kooperationen von einzelnen Parteien, die eine regierungsfähige Mehrheit bilden und dann natürlich mit ihrer Mehrheit ihre Kandidaten in verschiedene Ämter wählen, davon hat sie offenbar noch nie etwas gehört.

An Unverschämtheit nicht mehr zu überbieten ist ihr emanzenhaftes Gekreische, dass Rosenheim ab sofort nur noch von machtgeilen Männern regiert werde. In einer Demokratie steht es jedem frei, sich zu einem Wahlergebnis oder zu Mehrheitsbeschlüssen in Parlamenten zu äußern.

Aber auch wenn man damit nicht zufrieden ist, sollte man mit dem Anstand und den guten Sitten, die man von anderen einfordert, erst einmal bei sich selbst anfangen.

Richard Stier

Rosenheim

Kommentare