NEUE REGELN AB 2023 IN PLANUNG

„Einweg ist was für die Faulen“: So stehen Rosenheimer Wirte zum geänderten Verpackungsgesetz

Aus für die Einwegverpackungen? Ab 2023 müssen Gastronomiebetriebe ihren Kunden eine Alternative anbieten.
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Aus für die Einwegverpackungen? Ab 2023 müssen Gastronomiebetriebe ihren Kunden eine Alternative anbieten.
  • vonKilian Schroeder
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Um der Müllflut durch To-Go- und Lieferverpackungen Einhalt zu gebieten, hat sich das Bundeskabinett auf eines Gesetzesänderung verständigt: Ab 2023 müssen Gastronomiebetriebe ihren Kunden auch eine Mehrwegvariante anbieten. Die OVB-Heimatzeitungen haben bei Rosenheimer Wirten nachgefragt.

Rosenheim – Pizzakartons, Salatschalen oder Kaffee im Pappbecher – wegen der Corona-Pandemie florieren To-Go-Geschäft und Lieferservice, die Einwegverpackungen stapeln sich noch mehr als sonst. Um dem Müllproblem entgegenzuwirken, hat das Bundeskabinett eine Änderung des Verpackungsgesetzes beschlossen. Die Gastronomie muss neben Einwegbehältern ab 2023 auch eine Mehrwegvariante anbieten. Die OVB-Heimatzeitungen haben bei Rosenheimer Gastronomen nachgefragt, was sie von der Änderung halten.

„Wegen der Gemütlichkeit“

„Das ist einfach viel zu viel Müll, deshalb ist das eine gute Idee“, sagt Muhammad Siddique, Inhaber des indischen Restaurants „Taj Mahal“. Er kann sich jedoch nicht vorstellen, dass seine Gäste Verpackungen wieder zurückbringen: „Die Kunden haben nicht so viel Zeit.“ Siddique glaubt, dass sich die Gäste eher für Einweg entscheiden, „wegen der Gemütlichkeit“. Gastronomen müssen die Mehrwegvariante ab 2023 nur als Alternative zur Einwegverpackung anbieten, letztendlich entscheidet also immer noch der Kunde, ob er die Umwelt schützen will.

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Filomena Digregorio vom italienischen Lokal „La Grappa“ sieht es ähnlich: „Es ist gut, aber es ist umständlich und unpraktisch.“ Sie glaubt nicht, dass ihre Gäste die „große Umstellung“ annehmen und ein Pfandsystem funktionieren würde.

Aristidis Vassios, Inhaber der „Griechischen Taverna“, fragt sich, wie er die Regelung umsetzen soll: „Ich weiß nicht, ob wir das dann mit Pfand machen, aber etwas muss geschehen, weil man jetzt gesehen hat, wie viel Müll es über die Zeit geworden ist.“ Neben der Müllvermeidung sieht der Gastronom die Kostenersparnis als Vorteil, wenn Kunden Verpackungen mehrmals benutzen. Vassios hat bereits Gäste, die ihre Verpackung waschen und dann wieder bringen, wenn sie etwas bestellen. Trotzdem findet er, dass die Regelung spät kommt: „Ich liebe die Natur und ich hätte das schon viel, viel eher gemacht, damit es unserer Umwelt besser geht.“

„Ich hasse Einweg“, sagt Toni Sket

Auch im Wirtshaus „Johann Auer“ legt man Wert auf Umweltschutz. „Einweg ist was für die Faulen, die in der Früh zu spät aufstehen und sich daheim keinen Kaffee, Tee oder Frühstück machen und beim nächsten Shop, Bäcker oder Metzger reingehen. Ich hasse Einweg“, sagt Wirt Toni Sket. Seine Stammgäste bringen selbst Geschirr mit, nur in Ausnahmen bietet er Einwegverpackungen an. „Die Regelung ist schon längst überfällig und selbstverständlich werde ich das umsetzen“, sagt der Wirt. Wenn es nach ihm ginge, sollte die Einwegverpackung „mindestens 50 Cent“ mehr kosten als die Mehrwegvariante. In dem Kabinettsbeschluss ist allerdings nur geregelt, dass die Mehrwegverpackung nicht teurer sein darf als ein Einwegbehälter.

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Für Anke Gibbels vom „Café am Esbaum“ macht die Änderung keinen Unterschied. Bereits seit 2016 verwendet sie standardmäßig Pfandbecher von Recup, nur auf besonderen Wunsch gibt es Einwegbecher. „Ich finde das großartig und sehe keinen Nachteil zu den Wegwerfverpackungen, im Gegenteil“, sagt die Inhaberin des Cafés. Weil ihre Gäste die Becher wieder zurückbringen und diese im Café gewaschen werden, bestehe auch kein hygienisches Risiko. „Die Akzeptanz ist enorm, die Kunden stehen wirklich hinter dem ökologischen Gedanken“, sagt Gibbels. Ausschlaggebend sei nicht, was die Regierung beschließt, sondern wie sich der Gast entscheidet.

Wunsch nach Freiwilligkeit

„Die meisten Gastronomie-Betriebe haben schon Mehrwegsysteme und umweltfreundliche Verpackungen“, sagt Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA). Er ist der Meinung, dass die gesetzliche Verpflichtung nicht der richtige Weg ist: „Das sollte auf Freiwilligkeit basieren.“

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Auch wenn die Änderung erst in zwei Jahren wirksam wird, komme sie zu einer „Unzeit“, in der Betriebe um ihre Existenz kämpfen. „Da sollte man sich auf Bundesebene lieber damit beschäftigen, wie man Betriebe entlastet und unterstützt, statt dass man neue gesetzliche Auflagen beschließt.“

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