Veranstalter will gegen Polizisten vorgehen

Einsatz bei Mahnwache in Rosenheim gegen die Corona-Maßnahmen eskaliert

Verwackelte Handybilder von Teilnehmern zeigen den Polizeieinsatz.
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Verwackelte Handybilder von Teilnehmern zeigen den Polizeieinsatz.

Bei der jüngsten Mahnwache im Rosenheimer Mangfallpark gegen die Corona-Maßnahmen musste die Polizei nach eigenen Angaben mehrmals einschreiten. So sei ein Polizist von einer Frau mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden. Teilnehmer hingegen berichten von Polizeigewalt.

Rosenheim – Bis zu 100 Personen hatten sich laut Polizei zwischen 19 und 21 Uhr in der Nähe des Ichikawa-Platzes versammelt, um ihrem Unmut gegen die Corona-Maßnahmen Ausdruck zu verleihen. Dabei stellte die Polizei mehrere Verstöße nach dem Versammlungsrecht sowie nach den Vorgaben des Infektionsschutzes fest. So seien Masken teilweise gar nicht oder nur ordnungswidrig getragen worden. Eine Frau (57) aus Bad Aibling weigerte sich laut Polizei zudem, ihren Ausweis zu zeigen. Dabei soll sie sich gewehrt und einen Beamten mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Der Beamte blieb unverletzt.

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Ein weiterer Teilnehmer habe nach einem Verstoß gegen die Maskentragepflicht die Herausgabe seiner Personalien verweigert, woraufhin seine Begleiterin versucht habe, ihren Bekannten loszureißen. Die Frau erlitt laut Polizei in der Folge einen Schwächeanfall und musste behandelt werden.

Etwas anders schildern der Veranstalter und Teilnehmer der Kundgebung die Situation. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Ernesto Glas. Seit fünf Monaten organisiert er Mahnwachen, will den Menschen eine Möglichkeit geben, sich auszutauschen. Einen größeren Zwischenfall habe es in der Vergangenheit noch nie gegeben. Bis jetzt.

Er erzählt von einem älteren Ehepaar. Der Mann leide an Mundkrebs, habe deshalb die Mund-Nasen-Bedeckung immer wieder angehoben. Daraufhin hätten die Polizisten ihn zur Rede gestellt. Seine Frau sei ihm zu Hilfe geeilt und sei in der Folge von einem Polizisten so hart gegen die Wand geschubst worden, dass sie mit ihrem Kopf gegen die Hausmauer geschlagen sei. So jedenfalls schildert Ernesto Glas die Situation.

„Wir werden gegen die Polizisten vorgehen“, sagt der Veranstalter. Er selbst könne nicht nachvollziehen, warum die Situation so eskaliert sei. Eben auch, weil die Zusammenarbeit mit der Polizei in der Vergangenheit gut funktioniert habe. „Ich weiß nicht, was sich geändert hat“, sagt Glas.

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Ähnlich schockiert zeigt sich Peter Knefel gegenüber unserer Zeitung. In einem Brief an Oberbürgermeister Andreas März (CSU), der unserer Zeitung vorliegt, schildert er „erhebliche Unverhältnismäßigkeiten seitens der eingesetzten Polizei“. Auszubildende Polizisten, die er als „pubertierende Windelfraktion“ bezeichnet, seien auf friedliche Bürger gehetzt worden. Ein Verhalten, das Knefel „zum Fremdschämen“ findet. In seinem Brief fordert er März auf, die Beamten „aus dem Verkehr zu ziehen“.

Mehrere Briefe an OB Andreas März

Wie unserer Zeitung aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, scheint das nicht der einzige Brief gewesen zu sein, den Oberbürgermeister März gestern zu dieser Thematik erhalten hat.

Insgesamt leitete die Polizei fünf Straf- sowie 14 Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Zudem musste die Polizei zwei Personen von der Versammlung ausschließen und zwölf Personen einen Platzverweis erteilen. Auch ein Rettungswagen war im Einsatz. re

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