Leitbild für Rosenheimer Innenstadt - Ergänzender Einzelhandel am Bahnhof angeregt

Einkaufsstadt der kurzen Wege

Das für Rosenheim relevante Marktgebiet umfasst laut der CIMA-Erhebung über 660000 Menschen -mehr als 90 Prozent davon wohnen außerhalb der Stadt.
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Das für Rosenheim relevante Marktgebiet umfasst laut der CIMA-Erhebung über 660000 Menschen -mehr als 90 Prozent davon wohnen außerhalb der Stadt.

Rosenheim - Der Strukturwandel der Einzelhandelslandschaft wirkt sich mitunter negativ auf die Versorgung der Gesamtbevölkerung aus. Die Kommunen müssen und können aufgrund ihrer Planungshoheit Einfluss auf die Nahversorgungssituation ihrer Bürger nehmen.

Das Münchner Stadtentwicklungs- und Marketing-Beratungsbüro CIMA weist in seinem Einzelhandelsentwicklungskonzept für die Stadt Rosenheim (wir berichteten) darauf hin, dass München unverändert als größter Konkurrent für den innerstädtischen Rosenheimer Einzelhandel gilt. Die Pläne, auf dem Bahnhofsareal neue Flächen für den Einzelhandel bereitzustellen, böten eine große Chance, Angebotslücken zu schließen und Rosenheim als Einkaufsort attraktiver werden zu lassen, so die CIMA.

Die Einzelhandelsentwicklung im benachbarten Österreich weise auf eine steigende Wettbewerbssituation hin. Die herkömmliche Kundschaft des Oberzentrums Rosenheim aus den Umlandgemeinden werde durch das vergrößerte Angebot in den Gemeinden zunehmend dort gebunden. Die "Einzelhandelszentralitätsziffer" von rund 200 liege nach wie vor hoch und unterstreiche nach wie vor die überregionale Bedeutung Rosenheims als Handelsort: Jeder zweite Kunde kommt von außerhalb der Stadtgrenzen.

Das für Rosenheim relevante Marktgebiet umfasst laut der CIMA-Erhebung über 660000 Menschen. Begrenzt wird das Gebiet im Norden von Haag, im Osten von Trostberg und Traunstein, im Süden von Kundl und im Westen von Bad Tölz und Kirchseeon.

2009, zur Zeit der CIMA-Datenerhebung, verfügte Rosenheim über eine Gesamtverkaufsfläche von knapp 220000 Quadratmetern, die sich auf 566 Betriebe verteilt. In der Innenstadt bestanden 366 Betriebe mit rund 88000 Quadratmetern Verkaufsfläche, was 40 Prozent der Verkaufsfläche des Stadtgebiets entspricht. Der Umsatzanteil sei mit 48 Prozent (entsprechend 316 Millionen Euro Umsatz) aufgrund der höheren Produktivität überproportional stark vertreten. Der Gesamtumsatz 2009 wurde mit 662 Millionen Euro beziffert.

Den größten Gewerbestandort der Stadt bildet das Fachmarktzentrum Aicherpark. Die weiteren Standorte in nicht-integrierter Lage sind die Panorama-Kreuzung, das Gewerbegebiet Ost, der Klepper-Park sowie das Gebiet Pichlmayrstraße.

Fast doppelt so hoch wie in Vergleichsstädten ist in Rosenheim mit knapp 800 Quadratmetern Verkaufsfläche je 1000 Einwohner der Sortimentsbereich Möbel und Heimtextilien vorhanden. Noch stärker ist die innerstädtische Leitbranche Bekleidung mit 805 Quadratmetern Fläche pro 1000 Einwohner vertreten (Vergleichsstädte im Schnitt: 330 Quadratmeter).

Die Studie betont, dass Rosenheim gerade in der Schlüsselbranche Textil eine hohe Verkaufsflächenausstattung habe, jedoch könne eine zu hohe Monostrukturierung der Innenstadt zu Attraktivitätseinbußen führen. Daher sollten mehr begleitende Sortimente - "unter anderem Schuhe, Sport, Spielwaren" - angesiedelt werden.

Rund 25 Prozent der Einzelhandelsbetriebe verfügten über eine Verkaufsfläche von weniger als 50 Quadratmetern, ein vergleichsweise geringer Wert für eine Stadt dieser Größenordnung. Bedarf bestünde, so die CIMA, an Verkaufsflächen zwischen 100 und 800 Quadratmetern, insbesondere in der Innenstadt. Mit drei Prozent Anteil werde hochpreisiger Luxusbedarf in der Stadt nur sporadisch angeboten, ansonsten bestehe aber eine gesunde Mischung an Angeboten von gehobener Qualität bis zu discount-orientierten Sortimenten, die mit 6,7 Prozent eher unterdurchschnittlich vertreten seien, so die Studie.

Für die Flächen im Bahnhofsbereich empfiehlt die CIMA Einzelhandelsansiedlungen von Zoofachhandel, Lebensmitteln und Drogeriewaren, Sportartikeln, Fahrrädern, Spielwaren und Elektrogeräten mit insgesamt bis zu 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche, während die innerstädtischen Leitbranchen wie Textil und Schuhe dort ausgeschlossen werden sollten.

hh/Oberbayerisches Volksblatt

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