Einkaufen trotz Corona: Händler und Kunden loben gutes Miteinander am Grünen Markt in Rosenheim

Neu auf dem Markt: Claudia Horländer verkauft sonst am Weihnachtsmarkt und auf dem Herbstfest.

Die Innenstadt war in den vergangenen Wochen oft wie ausgestorben. Ganz anders auf dem Grünen Markt am Ludwigsplatz, auf dem viele Menschen gerne einkaufen – trotz Corona. Wie Kunden und Händler die Zeit mit Corona erleben:

von Heidi Geyer

Rosenheim – Verkäuferin Barbara Perzelmeier (51), hat den Markt in den vergangenen Wochen am Geflügelstand der Firma Wurm erlebt: „Wir waren nach wie vor da, nur eine Woche haben wir Urlaub gemacht. Tatsächlich haben wir fast mehr Geschäft, als vorher.“ Sie vermutet, dass viele Menschen eben nicht mehr essen gehen können und dadurch selbst mehr kochen. „Unsere Stammkunden kommen ebenso wie neue Kundschaft.“ Erleichtert ist sie, dass es ein gutes Miteinander ist, was Abstände und Hygiene angeht: „Alle halten sich daran und insgesamt ist die Disziplin hoch.“

Geschäft nicht so gut, wie erhofft

Auch Ramez Butt vom Käsestand „Kaasloabi“ ist dem Grünen Markt seit Ausbruch der Pandemie treu geblieben. „Wir waren die ganze Zeit da.“ Leider sei das Geschäft nach wie vor nicht so gut, wie erhofft, auch wenn wieder mehr gekauft werde: „In den ersten zwei Wochen war es tatsächlich wenig. Auch jetzt sind wir noch nicht auf dem Niveau von vor der Corona-Krise.“ Auf auf den Mundschutz würde er gerne verzichten, wenn er nicht notwendig wäre. Es sei einfach schwer, damit gut Luft zu bekommen.

Schaustellerin ist neu dabei

Neben den bekannten Ständen am Grünen Markt gibt es aber auch solche, die neu dazu gekommen sind. Wie der von Claudia Horländer (47). Viele Rosenheimer kennen sie vom Weihnachtsmarkt und vom Herbstfest, wo sie ihr Schmalzgebäck seit Langem verkauft. „Schon mein ganzes Leben bin ich Schaustellerin. Nun sind die ganzen Volksfeste und Märkte abgesagt. Das war für uns eine Katastrophe.“

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Zur Überbrückung ist sie jetzt eben am Grünen Markt in Rosenheim mit einem Standvertreten, an dem sie unter anderem Apfelkiacherl und Schmalzkuchen anbietet. „Wie lang wir hierbleiben, wissen wir nicht. Es ist auf jeden Fall dramatisch für uns und auch für unsere Freunde und Kollegen“, sagt Horländer. Zwar müsse sich wohl erst noch herumsprechen, dass es auf dem Ludwigsplatz Horländers Schmalzgebäck gebe. Aber immerhin, ein kleiner Lichtblick sei schon jetzt zu erkennen. Denn die Rosenheimer nehmen ihr Angebot gut an.

Sehnsucht nach Normalität

Die Sehnsucht nach Normalität ist es, die, neben dem Angebot an Lebensmitteln, die Kunden auf den Grünen Markt zieht. Nicole Müller (45), kommt vom Schloßberg und schlendert mit ihrem Hund über den Ludwigsplatz. So unbekümmert war sie nicht immer, schließlich ist sie selbst Risikopatientin.

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„In den ersten Wochen hab ich mich nicht rausgewagt. Ich war nicht einmal einkaufen.“ Sie hätte sich gewünscht, dass der Mundschutz viel früher Pflicht geworden wäre. Warum sie trotzdem am Grünen Markt ist? „Mir tut es gut, mit dem Hund spazieren zu gehen und hier vorbei zu schauen. Im Großen und Ganzen ist es hier wie vor Corona.“ Ihr Hund kriegt dort eine Wurst: „Das ist unser Ritual.“

Fotos als Erinnerung an Corona-Krise

Auch Mira Brückner (46) genießt den Grünen Marktj in der Innenstadt. „In den vergangenen Wochen war ich oft hier. Ein Hauch von Normalität, fast wie früher.“ An diesem Tag, so hat sie es sich vorgenommen, möchte sie noch Fotos machen, um für spätere Zeiten zu dokumentieren, wie die Situation gerade ist. „Ich hoffe, wir sehen das zum ersten und zum letzten Mal.“ Mit Mund-Nase-Schutz versehen, holt sie sich Spargel und Eier, bevor sie wieder auf ihr Fahrrad steigt.

Viele Senioren unterwegs

Johannes Tiefentaler (23) vom Gemüse- und Obststand Agrar freut sich sehr darüber, dass auch während der Corona-Pandemie bei ihm eingekauft wird. Auswirkungen habe er insofern gespürt, dass es einmal eine kurze Zeit gegeben habe, in der vor allem Kartoffeln sehr gut gegangen seien.

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„Wobei wir keine Hamsterkäufe wie etwa beim Klopapier vor einigen Wochen erlebt haben, das ist aber auch nicht unbedingt unser Sortiment.“ Er wundere sich nur, dass es insbesondere viele ältere Menschen seien, die hier am Mark einkauften. „Die Risikogruppe sollte ja eigentlich nicht einkaufen gehen. Zu achtzig Prozent sind es aber Senioren, die ich bediene.“

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