Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


OVB-PORTRÄT DER WOCHE: CLAUDIA SCHÜTZ, VIZEPRÄSIDENTIN DER INNENARCHITEKTEN

Wie eine zweite Haut

Drinnen weiß, draußen weiß:Claudia Schütz an ihrem Lieblingsort, ihrem Wintergarten mit Blick in den Garten.  Schlecker
+
Drinnen weiß, draußen weiß:Claudia Schütz an ihrem Lieblingsort, ihrem Wintergarten mit Blick in den Garten. Schlecker

Vor 40 Jahren gehörte sie zu den ersten, die das Studium in der noch jungen Fakultät für Innenarchitektur an der Hochschule Rosenheim abgeschlossen haben. Heute ist Claudia Schütz aus Rosenheim eine der bedeutendsten Repräsentantinnen ihres Berufsstandes. Die 59-Jährige aus Aising ist Vizepräsidentin des Bundesverbandes Deutscher Innenarchitekten (BDIA).

Rosenheim – „Schöner wohnen“ ist in. Fachzeitschriften mit Einrichtungstipps boomen, Fernsehsendungen wie „Einsatz in vier Wänden“ mit Tine Wittler erreichen hohe Einschaltquoten. Dass die hier präsentierten Tipps oft nicht ausreichen, um eine angenehme Raumatmosphäre zu schaffen, wundert Claudia Schütz nicht. Als Innenarchitektin weiß sie, dass es mehr braucht als ein paar neue Bilder an der Wand, ein schickes Sofa oder einen frischen Anstrich, um einen Raum zu schaffen, in dem sich Bewohner und Gäste wohlfühlen.

Eine Vielzahl von Faktoren müssen stattdessen aufeinander abgestimmt werden: Raumtemperatur, Akustik, natürliches und künstliches Licht, Materialien, Farben, technische Ausstattung, Datenleitungen, Belüftung, Energieanlagen, Baubiologie, Sicherheit, Barrierefreiheit, Raumzuschnitte. Eine Wohlfühlatmosphäre entsteht nach Erfahrungen von Claudia Schütz immer dann, wenn der Raum zum Menschen und seinen Bedürfnissen passt. Auch wenn ein besonderer Stil angesagt ist, heißt es noch lange nicht, dass er zum Wohnhaus einer Familie mit kleinen Kindern oder zum Großraumbüro eines Unternehmens passt.

„Der Mensch in unseren Breitengraden hält sich zu 80 Prozent in Innenräumen auf“, unterstreicht Claudia Schütz die Bedeutung der Innenarchitektur. Der Raum sei sozusagen die zweite Haut des Menschen. Deshalb sei es kein Luxus, sich einen Raum wie ein maßgeschneidertes Kleid von Fachleuten „anpassen“ zu lassen.

„Weniger ist mehr – auch bei der Raumgestaltung.“ Claudia Schütz

Denn fest steht auch: „Schönheit ist relativ“. Claudia Schütz wohnt selber nicht im durchgestylten Designer-Loft in der Innenstadt, sondern in einem 25 Jahre alten Doppelhaus in Aising mit viel Glas und wenig Möbeln. Hier fühlen sich ihre Besucher stets wohl – trotz der eher minimalistischen Einrichtung.

In dieser Atmosphäre wohnt und arbeitet die Innenarchitektin, die sich 1987 nach vier Jahren beim Designinstitut München selbstständig gemacht hat. Eigentlich befindet sich ihr Arbeitsplatz jedoch beim Kunden. Privatleute sind es eher selten, Innenarchitekten werden in der Regel beauftragt, wenn es um die Gestaltung von Geschäften, Hotels, Praxen, Kliniken, Verwaltungen, Galerien, Museen, Messen, Tagungszentren, Kultureinrichtungen oder Büros geht.

Claudia Schütz erarbeit vor Ort gemeinsam mit den Bauherren Raumkonzepte. Erster Schritt: Fragen stellen. Wozu dient ein Raum? Wer hält sich hier auf? Welche Nutzungen sind geplant? Dadurch werden wichtige Denkprozesse angestoßen. Angesichts der vielen zu beachtenden Daten und Fakten ärgert es sie, wenn in den „Schöner Wohnen-Fernsehsendungen“ das falsche Bild vermittelt wird, innerhalb eines Tages lasse sich ein häusliches Umfeld komplett neu gestalten. Das funktioniere schon allein deshalb nicht, weil bei vielen Bauvorhaben auch behördliche Genehmigungen einzuholen und Kostenbudgets einzuhalten sind sowie Handwerker mit ihren Terminen aufeinander abgestimmt werden müssten.

Das richtige Bild des Berufes zu vermitteln, ist Claudia Schütz ein Bedürfnis. Deshalb engagiert sie sich seit 20 Jahren im Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA). Seit 2001 ist sie Vizepräsidentin des einzigen Berufsverbandes für Innenarchitekten mit Sitz in Berlin. In dieser Funktion bemüht sie sich, das Bewusstsein für den Wert und die Bedeutung der Innenarchitektur zu stärken. Das ist nicht einfach, denn selbst in der bayerischen Architektenkammer sind die Innenarchitekten in der Minderheit. Nur 1200 der 23 000 Architekten, die bei der Kammer eingetragen sind, widmen sich der Innengestaltung. Dass bei größeren Bauten ein Landschaftsarchitekt die Außenanlagen plane, sei mittlerweile üblich. Dass für die Raumgestaltung Innenarchitekten die richtigen Experten seien, werde oft nicht erkannt. „Meine Frau hat auch einen guten Geschmack“, heiße es von Bauherren nicht selten.

„Guter Geschmack allein macht noch keinen guten Raum.“ Claudia Schütz

„Guter Geschmack allein macht jedoch noch keinen guten Raum“, empfiehlt Claudia Schütz, sich Unterstützung von Experten zu holen. Berufspolitisch gilt es nicht nur, für die Anerkennung der Innenarchitektur zu kämpfen, sondern auch neue Herausforderungen zu meistern, berichtet Claudia Schütz. Ein Beispiel: Die Studienordnung sieht nur noch sechs Semester für den Bachelor vor: Die Folge: gesunkene Einstiegsgehälter für Absolventen. Darunter leidet die Nachwuchsbildung.

Kommentare